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Rostock Zweites Leben für ausrangierte Windräder
Mecklenburg Rostock Zweites Leben für ausrangierte Windräder
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07:05 13.04.2018
Und sie drehen sich noch: Diese Windenergieanlagen stehen in einem Windpark bei Parchim. Quelle: Jens Büttner/dpa
Rostock/Bremen

Ausgediente und ausrangierte Windkraftanlagen geraten in Deutschland zunehmend ins Blickfeld. In den nächsten Jahren wird ihre Zahl wohl stark steigen. Nicht alle von ihnen können in andere Länder weiterverkauft werden. Es gibt Recycling-Ideen. Der Markt ist bislang überschaubar - noch.

Die Bremer Firma Neocomp zum Beispiel schreddert ausrangierte Rotorblätter in einer Anlage und vermischt sie danach mit Reststoffen aus der Papierherstellung, wie Geschäftsführer Hans-Dieter Wilcken erläutert. Das Ganze werde an Zementwerke verkauft, die das Gemisch nutzen. Glasanteile der geschredderten Rotorblätter seien im Zement enthalten. „Die Nachfrage ist so hoch, dass wir mehr produzieren könnten“, sagt Wilcken über die Marktlage des seit 2015 bestehenden Unternehmens. Zur Zeit werde hauptsächlich mit einem Zementwerk aus Schleswig-Holstein zusammengearbeitet.

Potenzielles Geschäft für Nordex

Auch für den Rostocker Windenergieanlagenhersteller Nordex können Rückbau und Verwertung älterer Anlagen für die Zukunft „ein potenzielles Geschäft“ werden, sagt Unternehmenssprecher Ralf Peters. Die Anlagen würden für einen Einsatz von 20 bis 30 Jahren gebaut, und die Quote des Repowering, das Ersetzen alter durch neue Anlagen, steige sukzessive. Peters: „Wenn der Kunde es wünscht, bauen wir die Anlagen auch wieder zurück.“

Der Bundesverband Windenergie rechnet damit, dass der Abbau von Windkraftanlagen ab 2021 deutlich zunehmen wird. Denn viele Anlagen fallen ab diesem Zeitpunkt nach und nach aus der staatlich garantierten Einspeise-Grundvergütung (Erneuerbare-Energien-Gesetz), die eine Laufzeit von 20 Jahren hat. Viele der jetzigen Altanlagen könnten dann von moderneren ersetzt werden, weil sie ökonomischer sind.

In Deutschland gibt es nach den aktuellsten Zahlen des Windenergieverbands mehr als 28000 Windkraftanlagen an Land (onshore); in MV stehen derzeit 1889 Anlagen, sowie weitere 172 auf der Ostsee (offshore). 2017 sei das bislang zubaustärkste Jahr gewesen mit deutschlandweit fast 1800 Windenergieanlagen an Land (MV: 58). 387 Anlagen seien zugleich als Abbau identifiziert worden. Was passiert damit? Dem Verband zufolge gibt es Abnehmer in anderen Ländern, zum Beispiel Südosteuropa. Zugleich wird betont, dass angesichts des steigenden Rückbaus die Branche intensiv an Recyclingkonzepten arbeite.

Rotoren-Recycling ist noch ein Nischenmarkt

Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) bemerkt seit Jahren, dass Firmen den Geschäftsbereich Abbau und Recycling von Windkraftanlagen für sich entdecken und nach innovativen Ansätzen suchen. Es handele sich aber noch um einen Nischenbereich, sagt Verbandsreferent Thomas Probst.

Vor allem die sperrigen Rotorblätter seien auch nach deren Zerkleinerung für die Verwertung in Müllverbrennungsanlagen problematisch. Carbonfaserverstärkte Kunststoffe, die mit Harzen vermengt sind, seien für die Mitverbrennung ungeeignet. Als ein Problem zählt Probst auf, dass Anlagen-Filter durch das Gemisch beschädigt werden könnten.

Das sehen wiederum andere Firmen als Chance für einen Recycling-Markt, wie Probst erläutert. Ideen reichten von der stofflichen Verwertung der geschredderten Windkraftflügel in der Zementindustrie bis zum Zusatzstoff im Putz. Flächendeckende und großtechnische Anwendungen einer Weiterverwertung gebe es bislang aber noch nicht, gibt er zu Bedenken.

Wissenschaftler forschen an Wiederverwertung

Auch in der Wissenschaft ist das Thema Wiederverwertung von Windkraftanlagen längst präsent. In einem Labor der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg wollen Forscher geschredderte Rotorblätter von ausrangierten Windkraftanlagen und Flugasche, die bei der Stromerzeugung in Braunkohle-Kraftwerken entsteht, zu einem Flugasche-Betonwerkstoff kombinieren. Die recycelten Rotorblatt-Anteile sollen bewirken, dass der Beton bei entstehenden Rissen stabilisiert wird, wie Professor Holger Seidlitz vom Fachgebiet Leichtbau mit strukturierten Werkstoffen erläutert. Im vergangenen Jahr habe es erste Versuche gegeben, die erfolgversprechend gewesen seien.

Anna Ringle und Axel Meyer

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