Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Wurden Rostocks Gehwege kaputtgespart?
Mecklenburg Rostock Wurden Rostocks Gehwege kaputtgespart?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:36 19.03.2019
Der dreijährige Matheo muss in der Binzer Straße aufpassen, dass er nicht stolpert, wenn er mit Mama Jacqueline Saß unterwegs ist. Aber der Gehweg soll demnächst saniert werden.
Der dreijährige Matheo muss in der Binzer Straße aufpassen, dass er nicht stolpert, wenn er mit Mama Jacqueline Saß unterwegs ist. Aber der Gehweg soll demnächst saniert werden. Quelle: Ove Arscholl
Anzeige
Rostock

Ist bald Schluss mit Buckelpisten in Rostock? Nachdem sich zuletzt die Senioren aus Lütten Klein öffentlich über den Zustand der Gehwege in ihrem Viertel beschwert hatten, gibt es nun gute Nachrichten vom Bausenator: „Wir vergeben gerade einen großen Auftrag zur Sanierung diverser kleinerer Schäden auf den Gehwegen im Stadtgebiet“, erklärt Holger Matthäus (Grüne). 150 000 Euro sollen noch in diesem Jahr für die Ausbesserungen zur Verfügung stehen. Die Stadt hätte von den Rostocker Ortsbeiräten zahlreichen Meldungen über Schadstellen erhalten und würde nun nach Prioritätenliste vorgehen.

Die genannte Summe sei aber bei Weitem nicht alles, was für die Gehwegsanierung investiert würde. Rund 800 000 Euro stünden dieses Jahr dafür im Haushalt. „Dazu kommen weitere Mittel aus anderen Töpfen, zum Beispiel Maßnahmen der Straßensanierung, Verkehrssicherheit und und und“, so der Senator.

Mehr als 100 Kilometer schadhafter Bürgersteige

Er stellt allerdings noch einmal klar: „Die gleichzeitige Sanierung aller schadhaften Gehwege im Stadtgebiet, von denen wir über hundert Kilometer haben, ist aber logistisch nicht möglich“, sagt Matthäus und ergänzt: „Es gilt der Kreislauf Geld, Personal, Ortsbeiratsbeteiligung, Vergaben und Bauwirtschaft – alles muss wachsen.“

Überall das gleiche Bild: Ein kaputter Gehweg in Evershagen. Quelle: Niels Schönwälder

Nach Ansicht des Senators sei die Stadt auf einem guten Weg. Vor allem mit Blick darauf, dass noch nicht lange wieder Handlungsfähigkeit bestünde. „Ich darf daran erinnern, dass wir fast zehn Jahre eine Finanzbremse aufgrund der Haushaltssanierung hatten und nun erst wieder richtig loslegen können.“

In jedem Viertel gibt es noch Gehweg-Originale

Probleme mit dem Zustand der Gehwege hat aber nicht nur Lütten Klein. „Das Thema beschäftigt uns im Ortsbeirat seit Jahren“, sagt Martin Lau (CDU), Chef der Dierkower Stadtteilvertretung. Es sei nicht so, dass in der Vergangenheit im Viertel nichts gegen die Buckelpisten getan worden wäre. „Aber immer stückweise. Doch solche Flickschusterei macht es am Ende teurer, wenn die Baufirmen dreimal anrücken müssen“, so Lau. Bestes Beispiel sei die Kreuzung Kurt-Schumacher-Ring, bei der die Gehwege zu einem Teil saniert wären und zum anderen noch „den Charme der 80er-Jahre versprühen“, also aus den Anfangszeiten des Quartiers stammen. „Und solche Orginale gibt es überall, auch in den Ortsteilen, die älter sind als Dierkow“, sagt der Ortsbeiratschef.

Und noch etwas sei auffällig: In Dierkow stehen aus dem Förderprogramm Soziale Stadt jedes Jahr 50 000 Euro für Bürgerprojekte zur Verfügung. „Was am meisten vorgeschlagen wird, sind Reparaturen der Gehwege“, sagt Lau. Er kritisiert: „Wenn die Stadt ihrer Pflichtaufgabe nachkommen würde, dann wäre dieses Geld frei für andere Sachen. So, wie es eigentlich gedacht ist.“

Fördermittel für Gehwege in Toitenwinkel und Lichtenhagen

In Toitenwinkel sind im vergangenen sowie diesem Jahr durch Städtebaufördermittel mehrere Gehwegerneuerungen beziehungsweise ein -ausbau geplant. Davon profitieren die Bertrand-Russel-, die Albert-Schweitzer-, die Martin-Niemöller- und die Petersdorfer Straße. Der Kostenumfang der Maßnahmen beträgt etwa 603 000 Euro, Bund und Land beteiligen sich mit etwa 342 000 Euro. Auch für den Stadtteil Lichtenhagen gibt es Hoffnung. Das Viertel soll offizielles Fördergebiet für Städtebaumittel von Bund und Land werden. Ein Teil des Geldes, das dann fließt, soll ebenfalls zur Instandsetzung verschlissener Gehwege genutzt werden.

Stadt muss ein Zeichen setzen und Geld investieren

„Es ist ja schön, dass wir schuldenfrei sind. Aber man bekommt das Gefühl, dass wir kaputtgespart wurden“, sagt Niels Schönwälder (SPD): Das Problem der maroden Gehwege sei ein stadtweites. Dem Ortsbeiratsvorsitzenden von Evershagen fällt in seinem Viertel sofort der Martin-Andersen-Nexö-Ring ein – „da ist der Gehweg superkatastrophal, auch, weil das Parken darauf erlaubt ist“, sagt er. Von der Stadt hat Schönwälder deshalb einen Wunsch: „Jetzt muss mal etwas zurückgegeben und Geld in die Hand genommen werden. Auch, um ein Zeichen zu setzen.“

Claudia Labude-Gericke