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Rostock Zehn Tage Bach: Rostock fest in den Händen der Klassik
Mecklenburg Rostock Zehn Tage Bach: Rostock fest in den Händen der Klassik
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21:08 10.05.2019
Hinter den Tänzern der Ballettschule Marquardt stehen die Initiatoren, ohne die das diesjährige Bachfest in Rostock nicht möglich wäre: Markus Johannes Langer, Birger Birkholz, Christfried Brödel und Wolfgang Nitzsche (v.l.). Quelle: Moritz Naumann
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Rostock

Knapp 80 Veranstaltungen an 21 Standorten: Das diesjährige Bachfest ist am Freitag in Rostock gestartet und zieht in den kommenden zehn Tagen die gesamte Stadt in seinen Bann. Nach dem Eröffnungsgottesdienst in der St.-Nikolai-Kirche gab es einen Empfang im Rostocker Rathaus, wo sich Veranstalter, Künstler und Politiker zusammengefunden haben, um über das barocke Musikgenie zu fachsimpeln.

Zum 94. Mal findet in diesen Tagen das Bachfest der Neuen Bachgesellschaft statt – zum zweiten Mal bereits in Rostock. Damals hat die Veranstaltungsreihe eine neue Rolle der Nikolai-Kirche als Kulturstätte in der Hansestadt eingeläutet, wie die Schirmherrin des Festes und Ministerpräsidentin von MV, Manuela Schwesig, im Vorfeld berichtete: „Schon beim letzten Bachfest in Rostock im Jahr 1995 war die Kirche ein zentraler Aufführungsort, kurz nachdem sie 1994 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Seitdem ist die Nikolai-Kirche aus dem kulturellen Leben der Hansestadt nicht mehr wegzudenken.“

Keinen „Dunst“ von Bach? 33 Werke in 333 Sekunden:

Auf der Suche nach einer Verknüpfung

Was Rostock und Bach verbindet? Laut historischen Dokumenten sei nicht nachvollziehbar, dass Johann Sebastian Bach je in Rostock gewesen sei. „Wir mussten also lange nach einem Anknüpfungspunkt für die Hansestadt suchen. Und den haben wir dann auch gefunden“, sagt der künstlerische Leiter des Festes, Markus Johannes Langner. Denn der berühmte Dirigent und Musikwissenschaftler Hermann Kretzschmar hat zwischen 1877 und 1887 in Rostock gelebt. Seine historischen Konzerte boten die Grundlage für die regelmäßigen Bachfeste der Neuen Bachgesellschaft.

Die thematische Ausrichtung des Festivals läuft unter dem Thema „Kontrapunkte“. In der Musik ist damit ein grundlegendes Satzprinzip mehrstimmiger Musik gemeint. „Im übertragenen Sinne meint Kontrapunkt einen Kontrast, einen Gegenpol zu etwas anderem“, erklärt der künstlerische Leiter des Bachfestes weiter. Doch was verstehen die Gäste des Empfangs unter der thematischen Ausrichtung der Bachtage? „Das ist wie Feuer und Eis, Stimme und Gegenstimme – eigentlich ähnlich wie in der Politik. Nur in der Musik ergänzt sich das“, sagt der Dirigent der Norddeutschen Philharmonie, Marcus Bosch.

Veranstalter, Künstler und Politiker: So war der Empfang im Rostocker Rathaus.

„Bach ist der Anfang und das Ende von allem“

Bach ist jetzt knapp 270 Jahre tot und dennoch: Sein Wirken hallt noch bis heute nach, wie Ingrid Bacher von der Rostocker SPD-Fraktion zu berichten weiß: „Ich habe lange im Figuralchor gesungen und da wurde mir klar: Bach ist der Anfang und das Ende von allem.“ Auch Anne von Hoff, die in den kommenden Tagen an verschiedenen Terminen an der Geige zu hören sein wird, kann lebhaft von ihren Bach-Erfahrungen berichten: „Mein damaliger Musiklehrer hat mich am Ende jeder Übungsstunde das Doppelkonzert von Bach spielen lassen. Seine Kompositionen können einen in die Versenkung bringen“, sagt die freie Geigerin und lacht.

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Sich aus den rund 80 Veranstaltungen einen Höhepunkt herauszupicken, sei schwer, sagt der Vorsitzende der Neuen Bachgesellschaft, Christfried Brödel. Aber sollte er sich für einen Programmpunkt entscheiden müssen, würde er das historische Konzertprogramm des 1. Bachfestes von 1901 nach Hermann Kretzschmar wählen. „Denn gerade dort wird man den spezifischen Rostocker Akzent heraushören“, sagt Brödel, der bereits seit 1968 Teil der Neuen Bachgesellschaft ist.

Von der H-Moll-Messe bis zum Abendliedersingen

Der Rektor der Universität, Wolfgang Schareck, freut sich hingegen sehr auf die am Samstag stattfindende H-Moll-Messe: „Denn ich liebe die Barock-Musik und habe auch ein besonderes Faible für Bach.“ Der Vorstand des Rostocker Bachvereins, Birger Birkholz, freut sich am ehesten auf die kleinen unspektakulären Termine: „Es wird an vier Tagen ein Abendliedersingen in der Johanneskirche geben. Da freue ich mich besonders auf die Beteiligung vieler Rostocker.“

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Um auch einer jungen Generation die Bach’sche Tradition näherzubringen, wird es neben den Konzerthighlights auch Angebote für Kinder und Jugendliche geben – so etwa im Circus Fantasia. Darüber hinaus wird die Rostocker Stadthalle von den Flying Steps besucht – eine Berliner Breakdance-Truppe, die Bachs klassische Werke mit modernen Stilmitteln verbindet und dafür auch schon mit dem Echo-Klassik-Sonderpreis ausgezeichnet wurde. Die Möglichkeiten, sich mit Bach in Rostock vertraut zu machen, gibt es also in den nächsten Tage viele. „Karten sind für fast alle Veranstaltungen noch zu haben“, sagt Markus Langer.

Hier geht es zum Programm des 94. Bachfestes in Rostock.

Moritz Naumann

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