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Mecklenburg Rostock Rostock wird Verkaufszentrum für E-Transporter
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19:46 24.01.2019
Zoo-Controller Robert Maaß und Kuratorin Antje Zimmermann nutzen bereits einen E-Scooter und sind sehr zufrieden. Der Transporter erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 80 Kilometer pro Stunde. Quelle: Ove Arscholl
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Neuer Schub für die Elektromobilität in Rostock und Mecklenburg-Vorpommern: Die Ferdinand-Schulz-Nachfolger Fördertechnik GmbH (FSN) ist nun das landesweite Vertriebszentrum für Elektro-Transporter der Marke Streetscooter. „Wir wollen vor allem mittelständische und kommunale Unternehmen, aber auch größere Firmen ansprechen“, sagt FSN-Geschäftsführer Michael Brühning. Am Donnerstag hat die GmbH ihr neues Projekt rund 120 Gästen bei einem Empfang vorgestellt. Die neuen E-Transporter eignen sich vor allem für kurze Wege in der Stadt.

Kurios: Die Streetscooter werden von der Deutschen Post produziert. Weil die Autoindustrie zu langsam war, hat die Post die Elektro-Transporter eigens für seine Brief- und Paketzustellung entwickelt (die OZ berichtete). 2012 kaufte das Unternehmen die „Streetcooter GmbH“ und kooperiert seither mit Instituten der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen. Inzwischen ist die Post zum führenden Hersteller von Elektro-Transportern aufgestiegen.

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In Mecklenburg-Vorpommern soll nun FSN von Rostock aus die neuen Elektro-Transporter vertreiben. „Neun Streetscooter haben wir bereits verkauft“, sagt Brühning. Das Ziel für 2018 seien nun 30 weitere Verkäufe. „Wir hoffen auf deutlich mehr.“ Doch generell seien aktuell gerade einmal 90 Elektroautos in Rostock gemeldet – zum Vergleich: Insgesamt gibt es rund 90 000 Fahrzeuge in der Hansestadt.

Der Rostocker Zoo hat bereits einen Streetscooter in Betrieb. „Wir haben im Sommer mit dem Transporter eine Probefahrt gemacht und alle Mitarbeiter haben sofort gesagt: Den wollen wir“, berichtet Zoo-Kuratorin Antje Zimmermann. Zwar müssen aufgrund der geringeren Reichweite von 80 Kilometern die Fahrten gut geplant sein. „Aber es fühlt sich fantastisch an“, sagt Zimmermann. Das Auto sei so schön leise. „Alle Abteilungen reißen sich darum, mit dem Wagen zu fahren.“ Der Zoo dürfe den Streetscooter aufgrund einer Kooperation mit FSN vorerst kostenlos nutzen. „Wir sollen helfen, das Ganze bekannter zu machen“, sagt Zimmermann.

Für Rostocks Finanzsenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) ist klar: „Bis zur E-Mobilität in Größenordnung ist es noch ein ganz langer Weg, aber es ist gut, dass FSN hier einen Anfang macht.“ Auch die Stadtverwaltung prüfe, sich einen Elektro-Transporter anzuschaffen. Fünf E-Autos gehören aktuell zum Fuhrpark des Rathauses. „Ich denke bei den Streetscootern jedoch eher noch an die städtische Wohnungsgesellschaft Wiro“, so Müller-von Wrycz Rekowski. Er prophezeit: „Der Streetscooter wird das Auto der Buga 2025.“

Manuela Balan, Geschäftsführerin des Rostocker Unternehmerverbandes, ist ebenfalls überzeugt: „Die Elektromobilität wird sich noch rasant entwickeln.“ Ein Grund dafür sei der Diesel-Skandal. Allerdings müsse die Stadt künftig für die notwendige Infrastruktur sorgen, so Balan. Bisher gibt es 26 öffentliche Ladestationen. „Das ist eher mau“, sagt Claus Ruhe Madsen, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Rostock. Müller-von Wrycz Rekowski hält das angesichts von 90 zugelassenen E-Autos vorerst für ausreichend.

Ein paar Vorbehalte gibt es trotz allem noch: „Die E-Autos haben weniger Komfort, sind aber teurer“, beschreibt Balan einen Gedanken. Laut FSN-Chef Brühning kosten die Streetscooter im Vergleich zu Transportern mit Verbrennungsmotor bis zu 15 Prozent mehr. Die Kaufpreise für die insgesamt neun Modelle bewegen sich zwischen 30 000 und 46 000 Euro. Dafür seien jedoch Einsparungen bei Verbrauch und Service von bis zu zehn Prozent pro Jahr möglich, so Brühning.

Für Müller-von Wrycz Rekowski ist der Kauf eines E-Autos ohnehin nicht unbedingt eine Frage der Wirtschaftlichkeit, sondern der Haltung. Das sieht IHK-Präsident Madsen ähnlich: „Es gibt ein starkes Interesse. Die Leute wollen das.“ Offen ist derweil noch, wie die Batterien der Transporter nach dem Gebrauch entsorgt werden können. Die Lithium-Ionen-Akkus sollen mindestens sechs Jahre halten. „Dafür gibt es eine Garantie“, sagt Brühning. An einem Recycling-System werde mit den Herstellern gearbeitet.

André Wornowski

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