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Rostock Zu wenig Geld: Familienhebammen hören auf
Mecklenburg Rostock Zu wenig Geld: Familienhebammen hören auf
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07:10 09.03.2019
Eine Hebamme hört die Herztöne eines Babys ab. Seit 2008 gibt es in MV Familienhebammen, die auch nach der Geburt helfen. Quelle: Uli Deck/dpa
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Rostock

Ein wichtiges Landesprojekt für Sozialarbeit steht in Rostock vor dem Aus. Nach jahrelangem Streit um die Bezahlung haben fast alle Familienhebammen in der Hansestadt weitgehend ihren Dienst eingestellt, teilt der Hebammenverband MV mit. Wichtigste Zielgruppe sind meist alleinerziehende Frauen mit mehreren Kindern, berichtet Hebamme Andrea Hübel. Sie hat den Eindruck, dass die Zahl dieser Familien im Rostocker Nordosten und Nordwesten zunimmt. „Wir haben mittlerweile die zweite Generation“, sagt die langjährige Betreuerin.

Die 54-Jährige ist eine von zwölf Familienhebammen in Rostock. Oder besser: Sie war es. Elf der zwölf haben Anfang Januar diesen Teil ihrer Arbeit beendet, bleiben aber weiter in der Geburtshilfe tätig. Grund ist die Bezahlung. 2008 erhielten die speziell weitergebildeten Hebammen 30 Euro pro Stunde. Bis Ende vergangenen Jahres kletterte der Betrag auf 39 Euro, ab Januar sind es noch einmal drei Euro mehr. Mag nach viel klingen, ist es aber aus Sicht der Hebammen nicht. „Die Bezahlung ist unangemessen“, sagt Kathrin Herold, Hebamme aus Rostock und Vorsitzende des Landesverbandes.

Die Honorarsätze lassen sich mit dem Stundensatz einer Autowerkstatt vergleichen, argumentieren die Betreuer. Viele Kosten müssten davon bestritten werden. Etwa für Praxisräume, Auto, Krankenkasse und Rentenversicherung. Für ihre Haupttätigkeit – Kinder auf die Welt holen, Vor- und Nachsorge – gibt es fast doppelt so viel Geld. Der Unterschied hat offenbar damit zu tun, wer am Ende die Rechnung übernimmt: Die Familienhebammen werden aus Sozialmitteln von Bund und Land bezahlt, die Kosten für die Geburtshilfe übernehmen dagegen die Krankenkassen.

„Einen anderen Horizont aufzeigen“, nennt Andrea Hübel die Aufgabe der Familienhebammen. Es gehe darum, Müttern und Kindern zu zeigen, wie der Tag einen strukturierten Rhythmus bekommt. In Familien, in denen morgens niemand aufstehen muss, sei das keine Selbstverständlichkeit. Im Mittelpunkt steht das Wohl der Kinder, die Familienhebammen zählen deshalb zu den sogenannten Frühen Hilfen. „Kinder müssen auch mal nach draußen auf den Spielplatz, vor dem Fernseher oder der Daddelkiste rumhängen reicht nicht“, sagt die Andrea Hübel, die ihre Praxis in der KTV hat. Katrin Herold, die auch lange als Familienhebamme tätig war, spricht von einer „Lotsenfunktion“ der Helferinnen. Der größte Vorteil der Familienhebammen ist die Nähe. Ihnen vertrauen betreute Mütter in der Regel mehr als Mitarbeitern des Jugendamtes. Das hängt mit der besonderen Stellung der Hebamme zusammen.

Die Stadtverwaltung bedauert die festgefahrene Situation zwischen dem Schweriner Sozialministerium und den Familienhebammen. Laut Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) ist sie das Ergebnis von „unterschiedlichen Auffassungen, welche Honorarhöhe angemessen ist“. Die Hansestadt verhandelt über eine Weiterführung des Angebots in kleinerem Umfang. Im Gespräch ist derzeit, dass zwei Familienhebammen weitermachen, von denen eine von der Stadt und die andere vom Land bezahlt wird. Nach Angaben des Schweriner Sozialministeriums arbeiteten 2017 zehn Familienhebammen in der Hansestadt sowie neun im Landkreis Rostock. Die Landkreishebammen betreuten 42 Familien, die in Rostock 88. Ministeriumssprecher Alexander Kujat verweist auf andere Hilfsangebote wie die Schwangerschaftsberatungsstellen im Land.

Dass es doch noch zu einer Einigung mit dem Land kommt, ist unwahrscheinlich. „Das ist vorbei“, sagt eine Hebamme. Ihrer Meinung nach wäre ein Stundensatz von 50 Euro ausreichend. In den Verhandlungen soll es allerdings um deutliche höhere Beträge gegangen sein, in der Stadtverwaltung ist die Rede von 60 bis 70 Euro. „Natürlich sind wir für faire und gerechte Löhne“, sagt Bockhahn. Angebote, die vorbeugend helfen und nicht erst im akuten Krisenfall, seien aber schwieriger zu finanzieren. Rechnerisch wäre noch Geld da: Eine halbe Million Euro steht jährlich landesweit für Familienhebammen und Familienkinderkrankenpfleger bereit. Der Rahmen wurde noch nie ausgeschöpft, 2018 blieben knapp 160 000 Euro übrig.

Gerald Kleine Wördemann

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