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Mecklenburg So lief Rostocks Bomben-Tag: Senioren feiern im Sperrgebiet
Mecklenburg So lief Rostocks Bomben-Tag: Senioren feiern im Sperrgebiet
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17:27 27.03.2019
Mitarbeiter der Ambulanz Millich bringen eine Senioren in die Notunterkunft in der Stadthalle. Quelle: Andreas Meyer
Rostock

Als alles vorbei ist, fließen die Tränen. Nicht in Rostock, sondern am Mirower See. Wenige Minuten ist es her, dass Sprengmeister Fred Tribanek jene Weltkriegsbombe entschärft hat, die Rostock drei Tage lang in Atem hielt. Nun hat er gerade mit seiner Frau daheim telefoniert. „Die war sehr aufgeregt“, sagt der 61-Jährige. Während er froh und stolz auf den gelungenen Einsatz ist, kullern bei seiner Liebsten Tränen der Erleichterung. Nur 45 Minuten hat der Hobby-Triathlet gebraucht, um den späten Spuk des Krieges zu beenden.

Rostocker gehen freiwillig

Eine gute Dreiviertelstunden zuvor: Es ist exakt 9.31 Uhr, als Polizeichef Michael Ebert „grünes Licht“ für die Entschärfung gibt. „Die Innenstadt ist jetzt geräumt.“ Zuvor hat Polizeihubschrauber „Merlin“ das Gebiet nochmals von oben abgesucht. Unter anderem mit einer Wärmebildkamera. Nur wenige Menschen dürfen sich jetzt noch dort aufhalten, wo an Werktagen Zehntausende arbeiten, einkaufen, essen. Gerade mal eineinhalb Stunden hat es gedauert, bis wirklich auch der letzte Anwohner raus dem Gefahrenbereich war. Bereits kurz vor 8 Uhr hatten sich lange Staus stadtauswärts gebildet. Auf den letzten Drücker verlassen die Rostocker Sperrgebiet. Die allermeisten freiwillig.

Nur in einer Straße unterhalb des Rathauses muss die Polizei nachdrücklicher werden. Drei Senioren schauen dort aus ihren Fenstern, beobachten das Treiben. Aber gehen wollen sie nicht. Polizeichef Ebert und seine Kollegen müssen deutlicher werden. Eine junge Frau in der Östlichen Altstadt kriegt ebenfalls eine klare Ansage: „Da geht’s lang. Am Strande können Sie joggen.“ „Die meisten Bürger aber haben sich an die Weisungen gehalten.“

Bombenentschärfung in Rostock: Ordnungssenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) überzeugt sich kurz nach 8 Uhr davon, dass auch das Radisson Blu-Hotel geräumt ist. Quelle: Andreas Meyer

Ebert ist mit Ordnungssenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) unterwegs. Sie kontrollieren auch die Hotels. Am Radisson Blu sind die Türen kurz vor 8 Uhr bereits verschlossen. „Wegen Evakuierung geschlossen“ steht auf einem Schild. „So soll es sein“, lobt der Senator. Im Steigenberger Hotel „Sonne“ sind nur noch die Hausmeister: „Aber wir gehen jetzt auch“, verspricht einer der Männer.

Senioren feiern im Sperrgebiet

Während in den Straßen um sie herum absolute Stille herrscht, feiern mehr als 120 Bewohner in der Seniorenresidenz „Am Waldschlösschen“ ein Fest. DJ One Hand spielt Schlagermusik. „Unsere Bewohner sollen den Tag genießen“, sagt Einrichtungsleiter Martin Kaiser. Dabei liegt die Seniorenresidenz an der Ernst-Barlach-Straße nur einige Hundert Meter von der Bombe entfernt. Den alten Leuten sollte aber die Aufregung einer Evakuierung erspart werden, erläutert Rathaus-Sprecher Ulrich Kunze die Ausnahmeregelung für das Pflegeheim. Schließlich habe ein Großteil der Senioren den Krieg selbst noch miterlebt. „Da werden Erinnerungen wach“, so Kunze. Und das Gebäude biete genug Schutz, so die Einschätzung der Fachleute.

Allerdings mussten die Zimmer zur Ernst-Barlach-Straße und zur Blücherstraße geräumt werden. „Damit die Bewohner keine Glassplitter abbekommen, wenn die Fenster durch den Druck einer Explosion zu Bruch gehen“, sagt Heim-Chef Kaiser. Die Mitarbeitern bringen die Senioren in den Wintergarten im hinteren Teil des Gebäudes. „Wir sind schon ein bisschen nervös“, sagt Bewohnern Michael Lindemann. Der 70-Jährige hilft den Rollstuhlfahrern in einen Lift. „Es ist besser für die Leute hier, dass sie nicht evakuiert werden müssen“, ist Lindemann überzeugt. Angst habe niemand.

Zur Ablenkung spielen die Bewohner unter anderem „Mensch ärgere Dich nicht“ und singen Lieder. „Ich habe schon viel mitgemacht, aber sowas auch noch nicht“, sagt DJ One Hand, der mit bürgerlichen Namen André Bergemann heißt. Einen Tag vorher fragte die Heimleitung bei ihm an. Er habe nicht lange überlegen müssen. „Nur meine Frau war nicht gerade begeistert und sagte: ,Nicht, dass Dir das Ding um die Ohren fliegt’.“ Doch da hat Bergemann keine Sorgen: „Die Bombe hat schon den Krieg überstanden, dann wird sie das jetzt auch überstehen“, sagt er und lacht.

Hauptbrandmeister Bernd Müller (50) war diensthabender Chef der Rettungsleitstelle während der Bombenentschärfung. Einsätze mussten mit der Polizei koordiniert werden: „Wir hatten den Rest von Rostock im Blick.“ Quelle: André Wornowski

In der Rettungsleitstelle der Berufsfeuerwehr leuchten indes rote Lampen im Dauertakt vor Hauptbrandmeister Bernd Müller vor. Hier herrscht Hochbetrieb – viele Anrufe gehen bei den Mitarbeitern ein. Und dennoch ist es nur ein ganz normaler Tag, wie Müller sagt. Die einzige Besonderheit: „Wir müssen unsere Einsätze mit der Polizei in der Innenstadt koordinieren“, so der diensthabende Leiter. Gibt es einen Notfall im Evakuierungsgebiet, müsse entschieden werden, ob die Entschärfung der Bombe unterbrochen wird oder der Notfall warten muss. Seit kurz nach 7 Uhr waren Rettungsdienste unterwegs, um Senioren und Kranke abzuholen.

„Ach, Du Sch ...“

Entschärfer Fred Tribanek (rechts) zeigt Ordnungssenator Müller-von Wrycz Rekowski die ausgebauten Zünder. Quelle: Andreas Meyer

Im Rosengarten am Rande der Rostocker Innenstadt präsentiert Fred Tribanek vom Munitionsbergungsdienst keine zwei Stunden später die beiden Zünder, der er ausgebaut und vor Ort gesprengt hat. Einer war schon vor mehr als 70 Jahren – vermutlich beim Aufschlag – ausgelöst worden. Warum die Bombe dennoch nicht detonierte? Tribanek schüttelt den Kopf. Er weiß es nicht. „Sie hätten losgehen müssen.“ Einmal kurz wird auch ihm ganz anders: Er muss einen der Zünder durchbohren, um ihn zu sichern. Dabei bricht der Bohrer ab, Funken fliegen, es blitzt. Für den Bruchteil einer Sekunde hat Tribanek Angst: „Ach, Du Sch ...“ habe er gedacht. Aber alles geht gut. Am Abend will er mit seiner Frau anstoßen. Ohne Alkohol. Der Sportler sagt: „Ich trinke auf diesen Tag heißes Wasser.“

Virginie Wolfram, Andreas Meyer und André Wornowski

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