Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Südwestmecklenburg Anklage gegen mutmaßlichen Mörder von Rentner in Wittenburg
Mecklenburg Südwestmecklenburg Anklage gegen mutmaßlichen Mörder von Rentner in Wittenburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:49 13.03.2019
In diesem Haus soll der Angeklagte den 85-jährigen Rentner ermordet haben. Quelle: Dietmar Lilienthal
Anzeige
Schwerin/Wittenburg

Rund vier Monate nach dem gewaltsamen Tod eines 85-jährigen Rentners in Wittenburg hat die Staatsanwaltschaft Schwerin Anklage wegen des Verdachts des heimtückischen Mordes erhoben. Der beschuldigte Mann aus Afghanistan soll dem Rentner am 17. November 2018 in dessen Einfamilienhaus die Kehle durchschnitten haben, wie die Behörde am Mittwoch mitteilte. Indizien und frühere Aussagen des Angeklagten ließen auf ein persönliches Motiv schließen. Anhaltspunkte für eine politisch oder religiös motivierte Tat hätten sich im Zuge der Ermittlungen nicht ergeben.

Prozess am Landgericht Schwerin

Der Prozess findet am Landgericht in Schwerin statt. Einen Termin für den Auftakt gibt es noch nicht. Doch muss die Verhandlung zur Wahrung der sechsmonatigen Frist spätestens Mitte Mai beginnen. Der Mann befindet sich in Untersuchungshaft. Zum Tatvorwurf habe er sich weder gegenüber der Schweriner Mordkommission noch gegenüber der Staatsanwaltschaft geäußert, hieß es weiter. Ein Haushaltshelfer, der ebenfalls im Haus wohnte, soll die Tat über die Kamera eines Babyfons beobachtet haben.

Afghane war für Hilfsarbeiten im Haus

Der abgelehnte Asylbewerber war den Ermittlungen zufolge von der in der Flüchtlingshilfe in Sachsen tätigen Tochter des Opfers für Hilfsarbeiten am Haus nach Wittenburg geschickt worden. Er war am Vorabend der Tat dort eingetroffen. Der junge Mann soll schon im Sommer 2018 kurzzeitig zur Pflege des alten Herrn eingesetzt gewesen sein. Nach der Tat war er geflüchtet, von der Polizei dann aber an der A24 nahe dem schleswig-holsteinischen Geesthacht gefasst worden.

Große Zweifel an Alter des Angeklagten

Am Alter des Angeklagten, das laut Personaldokument bei 20 Jahren lag, hatte es erhebliche Zweifel gegeben. Bei seinem Asylverfahren am Verwaltungsgericht Chemnitz hatte er den Ermittlungen zufolge selbst sein Alter mit 24 Jahren angegeben. Eine Altersfeststellung durch einen Gutachter in der Untersuchungshaft ergab laut Staatsanwaltschaft, dass er „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ über 21 Jahre alt ist. Damit wäre eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht nicht mehr möglich. Auf Mord steht nach Erwachsenenstrafrecht lebenslange Haft, das Jugendstrafrecht sieht in der Regel bis zu zehn Jahre Haft vor.

Frank Pfaff