Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Zwischen Fechten und Tonsatz: Ein Gesangsstudium
Mecklenburg Rostock Zwischen Fechten und Tonsatz: Ein Gesangsstudium
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
13:09 20.11.2019
Friederike Schnepf (l.) und Klara Brockhaus (r.) studieren klassischen Gesang an der Rostocker HMT. Quelle: Jana Schubert
Anzeige
Rostock

Partienstudium, Sprecherziehung, dramatischer Unterricht, Fechten, Atemtechniken, Klavierspielen, Tonsatz, Gehörbildung, Liedgestaltung, Schauspielunterricht: Wer dachte, dass ein Gesangsstudium nur aus ein bisschen Singen und dem ein oder anderen Konzert besteht, wird an der Rostocker Hochschule für Musik und Theater (HMT) eines Besseren belehrt.

Am Rande der Oper „Dead End for Cornelius R.“, die die HMT für das Jubiläum produzierte, erzählt Studentin Klara Brockhaus vom Alltag eines Studiums, das oft viel unglamouröser ist, als man vermutet. Sie selbst studiert klassischen Gesang im siebten Semester und wusste schon mit fünf, dass sie auf die Bühne will: Der Auftritt im Musical „Der Zauberer von Oz“ war der Start in ein Leben mit und für die Musik. Auch Friederike Schnepf ist als Regieassistentin an der Jubiläumsoper beteiligt, sie ist im zweiten Semester.

Studium ist ein Leistungssport

Dass der Alltag einen auch nach einer Premiere wieder einholt, wissen die beiden genau. „Es ist eine extrem emotionale Arbeit, weil man ständig in sich hineinhören und auf die Stimme achten muss“, sagt Brockhaus über den Studienalltag. Dafür müsse man auch immer fit und aktiv sein, gerade in den vielen Einzelstunden. „Eigentlich ist es ein Leistungssport“, so Brockhaus.

Dafür die Motivation zu finden, ist nicht immer einfach: „Es ist etwas, das man auch im Studium lernen muss“, erklärt sie. Oft sei es auch von Typ und Themen abhängig, ergänzt Schnepf. „Wenn aber man ein Feuer in sich hat, ist es nicht schwer, sich zu motivieren“, so Schnepf weiter. Bei der großen Fülle der zu belegenden Fächer sind zehn Stunden in der Uni normal. Gut sei, dass man oft erst vormittags anfange: „Man kann nicht erwarten, dass die Stimme schon morgens um acht funktioniert und wach ist“, erklärt Schnepf.

Zwischen Bühnenhoch und Stimmblockadentief

Während des Studiums erlebe man viele schöne Momente: „Wenn ich auf der Bühne stehe, singe und es gut läuft, gehe ich da mit großer Motivation und so viel Adrenalin raus, dass es mich auch für andere Sachen wieder motiviert“, erzählt Brockhaus. Das sei ein Geschenk. Auch wenn der Unterricht oder die Gesangsstunde gut laufe, gebe das Kraft: „Ich habe dann ein solches Hochgefühl, das kann ich mit nichts vergleichen“, schildert Schnepf. Manchmal sei es pures Glück, das man da empfinde.

Genauso extrem wie die Hochs sind aber auch die Tiefs und die Frustration: „Manchmal hat man monatelang das gleiche Problem mit der Stimme“, erzählt Brockhaus. Auch der Konkurrenz- und Leistungsdruck können belasten, vor allem der selbst gemachte. Ein gesundes Maß an Selbstreflexion helfe zwar, den Druck zu bewältigen, trotzdem sei es bei allen Studenten ein großes Thema. Oft sei die Stimme auch ein Spiegelbild der eigenen Gefühle, die Ursachen für Probleme oder Blockaden seien dann häufig im eigenen Leben zu finden, erzählt Schnepf.

Singen als Beruf: Ohne Traum geht’s nicht

„Es ist Fluch und Segen gleichzeitig“, berichtet Brockhaus. Man müsse für sich selbst entscheiden, ob die positiven oder die negativen Aspekte dieses Lebens überwiegen. „Wenn man später im Leben bestehen und Jobs bekommen will, muss man auch da von alleine die Motivation finden“, sagt Schnepf mit Blick auf die berufliche Zukunft. Dass die nicht einfach wird, ist allen Studenten klar. „Man kann sich nie sicher sein, dass man genug Geld bekommt, um sich über Wasser zu halten oder überhaupt die Miete zu bezahlen“, erklärt Brockhaus.

„Das sind alles Sachen, die uns bewusst sind, die wir aber trotzdem in Kauf nehmen“, sagt Brockhaus. Für viele würden irgendwann die Nachteile des Berufs überwiegen, nur ein geringer Teil der Studenten würde später als Sänger arbeiten. „Man darf an Schwierigkeiten nicht sofort eingehen oder in Selbstmitleid zerfließen,“ so Brockhaus. Trotzdem habe jeder einen Traum: „Dass man von seiner Stimme und seinem Potenzial leben kann“, offenbart Schnepf. „Es ist ein Geschenk, wenn man mit dem Hobby Geld verdient“, meint Brockhaus.

Die Autorin: Jana Schubert

Lesen Sie mehr

Von Jana Schubert

Klima, Digitalisierung und qualitativer Tourismus sind Themen, die beim deutschen Tourismustag in Rostock diskutiert werden sollen. Reinhard Meyer, Präsident des deutschen Tourismusverbandes, will sich trotz guter Zahlen nicht zurücklehnen.

20.11.2019

Bei Gerdshagen (Landkreis Rostock) ist in der Nacht zu Mittwoch ein Radlader in einer landwirtschaftlichen Siloanlage ausgebrannt. Die Polizei schätzt den Schaden auf 80 000 Euro. Die Ursache sei noch nicht klar.

20.11.2019

Das Zusammentreffen von zwei Musikergenerationen bei „Stamping Feet feiert 50 Jahre Puhdys“ ist beim Publikum in der Rostocker Stadthalle prima angekommen. Mehr als 500 Gäste feierten mit.

20.11.2019