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Rostock Zu wenig Personal: Rostocks Ortsämter müssen schließen
Mecklenburg Rostock Zu wenig Personal: Rostocks Ortsämter müssen schließen
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15:46 05.05.2019
Auch das Rostocker Ortsamt Nordwest 2 in Lütten Klein klagt über Personalmangel und musste deshalb bereits geschlossen bleiben. Quelle: André Horn
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Rostock

Sie sind für die Bürger die ersten Ansprechpartner der Stadtverwaltung: Die fünf Ortsämter der Hansestadt sollen beraten, helfen und wichtige Fragen des Alltags beantworten. Doch zuletzt standen die Rostocker hier teilweise vor verschlossenen Türen. Denn wegen akuten Personalmangels konnten zwei Ortsämter nicht öffnen. Und in Warnemünde ist die Außenstelle bereits seit einem Jahr zu. Anke Knitter (SPD), Vorsitzende des Ortsbeirates Toitenwinkel, spricht von unhaltbaren Zuständen. Im Ortsamt Ost gebe es schon länger große Personalprobleme. „Nun hat sich die Situation derart verschärft, dass das Ortsamt nicht einmal mehr für den normalen Betrieb öffnen konnte“, so Knitter. Der Ortsbeirat selbst erhalte wichtige Zuarbeiten nur noch zeitverzögert, was Auswirkungen auf die ehrenamtliche Arbeit in dem Gremium habe, erklärt die Beiratschefin.

Knitter: Ortsämter werden personell vernachlässigt

Gerade im aktuellen Wahlkampf werde immer wieder von bürgerfreundlicher und bürgernaher Verwaltung gesprochen – so auch vor Kurzem bei der Diskussion der Oberbürgermeister-Kandidaten im Gebäude des Ortsamts Ost in Toitenwinkel, wie Knitter berichtet. Die Realität sehe anders aus. „Die Ortsämter sind die Vorzeige-Einrichtungen für eine bürgernahe Verwaltung und werden trotzdem personell sträflich vernachlässigt.“

Wenn unvorhergesehene Krankheitsfälle oder sonstige Ausfälle auftreten, können diese nicht mehr durch die übrigen Beschäftigten im Ortsamt Ost aufgefangen werden. „Es wird einfach auf Verschleiß der verbleibenden Mitarbeiter gefahren“, sagt Knitter. Das sei so nicht mehr hinnehmbar. Der Ortsbeirat fordert, dass sich schnellstmöglich etwas ändern muss.

Rathaus-Sprecher Ulrich Kunze räumt die Probleme ein: „Derzeit ist die Personalsituation in allen Ortsämtern der Stadt angespannt.“ So musste zuletzt auch das Ortsamt Nordwest 2 in Lütten Klein wegen akuten Personalmangels geschlossen bleiben. Als Hauptgrund für die Personalnot führt Kunze die Vorbereitung der Wahlen Ende Mai an. Die Arbeiten dafür seien umfangreicher als sonst, weil mit der Wahl des Oberbürgermeisters, der Bürgerschaft und des Europaparlaments drei Urnengänge auf einen Tag fielen.

Rathaus: Anzahl der Stellen reicht aus

Hinzu komme, dass Mitarbeiter häufiger einen Antrag auf Teilzeitbeschäftigung stellten. Auch dauere es lange, Elternzeit- und Krankheitsvertretungen zu finden oder durch Pensionierungen frei gewordene Stellen nachzubesetzen, so Kunze. Verschärft werde das Ganze durch einen hohen Krankenstand.

Auf der anderen Seite müssen die Mitarbeiter mehr Aufgaben bewältigen. So nehme die Zahl der Fälle zu, die melderechtlich komplex sind, wie Kunze mitteilt. Und der Ruf nach mehr Bürgerbeteiligung erfordere eine intensivere Betreuung der Ortsbeiräte. Auch stieg die Zahl der Einwohner seit 2008 um mehr als 10 000 Menschen an.

Grundsätzlich hält das Rathaus die Anzahl der Stellen in den Ortsämtern für „weitgehend ausreichend“, wie es auf OZ-Nachfrage heißt. Laut Stellenplan sind hier insgesamt 44,75 Vollzeitstellen vorgesehen – 2008 war es 43. Aus Sicht von Elke Watzema, Vorsitzende des Personalrates der Rostocker Stadtverwaltung, ist das jedoch zu wenig. „Es muss nachgesteuert werden.“ Die Ortsämter seien nicht der einzige Bereich im Rathaus, wo es personell drückt. „Auch im Amt für Jugend, Soziales und Asyl gibt es etliche Überlastungsanzeigen der Mitarbeiter“, berichtet Watzema.

Entspannung erst nach den Wahlen

Über Jahre unterlag die Stadtverwaltung einem strengen Sparzwang. „Das merken wir jetzt in einigen Bereichen“, sagt Watzema. Ein Problem sei auch, dass neue Stellen nur mit der Zustimmung von Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) besetzt werden dürfen. Das koste bei Neubesetzungen Zeit, so Watzema.

Laut Kunze kann es nun auch in den nächsten Wochen dazu kommen, dass ein Ortsamt tageweise geschlossen werden muss. Die Rostocker sollen dann den Service in den anderen vier geöffneten Ortsämtern nutzen. „Eine Entspannung ist erst zu erwarten, wenn die Wahlen abgeschlossen sind und auch die bis dahin aufgelaufenen Urlaubstage und Überstunden abgebaut sind“, so Kunze.

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