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Rostock Zukunftspläne: Rostocker Zoo-Chef denkt über Elefanten und Koalas nach
Mecklenburg Rostock Zukunftspläne: Rostocker Zoo-Chef denkt über Elefanten und Koalas nach
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08:16 05.03.2019
Elefantendame Sara war die letzte Dickhäuterin im Rostocker Zoo. Sie starb 2013.
Elefantendame Sara war die letzte Dickhäuterin im Rostocker Zoo. Sie starb 2013. Quelle: Joachim Kloock
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Rostock

Mit einem Tigerbaby fing alles an: Die Großkatzen waren Udo Nagels erste Station im Rostocker Zoo, wo er 1976 nach seinem Universitätsabschluss als Tierpfleger anfing. In mehr als 40 Jahren Dienstzeit hat der 64-Jährige dann nicht nur die Karriereleiter bis zum Posten des Direktors erklommen, sondern den Zoo auch so entwickelt, dass er Europas Spitzenplatz einnimmt. Bis Ende des Jahres will Nagel zusammen mit seinem Team nun einen Masterplan erstellen, der Ideen für die Entwicklung des Zoos in den nächsten 20 Jahren enthält – samt neuer Anlagen und Tierarten.

Kehren die Elefanten nach Rostock zurück?

„Denn es ist wichtig, dass wir nicht stehen bleiben. Alle sieben Jahre ein Großprojekt – wir haben schon zweimal bewiesen, dass wir das können“, sagt Nagel. Für ihn sei durchaus vorstellbar, dass auf Darwineum und Polarium ein Afrika-Haus folgt. „Wir wissen, dass sich viele Rostocker und Besucher eine Rückkehr der Elefanten wünschen. Auch Giraffen und Nashörner werden immer wieder genannt“, so Nagel.

Dafür brauche es allerdings eine entsprechend große Fläche, denn: „Ein Elefantenbulle braucht so viel Platz wie vier Kühe – und zusammengelassen werden sie nur, wenn die Hormone nörgeln“, erklärt der Diplom-Agraringenieur.

Das Skelett von Sara wird in der Zoologischen Sammlung der Universität Rostock aufgebaut und ab April in einer Ausstellung zur Tier-Geschichte des Rostocker Zoos gezeigt. Quelle: Joachim Kloock

Ähnlich sei es ja auch bei den neuen Stars des Zoos, den Eisbären Sizzel, Noria und Akiak, erfolgt. Obwohl es laut Udo Nagel eigentlich noch zwei Jahre dauern dürfte, bis die Eisbären von der Reife her zur Fortpflanzung bereit wären, sei er guter Hoffnung, dass es vielleicht schneller zu Nachwuchs im Polarium kommt.

Arten-Regulation ist Sache der Natur

Auch wenn die großen Tiere Publikumsmagnete sind: Im nächsten Bereich des Zoos, der umgestaltet wird, sollen eher Amphibien, Reptilien und Kleinsäuger im Vordergrund stehen: Das Areal vom alten Elefantengehege bis zum früheren Menschenaffenhaus soll künftig die Biodiversität, also die biologische Vielfalt, abbilden. „Wir müssen akzeptieren, dass Arten aussterben. Aber wir dürfen nicht akzeptieren, dass der Mensch das verursacht, sondern sollten der Natur die Regulation überlassen“, erklärt der Rostocker. Aufgabe der zoologischen Gärten sei es deshalb auch, bedrohte Tiere zu zeigen und für Erhaltungszucht zu sorgen.

Koalas könnten Rostocker Zoo bereichern

Die rund 430 Arten, die aktuell im Zoo vertreten sind, werden auch künftig bleiben – und Zuwachs erhalten. „Ich könnte mir auch vorstellen, dass wir noch Koalas bekommen“, so Nagel. Bisher würden diese in Deutschland nur von den Zoos Duisburg, Dresden und Leipzig gezeigt. Ausgeschlossen seien dagegen Pandas, die in Deutschland nur im Berliner Zoo zu bestaunen sind. Wie Udo Nagel weiß, muss dafür tief in die Tasche gegriffen werden, denn die Volksrepublik China lässt sich jedes Tier mir rund einer Million US-Dollar Leihgebühr pro Jahr bezahlen. Auch, wenn das Geld dann vor Ort für den Erhalt des Pandabären eingesetzt würde, seien das illusorische Summen.

Impressionen aus Bärenburg und Polarium

Umbau des Cafés bietet Seuchenschutz für Vögel

Die Finanzierung eines aktuellen Projektes des Rostocker Tiergartens hat der Förderverein übernommen. Das ehemalige Café Tordalk wird zu einer begehbaren Vogel-Voliere umgebaut. „Der Backstage-Bereich des Cafés wird zum Winterquartier. Für uns hat das den entscheidenden Vorteil, dass wir im Fall einer Geflügelpest künftig alle Vögel rein holen können“, so Nagel. Er sei dem Förderverein dankbar für dessen Einsatz. Im Herbst soll alles fertig sein. Zusätzlich würden auch noch die Erdmännchen-Anlage sowie das Luchs-Gehege neu gestaltet.

Zoo-Direktor denkt an den Abschied

Im aktuell laufenden Jubiläumsjahr gibt es zahlreiche Sonderveranstaltungen. Ein Termin macht Udo Nagel aber besonders stolz. Nach 20 Jahren ist die Hansestadt vom 19. bis 23. Juni wieder Gastgeber der Jahrestagung des Verbandes Zoologischer Gärten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Wir waren zum 100. Geburtstag Gastgeber und nun, zum 120., noch einmal. Aber seitdem ist ja Einiges passiert und es gibt viel zu zeigen“, freut sich Nagel. Thema sei diesmal – passend zum Rostocker Uni-Jubiläum – die Zusammenarbeit zwischen Zoos und wissenschaftlichen Einrichtungen.

Der Geburtstag wird wahrscheinlich das letzte Großereignis sein, das Udo Nagel in seiner aktuellen Position bestreitet. „Nächstes Jahr, wenn sich der Jubiläumstrubel gelegt hat, gilt es, meine Nachfolge anzugehen“, sagt er. Es sei an der Zeit, die Geschicke des Zoos an die nächste Generation weiterzugeben und einen geregelten Übergang einzuleiten. Der Amtsinhaber geht davon aus, dass er spätestens Mitte 2021 in den Ruhestand wechselt. „Rostock verdient einen Zoo-Direktor, der die Menschen hier versteht, der nachvollziehen kann, wie tief verwurzelt hier alle mit dem Zoo sind“ sagt Nagel. Auch wenn er dann mit je einem lachenden und weinenden Auge seinen Hut nehmen wird: „Man darf nicht am Amt krampfen!“ Und der Abschied vom Direktorenposten biete ja auch neue Freiheiten und Zeit, mal wieder bei den geliebten Großkatzen vorbeizuschauen, mit denen seine Zoo-Liebe begann.

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Claudia Labude-Gericke