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Rostock Für Aphoristiker Klaus Koch ist die Sprache ist noch nicht leergequatscht
Mecklenburg Rostock

Zum Aphoristiker berufen: Der Rostocker Chirurg Klaus Koch hat zahlreiche Bücher veröffentlicht

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18:00 07.01.2020
Der Arzt und Aphoristiker Klaus Koch an seinem Arbeitsplatz. Quelle: Werner Geske
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Rostock

Er ist ein Wortjongleur, Satzdompteur, Reimakrobat. „Ich liebe es, um die Ecke zu denken. Die Aphorismen fliegen mir dabei zu. Das muss man in sich haben. Das lässt sich schlecht lernen“, beschreibt Dr. Klaus D. Koch (71) sein Talent. Von Beruf Chirurg. Von Berufung Aphoristiker. Dass es ihm höllische Freude bereitet, Worte zu verdrehen, ihnen eine andere, überraschende Bedeutung zu geben, entdeckte der im vogtländischen Ellefeld Geborene während seines Medizinstudiums in Greifswald und Rostock. „Es traf mich wie ein Blitz“, beschreibt er seine literarische Erweckung vor fast 50 Jahren. Diese geht vor allem auf die Lektüre von Werken Georg Christoph Lichtenbergs (1742–1799) zurück. Der als Begründer des deutschsprachigen Aphorismus Geltende notierte in Schreibheften, von ihm selbst Sudelbücher genannt, unzählige Gedankensplitter, die er in geistvolle Sinnsprüche verwandelte.

Das Sudelbuch war immer dabei

Buchcover Klaus Koch Quelle: Repro Werner Geske

Fortan praktizierte der angehende Medicus Koch des Meisters Vorgehensweise, speicherte also alles Gehörte und Erlebte in einem unbedingt linierten (!) Notizbuch, das er – wie sollte es anders sein – ebenfalls Sudelbuch betitelte. Aus diesem Rohstoff bildete er, rhetorisch gekonnt, geflügelte Worte. Die erstaunliche Möglichkeit, in ein bis zwei Sätzen ganz viel unterzubringen, faszinierte ihn. Obwohl nicht gleich jedes Wortspiel gelang, sich nicht jeder Gedankenblitz sofort zu einem Aphorismus formen wollte, fand Koch Gefallen am hintersinnigen Spiel mit den Worten. Kollegen, Freunde und Familienangehörige, die sich gar nicht genug über das Talent des jungen Mannes wundern konnten, ermunterten ihn.

„Das Talent habe ich von meinem Vater geerbt“

Koch hat längst ausgemacht, wem er diese Fähigkeit verdankt: „Mein Vater war sehr beredsam und wortgewaltig. Ich habe den starken Verdacht, dass ich dieses Talent von ihm geerbt habe.“ Heute, 19 handschriftliche Sudelbücher weiter, kann der Autor von sich behaupten, dass ihm wohl auch dank dieser Anlage väterlicherseits die Aphorismen nur so zufliegen. „Wenngleich nicht jeder sofort druckreif ist. Da ist es schon ganz gut, wenn ich etwas Abstand zu meiner Sprachschöpfung habe und noch etwas daran feilen kann“, sagt er. Nur das Bonmot, das er bei der späteren Prüfung mit einem Punkt in seinem Heft versieht, besteht dabei die kritische Prüfung.

Hintergründiger Humor und unverblümte Sprache

Dieses Buch mit Kinderreimen hat Koch gemeinsam mit dem Illustrator Manfred Bofinger gemacht. Quelle: Repro Werner Geske

1978, inzwischen Arzt an der Universitätsklinik in Rostock, traute er sich an die breitere Öffentlichkeit und veröffentlichte erste Aphorismen in der Presse, nachdem er „lange Zeit nur für die Schublade“ geschrieben hatte. Beiträge aus seiner Feder erschienen auch in Anthologien des Gewerkschaftsverlages Tribüne und im Eulenspiegel-Verlag. „Da bin ich bald wieder rausgeflogen, weil ich nicht damit einverstanden war, dass meine Texte umgeschrieben wurden!“ Der Durchbruch kam nach der Wende, als Koch die Bekanntschaft des Bremer Verlegers Horst Temmen (68) machte. Schon mit seinem ersten Buch „U-Boote im Ehehafen“, 1993 bei Temmen erschienen, stellte sich der Erfolg für den schreibenden Mediziner ein.

Viel Lob vom Verleger

Seither hat der Rostocker Autor insgesamt 19 Bücher mit Aphorismen und Epigrammen veröffentlicht. Horst Temmen ist voll des Lobes über seinen Autor, mit dem ihn inzwischen eine enge Freundschaft verbindet: „Seine Bücher kommen bei den Lesern gut an. Dafür spricht auch, dass sie häufig Neuauflagen erleben. Ich persönlich schätze seinen hintergründigen Humor und seine unverblümte Sprache.“ Letzteres ist Markenzeichen des Autors. Kostprobe: „Er liebte ihre Nähe. Sie sollte immer in Schussweite bleiben.“ Er habe es gern, sprachlich scharf zuzuschlagen, kommentiert Koch. Aktuell brennen ihm Themen auf der Zunge, die er als „Gender-Gaga“ oder „feministischen Firlefanz“ benennt. Wissend, dass er damit auch Widerspruch hervorruft: „Ich mag es, wenn Leute eine andere Meinung haben!“ Typisch für alle Bücher aus seiner Feder ist das perfekte Zusammenspiel von Aphorismen und Illustrationen. Die Bücher wurden von den bedeutenden Grafikern Feliks Büttner, Inge Jastram, Manfred Bofinger und Peter Bauer sowie von Gerd Max Lippmann grafisch gestaltet. Stolz ist Koch darauf, dass Bofinger drei seiner Kinderbücher illustrierte und so zu ihrem großen Erfolg beitrug.

„Koch Buch“ von Feliks Büttner illustriert

Künstler Feliks Büttner bei einer Signierstunde 2018 im Rostocker Hof Quelle: Danny Gohlke

Auch das jüngste Werk des Mediziners, „Grosses Koch Buch“ genannt und von Büttner illustriert, ist eine gelungene Symbiose von Wortkunst und grafischem Können. „Feliks redet mir dabei nicht in die Texte rein und ich mische mich nicht in sein Schaffen ein. Da, wo er Assoziationen zu meinen Aphorismen hat, illustriert er“, beschreibt Koch die künstlerische Kooperation. Seine Wortspielereien bringt er auch bei gemeinsamen Auftritten mit dem Rostocker Jazzmusiker und Entertainer Andreas Pasternak und dem Gitarristen Christian Ahnsehn ein. Seit gut drei Jahren werden sie bei ihren Auftritten vom Publikum gefeiert.

Duett mit Sängerin Jaqueline Boulanger

Für Andreas Pasternak ist es „faszinierend, dass Klaus scheinbar unerschöpfliche Idee für Aphorismen hat.“ Erlebbar ist das auch beim neuen Programm des Trios, „Ungeschwärzte Worte und glasklare Klänge“. Es hat am 26. Februar seine Premiere in der Kleinen Komödie in Warnemünde. Und ebenso zu spüren ist es bei „Wenn das Vorspiel schon ein Nachspiel hat …“ Koch sorgt dabei gemeinsam mit Sängerin Jaqueline Boulanger für ein literarisch-musikalisches Vergnügen. Die Frage nach dem Aufhören stellt sich für Koch nicht. Immer wieder fände sich Gelegenheit, neue Aphorismen zu kreieren: „Jeder neue Aphorismus beweist doch, dass die Sprache noch nicht leergequatscht ist.“

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Von Werner Geske

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