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Mecklenburg Rostocks OB-Kandidaten planen mit Riesen-Etats
Mecklenburg Rostocks OB-Kandidaten planen mit Riesen-Etats
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05:33 22.01.2019
Teurer OB-Wahlkampf: Mit Zehntausenden Euro werben die Kandidaten um Stimmen (Symbolbild). Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

 Der (Wahl-)Kampf um das Rostocker Rathaus – er wird auch zum Spiel des großen Geldes: Für das Ziel, Oberbürgermeister in der größten Stadt des Landes zu werden, greifen Parteien und Kandidaten richtig tief in die Tasche. Mehrere Zehntausend Euro will jeder Bewerber in Plakate und Flugblätter, Internet-Auftritte und Wahlkampf-Stände investieren. Krösus unter den Kandidaten ist der parteilose Claus Ruhe Madsen: Der Unternehmer und Präsident der Industrie- und Handelskammer plant mit bis zu 150 000 Euro für den Wahlkampf. Eines haben die Kandidaten aber gemein: Sie tun sich schon jetzt schwer damit, zu verraten, von wem sie Spenden erhalten.

Zierau setzt auf Familie

Wie viel er im Wahlkampf ausgeben wird – Dirk Zierau, Personalchef der Stadtverwaltung und Kandidat des Wählerbündnisses UFR, kann es noch nicht genau sagen. „Ich gehe jedoch von einer fünfstelligen Summe aus.“ Und die wird, Stand jetzt, größtenteils alleine tragen: „Bisher finanziere ich den Wahlkampf selbst. Die UFR wird mich aber unterstützen.“ Einen Wahlkampfberater oder eine professionelle PR-Agentur habe er „bisher“ nicht engagiert: „Den Wahlkampf organisiere ich mit der Unterstützung von Freunden, der UFR, sowie von meiner Frau und insbesondere meiner Familie.“ Ja, er nehme Spenden an – und werde im „gesetzlich vorgegebenen Rahmen“ auch Namen und Summen nennen.

Grüne planen mit 27 000 Euro

Auch die Grünen und ihr OB-Kandidat Uwe Flachsmeyer wollen auf Agenturen und Berater verzichten. „Wir haben ein Wahlkampf-Team aus Mitgliedern der Partei“, sagt Flachsmeyer. Alle Kosten trage die Partei – „und selbstverständlich beteilige ich mich auch mit einer Spende“. Alle Spenden von mehr als 10 000 Euro wollen die Grünen veröffentlichen. So schreibe es schließlich das Parteiengesetz vor. Intern rechnet die Partei mit Kosten von rund 27 000 Euro für den Wahlkampf um die Nachfolger von Roland Methling (UFR).

Bockhahn nimmt kein Geld von Firmen

Fast doppelt so viel Geld für den Europa-, Kommunal- und OB-Wahlkampf wollen die Linken ausgeben. „Der Kreisverband plant mit Kosten von bis zu 50 000 Euro“, sagt OB-Kandidat und Sozialsenator Steffen Bockhahn. Er werde sich „in angemessener Weise“ daran beteiligen. Auch die Linken hoffen auf Spenden – schränken als einzige Partei aber ein: „Wir nehmen Spenden nur von Privatpersonen an, nicht aber von Firmen oder Organisationen.“ Ab 10 000 Euro werden die Namen veröffentlicht, bei kleineren Spenden mit Einverständnis der Geldgeber. „Transparenz ist für uns eine Selbstverständlichkeit.“

Einen Berater brauche Bockhahn nicht, sagt er selbst. „Ich plane und organisiere seit 2002 Wahlkämpfe. Die Erfahrungen und Netzwerke helfen auch in der Vorbereitung auf den 26. Mai.“ Namen, wer zu seinem Netzwerk gehört, nennt er nicht. Aber: Bockhahn hat eine Kommunikations­agentur engagiert, um seine Wahl-Werbung zu entwickeln. „Ich arbeite seit vielen Jahren mit DiG Plus aus Berlin zusammen. Mit den Berlinern habe ich auch die erfolgreichen Kampagnen zu den Bundestagswahlen entwickelt.“ DiG Plus war unter anderem auch an den Kampagnen des Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow beteiligt. Auf der Straßen – beim Plakatekleben und Zettel verteilen – helfen Bockhahn dann die Mitglieder der Rostocker Linke: „Wir sind der größte Kreisverband der Parteien in Rostock und das wird man merken.“

Madsen plant mit Mega-Etat

Ganz ohne Hilfe von Beratern und Parteien kommt bisher Claus Ruhe Madsen aus. Der Unternehmer plant mit dem größten Etat aller Bewerber: „Ich werde wohl um die 150 000 Euro ausgeben.“ Den Großteil werde er „aus eigener Tasche“ zahlen. Auch er sei auf Spenden angewiesen – allerdings nur bis maximal 10 000 Euro. „Spenden bleiben anonym. Viele Wähler wollen ja auch nicht erzählen, wen sie gewählt haben.“ Nach OZ-Informationen haben aber bereits mehrere Unternehmer und Firmen zugesagt, Madsen auch finanziell unterstützen zu wollen – unter anderem aus der Immobilien-Branche. Unterstützt wird der Däne auch von FDP und CDU. Allerdings wohl nur ideell.

Als erster Kandidat hat Madsen bereits einen Online-Auftritt für den Wahlkampf – und das nicht nur in den sozialen Medien. Wer diese Seite erstellt hat, ist dort aber nicht zu erfahren. Er selbst sagt, dass er keine Agentur engagiert habe – sondern von vielen Bürgern unterstützt werde. „Mir helfen auch Politiker unterschiedlicher Parteien mit Rat und ihrer Erfahrung.“ Die Inhalte seiner Kampagne stammen ebenfalls nicht von „Polit-Profis“ – sondern von „ganz normalen Rostockern“.

Müller-von Wrycz Rekowksi setzt auf „seine“ Partei

Finanzsenator und SPD-Kandidat Chris Müller-von Wrycz Rekowski hofft darauf, einen „höheren fünfstelligen Betrag“ ausgeben zu können: „Meine Wahlkampf-Finanzierung fußt auf drei Säulen: Erstens gibt es einen Sockelbetrag von der Rostocker SPD, zweitens hoffe ich auf private Spenden von SPD-Mitgliedern und externen Unterstützern. Und drittens bleibt es gar nicht aus, dass die ein oder andere Wahlkampf-Ausgabe durch den Kandidaten persönlich übernommen wird.“ Alle Wahlkampf-Finanzen laufen bei ihm über Konten der Partei. „Die Partei entscheidet bei Spenden über 2000 Euro, ob sie angenommen werden. Alle Spenden über 10 000 Euro werde ich definitiv zurücküberweisen“, versichert der Sozialdemokrat. Seinen Geldgebern sichert er Anonymität und Vertraulichkeit zu.

Unterstützung hat sich Müller-von Wrycz Rekowski im Vorfeld von einer der bekanntesten und profiliertesten Politik-Berater Deutschlands geholt: Achim Moeller, Inhaber der Wiesbadener Agentur TheLeaderShip, habe ihn auf das „eingestimmt, was auf mich zukommen wird“. In der heißen Phase setzte er dann auf Hilfe der Partei, auf Freunde und Bekannte. Unter anderem zählt zum Bekanntenkreis des Senators eine der einflussreichsten PR-Agenturen des Landes. Zudem hat der Senator schon jetzt Honorarkräfte engagiert – um sein Programm auszuarbeiten und auch, um seinen Auftritt in den sozialen Internet-Medien zu managen.

Kandidat verlost Hamburg-Reise

Im politischen Rostock sorgt diese Kampagne bei Facebook für Wirbel: Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) verlost dort eine Hamburg-Reise. Quelle: Andreas Meyer

Genau dort –im Internet –hat Müller-von Wrycz Rekowski aber bereits Ärger: Denn auf seiner Facebook-Seite verlost der Senator eine Reise nach Hamburg für zwei Personen – samt Karten für das Musical „König der Löwen“. Dafür muss er im politischen Rostock viel Kritik einstecken. Manche wittern gar einen Verstoß gegen Wahlkampf-Regeln. Gemeindewahlleiter Robert Stach will sich dazu aber nicht äußern: Die Bewerbungsfrist für die OB-Wahl laufe noch bis zum 12. März, der Senator habe noch keine Bewerbung abgegeben. Deshalb sei Stach nicht zuständig.

Müller-von Wrycz Rekowski verteidigt die Aktion: Er habe die Reise von einem „Sponsor“ geschenkt bekommen und wolle Menschen eine Freude machen. „Das tut doch keinem weh“, sagt er. Mehr als 5300 Menschen haben das Gewinnspiel kommentiert, mehr als 3000-mal wurde die Aktion weiterverbreitet. „Die meisten Teilnehmer kommen nicht mal aus Rostock. Davon habe ich keinen Vorteil bei der Wahl“, so der SPD-Politiker. Und binnen weniger Tage konnte er so die Zahl seiner „Fans“ bei Facebook von wenigen Hundert auf mehr als 5000 steigern. Zum Vergleich: Bockhahn kommt auf mehr als 2200 „Freunde“, Madsen auf knapp 800.

Andreas Meyer

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