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Rostock Andy Scott: „Wir spielen auch die härteren Sachen“
Mecklenburg Rostock Andy Scott: „Wir spielen auch die härteren Sachen“
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05:00 23.05.2019
Andy Scott, Gitarrist der Band The Sweet, steht auf dem Dach des Hamburger Hardrock-Cafés. Am 25. Mai 2019 tritt die Band im Rostocker Moya auf. Quelle: Ove Arscholl
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Hamburg

Die britische Rockband The Sweet ist wieder auf Tour. Gene Simmons soll über sie einst gesagt haben: „Ohne The Sweet hätte es Kiss nie gegeben“, „Mötley Crüe wollten The Sweet sein“ soll Nikki Sixx geäußert haben und auch Joe Elliott von Def Leppard wäre ebenfalls gerne Teil der Kultband gewesen! Jüngeren Lesern werden eher die Hits, wie „Fox on the Run“, „Love is like Oxygene“, „Co-Co“ oder „Funny funny“ bekannt vorkommen als die Band selbst. Am Anfang eines ihrer größten Hits „Ballroom Blitz“ fragt der 1997 gestorbene Sänger Brian Connolly die Bandmitglieder: „Are you ready Steve? Andy? Mick? – Alright, Fellows, let’s go!“ Schlagzeuger Mick Tucker starb 2002. Die verbliebenen Musiker haben die Band und ihre Musik weiterleben lassen – allerdings getrennt voneinander. Bassist Steve Priest war in den USA mit einer Band namens Sweet unterwegs. In Europa hält Gitarrist Andy Scott die „Sweet“-Fahne hoch. Im Hamburger Hardrock-Café sprach er mit dem OZelot über die laufende Tournee, die am Sonnabend Station im Rostocker Moya macht.

Das ist eine imposante Hippie-Frisur, die Sie da tragen. Wie lange wachsen Ihre Haare schon?

Andy Scott: Seit zehn Jahren. Damals hatte man mir Prostatakrebs diagnostiziert. Ich hatte zu der Zeit kürzere Haare. Als meine Behandlung begann, sagte ein Freund mir, wir müssten ein paar Mützen besorgen, denn sicher würden mir die Haare ausfallen. Aber das passierte nicht. Und da beschloss ich, sie nicht mehr zu schneiden. Und während eines Urlaubs habe ich irgendwann um 2012 auch aufgehört, sie zu färben. Und das ist nun die Farbe, die mir geblieben ist. Es hat ein bisschen was von Johnny Winter.

Was bedeutet es heute für Sie, nach Deutschland zu kommen?

Momentan einfach alles, denn das war hier immer unsere Hochburg. Ich würde sagen, von allen Orten auf der Welt hat sich Deutschland am meisten auf The Sweet eingelassen. Wir sind sehr glücklich, dass wir hier so viele Fans haben, wie wir sie nicht mal zu Hause in Großbritannien haben. Dort hat man uns irgendwie in den 70ern vergessen. Die Amerikaner erinnern sich an die Lieder, aber nicht so richtig an die Band. In Australien und Neuseeland läuft es noch ganz gut. Wir sind viel in Europa unterwegs, aber ohne Deutschland wären wir sicher nur eine Band von vielen.

Sie werden dieses Jahr 70. Ist es Absicht, dass Sie davor noch auf Tour gehen?

Das ist Zufall. Im Juni sind wir auf ein paar Festivals und mein Geburtstag ist Ende Juni. Ich hatte für das Wochenende nichts geplant, wollte einfach mal gucken, ob sich was Interessantes ergibt. Und als das Wochenende freiblieb, habe ich mir in meinem Lieblingsort in Nord-Wales was gebucht. Das ist ein spannendes kleines Hotel namens Portmeirion, wo auch schon viele Filme gedreht wurden. Und da machen wir eine kleine Party am Freitagabend mit 150 Fans. Die Band wird spielen und wir werden verdammt laut sein, das kann ich schon mal versprechen. Samstagabend feiere ich dann mit der Familie und am Sonntag, wenn ich Geburtstag habe, essen wir zusammen Frühstück und danach können mir alle gestohlen bleiben. Dann freue ich mich, mal ein paar Tage für mich allein zu sein.

Aber Sie setzen sich dann nicht zur Ruhe – oder?

Nein. Diese Ruhestandssache, dass wir diese Abschieds- und Zugaben-Tour gemacht haben, hing damit zusammen, dass ich 2017 dachte, der Krebs kommt zurück. Ich dachte, ich müsste mal ein bisschen kürzertreten. Und dann habe ich eine Reihe von Tests über mich ergehen lassen und alles war negativ. Also, ich bin wieder fit und kann wieder in den Tourbus steigen.

Ende Mai treten Sie auch in Rostock auf. Wie sieht die Setlist aus?

Es wird interessant, denn ich will wieder ein paar der härteren Stücke spielen, von Alben, wie „Sweet Fanny Adams“. Aber natürlich wird es auch die Hits geben, denn das wollen die Leute hören. In einem Zwei-Stunden-Set erwarten sie das.

Was bedeuten Ihnen die poppigen Chinn/Chapman-Hits heute?

Die spielen eine ganz wichtige Rolle, denn ohne die wären wir heute nicht da, wo wir sind. Wir spielen ein Akustik-Set, wo wir sogar „Co-Co“, „Funny funny“ und „Poppa Joe“ spielen. Aber ich denke, nach Wacken werden wir damit aufhören.

Dort wart ihr ja letztes Jahr Gäste bei Doro Pesch. Wie kam das?

Wir hatten uns bei „Rock meets Classic“ kennengelernt und angefreundet. Doro hatte uns erzählt, dass sie mit ihrer Band gerade „Ballroom Blitz“ probt – und da habe ich gefragt, warum sie nicht mit uns zusammen singt. Und dann kam sie zu unserer Jubiläumsshow „50 Jahre Sweet“ in Berlin und wir haben auch mit ihr zusammen ein paar ihrer Songs, wie „All we are“ gesungen. Und dann hatte sie uns nach Wacken eingeladen.

War das euer erstes Mal?

Ja, die Wacken-Leute hatten schon ein paar Shows mit uns gemacht, aber eben noch nie in Wacken. Und dieses Jahr sind wir erstmals im Wacken-Line-up.

Sehen Sie Sweet als Heavy-Metal-Band an?

Das waren wir in den 80ern, als ich gemeinsam mit Mick Tucker auf Tour ging. Da waren wir im Grunde eine Heavy-Metal-Band. Wir haben nicht viele von den Hits gespielt, sondern nur den harten Stoff. Also, wir sind natürlich nicht Metallica oder Slayer. Wir sind eher so was wie Status Quo. Und es ist natürlich unmöglich, einen Auftritt zu machen, ohne „Fox on the Run“ oder „Love is like Oxygene“ zu spielen.

Es heißt ja manchmal, ohne Sweet hätte es kein Heavy Metal gegeben. Ist das so?

Das huldigt uns vielleicht ein bisschen zu sehr. Ich denke, die Idee von Heavy Metal hat in den späten 60ern angefangen. Aber ich würde Led Zeppelin nicht als Heavy Metal bezeichnen. Ich denke, wenn man wirklich über die ersten Heavy-Metal-Bands spricht, denkt man sicher an Iron Butterfly. Ich habe nie irgendwas so lautes in meinem Leben gehört wie ein Konzert von denen.

Haben Sie einen Lieblings-Sweet-Song?

Eine Handvoll. Das werde ich oft gefragt und ich sage dann immer: „Love is like Oxygene“. Ich habe den Song geschrieben und produziert, er ist mir also auch persönlich sehr wichtig. Aber ich denke, jeder andere würde sicher „Ballroom Blitz“ oder „Fox on the Run“ nennen. Oder, was meinst Du?

Ich würde „Set me free“ nennen.

Oh, ja, das ist auch ein guter.

Wer waren Ihre frühen Einflüsse und Vorbilder?

Oh, es gab viele. Mein Bruder und ich waren große Shadows-Fans. Sie waren die Hintergrund-Band von Cliff Richard, aber sie hatten eine Menge guter eigener Songs. Sie waren die Ersten, bei denen ich Stratocaster-Gitarren gesehen hatte. Unsere Eltern haben Guy Mitchell, Elvis Presley und so was gehört. Aber für meinen Bruder und mich waren die Shadows die Helden. Und dann kamen die Beatles. Dann die Beach Boys. Dann The Who. Und schließlich die Yardbirds mit Jeff Beck und Eric Clapton. Led Zeppelin, Deep Purple ... Dann gab es da eine amerikanische Band namens Spirit – deren Gitarrist Randy California war ein großer Einfluss für mich. Und dann hatte ich das große Glück, dass ich in einer Band spielte, die 1967 Vorband von Jimi Hendrix war, als er das erste Mal nach England kam. Und das war an einem Ort, wo man üblicherweise Soul hörte, so wie die Drifters oder die Temptations. Und ich denke, Jimi Hendrix war gebucht worden, weil er auch schwarz war und man Soul-Musik erwartet hatte. Und natürlich hatte er Soul, aber nicht so, wie die Leute es erwartet hatten. Und unser Sänger und ich wussten sofort, dass wir unsere Band ändern mussten. Das war wirklich ein einschneidender Moment für mich. Wir haben fortan andere Musik gemacht.

Sind Sie in Kontakt mit Steve Priest? Hat er noch seine eigene Band?

Das weiß ich nicht genau. Aber warum sollte er nicht? Er ist ja auch ein Original-Mitglied. Aber ja, wir sind in Kontakt.

Könnten Sie sich vorstellen, wieder mit ihm zusammen zu spielen?

Oh ja, das würde ich gern machen. Zu unserem 50. Bandjubiläum schrieb er mir, sein Manager oder sein Agent hätte gemeint, dass es doch eine schöne Idee wäre, zu diesem Anlass mal wieder zusammenzukommen. Und ich hatte ihm geantwortet – scheiß auf Manager und Agenten. Was denkst Du selbst darüber? Aber darauf habe ich leider nie eine Antwort bekommen.

Können Sie sich vorstellen, dass The Sweet eines Tages weiterexistiert, auch wenn Sie als letztes Original-Mitglied die Band verlassen?

Es gibt ja bereits Bands in Amerika, die kein einziges Originalmitglied mehr haben, weil sie gestorben sind oder so. Und trotzdem sind da Leute, die seit mehr als 20 Jahren dort spielen. Zum Beispiel Canned Heat oder Lynyrd Skynyrd. Das sind Verwandte, etwa der Bruder vom Sänger, die übernommen haben. Aber es ist niemand mehr vom Anfang der Band dabei. Aber solange die Leute die Band hören wollen und sie auch gut ist, warum nicht? Aber bei The Sweet ist der Fokus so auf den alten Hits, dass es wohl eher nach einem Tribut aussehen würde. Aber die Antwort ist, ich weiß es nicht. Die Zukunft bringt so viele erstaunliche Dinge. Brexit ist eins davon, dieses bescheuerte Verlassen der EU. Warum tun wir das? Aber es würde mich nicht überraschen, wenn es irgendwann eine Beatles-Roboter-Band geben würde, auf der Bühne.

Was war die erste Platte, die Sie sich je gekauft haben?

Zwei Singles von den Shadows: „A Man of Mystery“ und „The Savage“. Das war die ersten. Und ab 1963 habe ich angefangen, Beatles-Singles zu kaufen.

Andy Scott, Gitarrist der Band The Sweet, plaudert im Hamburger Hardrock-Café mit OZ-Mitarbeiter Ove Arscholl (r.). Quelle: Ove Arscholl

Ove Arscholl

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