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Rostock Zu wenig Blutspender in Mecklenburg
Mecklenburg Rostock Zu wenig Blutspender in Mecklenburg
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05:16 28.03.2019
Vollblutentnahmeschwester Sandra Lübken kümmert sich um Spender Dietmar Lantzsch. Quelle: HWI
Mecklenburg

Sabrina Lampe (39, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Wismarer Hochschule) spendet seit ihrem 18. Lebensjahr regelmäßig Blut. „Es ist eine recht einfache Möglichkeit, anderen Menschen zu helfen! Und ich kann selbst immer mal in die Situation kommen, dass ich Spenderblut brauche“, begründet sie und erzählt weiter. „Das Spenden tut nicht weh, es gibt was Leckeres zu essen danach und ich bekommen regelmäßig eine Postkarte, die mich daran erinnert!“

Sabrina Lampe gehört zu den wenigen Spendern in der Region. Die gute Nachricht: die Zahl scheint für Nordwestmecklenburg zu steigen. Die Schlechte: es könnten und müssten weit mehr Menschen spenden. Umfragen haben ergeben, dass über 90 Prozent der Menschen Blutspenden für gut und wichtig halten. Die Frage, ob sie selber spenden würden, beantworten nur noch 60 Prozent mit einem „ja“. Tatsächlich spenden gehen deutschlandweit nur drei bis vier Prozent der Menschen. Im Idealfall sollten es sechs Prozent sein. „Wir sind mitten im demografischen Wandel“, begründet Silke Hufen vom DRK-Blutspendedienst des Landes. Dazu kommen die ungünstigen Voraussetzungen mit den weiten Wegen im Flächenland MV.

Nordwestmecklenburg: Zahlen steigen

In Nordwestmecklenburg gibt es 3941 „Spendenwillige“, 2017 waren es noch nur 3779, im Jahr davor noch fast 600 Menschen weniger. Die Zahl der Spendewilligen steigt wieder nach dem Tief aus den Jahren um 2009, als die geburtenarmen Jahrgänge in das Blutspendealter kamen. Gerade in MV kommt zum Geburtenknick aber das Problem der alternden Gesellschaft: das Durchschnittsalter der Spender ist deutlich höher als im Bundesdurchschnitt. Prekär: bei einer alten Bevölkerung wird in den Kliniken auch deutlich mehr Fremdblut verbraucht, gerade in der Krebstherapie. Und nicht jeder Spendendenwillige spendet auch und spendet regelmäßig. Tatsächliche Entnahmen gab es 2018 nur etwas über 3600 in Nordwestmecklenburg inklusive Wismar.

2700 Blutkonserven im Wismarer Krankenhaus

Alleine im Wismarer Krankenhaus werden allerdings jedes Jahr um die 2700 Blutkonserven gebraucht. Es gab schon Engpasszeiten, in denen Operationszeiten entsprechend angepasst werden mussten, erzählt Oberarzt Dr. med. Jens Köpke, der Transfusionsbeauftragter im Sana HANSE-Klinikum Wismar. „Aber das DRK ist ein sehr guter Versorger“, dankt er. Die Blutspenden zwischen Grevesmühlen und Rostock werden komplett über den Blutspendedienst des DRK abgewickelt, in Rostock kann auch direkt über das Krankenhaus gespendet werden. Und in „Engpasszeiten“ wird Blut aus anderen Regionen und Bundesländern nach MV gebracht.

Für große Operationen und besonders auch für Patienten mit großen internistischen Leiden wie Krebs werde das Blut gebraucht, erklärt der Oberarzt. „Ohne Blutspenden würde vieles nicht möglich sein, man könnte viele Operationen nicht machen!“, macht er deutlich, worum es geht. Das Wismarer Krankenhaus versucht mit einem „fremdblutsparenden Gesamtkonzept“ den Verbrauch der wertvolle Körperflüssigkeit zu regulieren und zu reduzieren. So wird zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der betreuenden Hausärztin oder dem Hausarzt darauf geachtet, dass der Patient nicht „blutarm“ zu einer geplanten Operation ins Krankenhaus kommt.

Bad Doberaner spenden 26 Liter

26 Liter: So viel Blut haben Menschen aus und um Bad Doberan am Februartermin beim DRK gespendet (die OZ berichtete). Gerd Laqua (58) gehört dort zu den regelmäßigen Spendern, seit 1979 ist er dabei. Im Februar hatte er zum 103. Mal sein Blut gespendet. Macht rechnerisch über 50 Liter Blut über die Jahrzehnte. Pro Termin werden 500 Milliliter Blut abgezapft. Grundsätzlich sind die Doberaner gute Spender. „Im Schnitt kamen 2018 etwa 43 Menschen pro Termin“, weiß Silke Hufen. Das sind zwar weniger als 2017, aber die Resonanz auf die ersten Termine im Jahr 2019 lässt hoffen. Bei der ersten Januarspende haben 86 Menschen Blut gespendet. Allerdings waren die DRK-Fachleute da auch im Marinestützpunkt Hohe Düne. „Viele Soldaten haben gespendet“, kommentiert Silke Hufen.

Nicht nur in Bad Doberan müsse es gelingen, jüngere Blutspender zu überzeugen. Cornelia Klitschke organisiert die Blutspenden im Haus der DRK-Tagespflege in der Lessingstraße und weiß, genau das ist schwer. Cornelia Klischke ist eigentlich in der Jugend- und Sozialarbeit aktiv und hofft, dass Eltern und Großeltern mit gutem Beispiel voran gehen. „Es ist einfacher, wenn die Eltern das vorleben und die Kinder schon mit zur Spende bringen, um Ängste nicht erst aufkommen zu lassen.“

Rostock: T-Shirts für Spender

Am Institut für Transfusionsmedizin an der Unimedizin Rostock wird mit frischen Ideen gerade um diese jüngeren Spender geworben. Gute Spenderinnen und Spender bekommen dort seit einigen Wochen ein extra Bonusheft. Wenn das nach sechs Vollblutspenden voll ist, bekommen sie ein besonderes T-Shirt vom Musikfestival „Wacken“.

Eine Blutspende kann bis zu drei Patienten helfen. Bestand vor ein paar Jahren eher in den Sommermonaten durch die Urlaubszeiten eine Blutknappheit, ist es inzwischen in MV ein jahreszeitlich unabhängigen Problem geworden. „Wir möchten gerne mehr Menschen zu einer Blutspende motivieren, daher waren wir sofort von der Aktion des Wacken-Open Air begeistert“, sagt Nico Greger, ärztlicher Mitarbeiter am Institut für Transfusionsmedizin an der Unimedizin Rostock. „Die Aktion findet immer mehr Zuspruch bei den Blutspendern. Wir haben noch einige Pässe auf Lager und freuen uns über weitere Teilnehmer“, ergänzt Greger.

Blutspenden rettet Leben

Blutspenden ist einfach und rettet Leben. Ein Blutspender muss mindestens 18 Jahre alt sein und darf bis zum 69. Geburtstag spenden, als Erstspender darf man nicht älter als 60 sein. Spender müssen mindestens 50 Kilogramm wiegen und sich zum Zeitpunkt der Spende gesund fühlen. Wichtig ist es, vor der Spende ausreichend zu essen und zu trinken und 12 Stunden vor der Spende keinen Alkohol zu trinken. Drogen sind vier Wochen vor der Spende tabu. Männer dürfen bis zu sechs Vollblutspenden pro Jahr leisten, Frauen nur vier. Für die Blutspende muss ein gültiges Personaldokument mit Lichtbild und wenn vorhanden den Blutspendeausweis mitgebracht werden. Unter www.blutspendemv.de sind die nächsten Termine in der Region schnell zu finden. Dort gibt es auch eine entsprechende App mit den Terminen zum praktischen Erinnern.

Nicole Hollatz

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