Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Zu viel Lärm: Neuer Kreuzfahrt-Hafen vor dem Aus?
Mecklenburg Rostock Zu viel Lärm: Neuer Kreuzfahrt-Hafen vor dem Aus?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:45 07.08.2018
Das Werftbecken in Warnemünde: Zwischen den Schiffbau-Hallen und der neuen Bebauung soll der neue Kreuzfahrt-Hafen entstehen.
Das Werftbecken in Warnemünde: Zwischen den Schiffbau-Hallen und der neuen Bebauung soll der neue Kreuzfahrt-Hafen entstehen. Quelle: Andreas Meyer
Anzeige
Rostock

Es soll eines der größten Infrastruktur-Projekte des Landes werden, eine Investition in die Zukunft des Hafen-Standortes Rostock. Doch noch vor dem Abschluss der Planungen droht den Plänen für das neue Werftbecken in Warnemünde das Aus: Nach OZInformationen hat das Umweltamt grundlegende Bedenken gegen den 100 Millionen Euro teuren Bau eines neuen Kreuzfahrt-Hafens im Ostseebad angemeldet. Schon jetzt sei es zu laut in Warnemünde. Mehr Schiffe würden auch mehr Lärm bedeuten. Die städtischen Umweltschützer wollen den Hafen offenbar nur genehmigen, wenn er Landstrom-Anschlüsse bekommt und die Kreuzfahrer am Kai ihre Motoren abschalten.

Wohnbebauung zu dicht am Werftbecken?

Offiziell äußert sich die Stadtverwaltung bisher nur sehr zurückhaltend zu dem Thema. „Zur Genehmigung des Hafenbetriebes im Werftbecken wird ein Planfeststellungsverfahren vorbereitet“, so Stadtsprecherin Kerstin Kanaa. Und im Rahmen dessen werde auch geprüft, ob das Vorhaben mit dem Bundesimmissionsschutzgesetz vereinbar sei. Umwelt- und Verkehrssenator Holger Matthäus (Grüne) wird auf Nachfrage etwas konkret: Ja, Lärm könnte das große Thema bei den Genehmigungen für den neuen Kreuzfahrthafen sein. „Wir haben zwei große Wohnbereiche in unmittelbarer Nähe zum Werftbecken.“ Ein Umweltgutachten sei noch in Arbeit. Die ersten Analysen deuten nach OZ- Informationen aber darauf hin, dass die zulässigen Grenzwerte für Lärm-Belästigungen deutlich überschritten werden könnten. „Wir müssen uns Maßnahmen überlegen“, sagt auch Senator Matthäus bereits. Er sieht da auch die Kreuzfahrt-Branche in der Pflicht: „Das Thema Lärm und Abgase ist ja nicht nur ein Warnemünder Problem. Die Reedereien müssen über saubere, leise Schiff nachdenken.“ Der Hafenbetreiber Rostock Port verweist in allen Fragen zum Werftbecken an die Stadt. „Wir wurden aber in die Abstimmungen zu einem Lärmgutachten einbezogen“, sagt Hafen-Sprecher Christian Hardt. Die Planungshoheit liege bei der Verwaltung. Bereits seit 2002 betreibt und bewirtschaftet Rostock Port die Kreuzfahrt-Liegeplätze P1 bis P8 am Passagierkai.

Umweltamt für Landstrom-Pflicht?

Aus Rathaus-Kreisen heißt es bereits, das Umweltamt wolle für das Werftbecken eine Landstrom- Pflicht durchsetzen. Im Klartext: Nur Schiffe, die während der Liegezeit ihren Motor abschalten und stattdessen via Kabel von Land aus mit Energie versorgt werden, sollen dort festmachen dürfen. „Über Landstrom müssen wir endlich reden“, fordert auch Matthäus. Eine entsprechende Untersuchung laufe bereits, bestätigt auch Rathaus- Sprecherin Kerstin Kanaa auf Nachfrage. Bisher gibt es Landstrom in Nordeuropa nur in den allerwenigsten Häfen. Hamburg bietet die Energieversorgung von Land an, in Kiel laufen die Planungen. „Die einzige Anlage dieser Art in der Ostsee, die bereits im Bau ist, entsteht im norwegischen Kristiansand“, sagt Claus Bødker. Er ist Direktor von „Cruise Baltic“, dem Zusammenschluss der großen Kreuzfahrt- Häfen in der Ostsee. „Landstrom ist ein sehr effektiver Weg, um in den Häfen Abgas-Belastungen zu vermeiden.“ In den USA und Kanada gäbe es solche Anlagen bereits häufiger. Dennoch: „Nur 20 Prozent der Kreuzfahrt-Schiffe, die in der Ostsee unterwegs sind, sind für Landstrom ausgelegt.“

Aida fordert Anschluss in Warnemünde

Eine der großen Reedereien, die auf Landstrom setzt, ist der Rostocker Branchen-Primus Aida. Bereits im Mai hatte Reederei-Präsident Felix Eichhorn im OZ-Interview auch für Warnemünde Landstrom-Anschlüsse gefordert. In Kiel und Hamburg will Aida einer der Hauptnutzer der Anlagen sein – und perspektivisch auch in Warnemünde. Laut „Cruise Baltic“- Direktor Bødker haben aber nahezu alle Reedereien eingesehen, dass sie „sauberer“ werden müssen: „Ein Weg sind auch Schiffe, die mit dem Flüssiggas LNG betrieben werden. Die Entwicklung in dem Bereich schreitet schnell voran.“ Aida und Costa beispielsweise lassen auf den Meyer-Werften in Rostock, Turku und Papenburg bereits LNG-Kreuzfahrer bauen. Bødker spricht sogar von noch neueren Technologien, die in Planung seien: „Im Hafen werden die Schiffe über eigene Batterien versorgt. Diese Akkus werden dann auf See mit LNG wieder aufgeladen.“

Seehafen als Alternative?

Umweltsenator Holger Matthäus bringt noch eine andere Lösung für die möglichen Lärm- und Abgas- Probleme im Ostseebad ins Gespräch: „Wir müssen uns mit der Frage befassen, ob wir nicht auch den Seehafen stärker für das Kreuzfahrt-Geschäft nutzen. Dort sind wir jedenfalls weit weg von jedweder Wohnbebauung und haben ausreichend Platz für die Logistik.“ Bisher nutzen nur vereinzelt Reedereien den Seehafen – die spanische Reederei Pullmantur zum Beispiel. Sie fliegt über den Flughafen Rostock-Laage ihre Passagiere aus Südeuropa – aus Madrid, Mailand, Rom und Barcelona – ein. An Bord gehen die Urlauber dann im größten Ostseehafen Deutschlands.

Andreas Meyer

07.08.2018
Mhmmm Mecklenburg: Die Ernährungsbranche als wichtiger Wirtschaftsfaktor - Gastronomen im Ostseebad setzen verstärkt auf Umweltschutz
07.08.2018
07.08.2018