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Rostock Zu laut, zu stickig, zu dreckig? Interview mit dem Hanse-Sail-Lärmtelefon
Mecklenburg Rostock Zu laut, zu stickig, zu dreckig? Interview mit dem Hanse-Sail-Lärmtelefon
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14:25 09.08.2019
Während der Hanse Sail hat das Amt für Umweltschutz ein Beschwerdetelefon eingerichtet. Quelle: Moritz Naumann
Rostock

Die Hanse Sail 2019 ist das größte Volksfest von Mecklenburg-Vorpommern und sorgt damit nicht nur für viele imposante Segelschiffe, Fahrgeschäfte und hochkarätige Acts am Stadthafen und in Warnemünde, sondern manchmal auch für Ärger bei den Anwohnern. Um zwischen Bürgern und dem Fest zu vermitteln, hat das Amt für Umweltschutz ein Lärmtelefon eingerichtet.

Kurz nach der Jahrtausendwende wurde das erste Lärmtelefon zur Hanse Sail eingesetzt. In den Jahren davor waren Mitarbeiter des Amtes für Umweltschutz noch mit Messinstrumenten auf dem Seglerfest unterwegs, um das Beschallungsende durchzusetzen. Dabei sahen sie sich auch mit manch verbaler Auseinandersetzung konfrontiert – sogar die Künstler auf der Bühne hätten Stimmung gegen die Durchsetzung des Lärmschutzes gemacht, wie eine langjährige Mitarbeiterin berichtet. Heute seien die Endzeiten klar und werden eingehalten, so dass nächtliche Kontrollen nicht mehr nötig seien. Das sei auch an der Anzahl der Anrufe zu erkennen, denn die habe sich seit der Einführung halbiert.

Interview mit dem Lärmtelefon

Es klingelt nicht oft, nachdem man die Telefonnummer 0160 / 880 31 55 wählt. Dörte Gerloff vom Amt für Umweltschutz meldet sich mit ruhiger und angenehmer Stimme. Sie ist bereit, von der Arbeit mit der Lärmhotline zu berichten.

OZ: Wie lange betreuen Sie schon das Lärmtelefon zur Hanse Sail?

Gerloff: Ich bin seit drei Jahren dabei. Die Kollegin mit der meisten Erfahrung macht das bereits seit 22 Jahren – andere etwa sieben bis acht Jahre.

Wie viele und wie lange sind die Mitarbeiter in Bereitschaft?

Die Lärmtelefonbereitschaft teile ich mir in diesem Jahr mit einer Kollegin. Wir sind in der Regel bis 0.30 Uhr erreichbar. Denn bis 0 Uhr müssen die Bühnen und Fahrgeschäfte die Musik ausstellen.

Was sind die häufigsten Gründe für einen Anruf?

Da geht es tatsächlich um die Lautstärke des Bühnenbetriebes und der Fahrgeschäfte. Darüber hinaus wird sich aber auch über die Abgase der Schiffe beschwert. Gerade im Bereich der Neubauwohnungen um das Neptun-Center. Die liegen ja direkt am Kai und bei ungünstigen Wind können sie durch die Abgase der Schiffe betroffen sein. Hubschrauber und auch Böllerschüsse waren aber auch Thema am Lärmtelefon – so auch das Partyschiff „Koi“. Anhand der Anrufe ist oft nachvollziehbar, wo sich das Schiff gerade befindet.

Wann erhalten Sie die meisten Anrufe?

Die meisten Anrufe erhalten wir kurz vor 0 Uhr.

Wie reagieren Sie auf eine Lärmbeschwerde?

Wir versuchen, zwischen Bewohnern und Party zu vermitteln, geben Auskunft über die Zulässigkeit und die Öffnungszeiten. Das ist oft auch psychologische Arbeit. Ist der Verursacher bekannt, wird zur Klärung telefonisch oder persönlich Kontakt zum Verursacher aufgenommen, um die Ursache abzustellen. Wir arbeiten dafür aktiv mit den Sicherheitskräften, dem Hanse-Sail-Büro und dem Marktbetreiber zusammen. Gegebenenfalls gibt es auch noch eine Vor-Ort-Kontrolle.

Wird das Lärmtelefon für Fakeanrufe missbraucht?

Manchmal wird sie mit einer Info-Hotline verwechselt. Der erste Anrufer am Donnerstag wollte etwa wissen, wo sich denn Behindertenparkplätze befinden. Darüber hinaus wurde auch schon gefragt, wo sich denn die nächste Currywurstbude sei oder ob es sich noch lohnt, hinzugehen. Eigentlich ist das Lärmtelefon nur für Ruhestörungen, die der offiziellen Veranstaltung zuzuordnen sind, eingerichtet. Die Beschwerden sind aber sehr vielfältig, da der Bürger nur bedingt unterscheiden kann, was der Sail zuzuordnen ist. Daher sind die diensthabenden Mitarbeiter bemüht, auch hier zu helfen.

Von wo stammen die meisten Beschwerden?

Die meisten rufen aus Gehlstorf, vom Stadthafen oder aus Warnemünde an. Aber es gab auch schon Beschwerden aus Groß-Klein – etwa wenn die „Koi“ dort vorbeigefahren ist.

Was würden Sie Anwohnern, die große Probleme mit dem Fest haben, raten?

Die Stadtverwaltung bittet alle Anwohnerinnen und Anwohner um Verständnis und Toleranz in den kommenden Tagen. Für diejenigen, die große Probleme mit dem Fest haben, empfehlen wir vorauszuplanen, da die Hanse Sail immer am Donnerstag vor dem 2. Augustwochenende beginnt. Das Fest findet ja immer an einem festen Termin im Jahr statt. Gegebenenfalls kann man sich Ärger und Stress ersparen, indem man vorausplant und vielleicht für ein paar Tage verreist.

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