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Südwestmecklenburg Berliner Testament sichert Ehepartner ab
Mecklenburg Südwestmecklenburg Berliner Testament sichert Ehepartner ab
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00:00 06.04.2018
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Schwerin

Eine Eins mit zwölf Nullen beflügelt die Fantasie vieler Bundesbürger. Tatsächlich sind es sogar mehrere Billionen, die bis 2024 in Deutschland den Besitzer wechseln: Mehr als jeder dritte Erwachsene hat laut einer Studie der Berliner Privatbank Quirin mindestens schon einmal geerbt, bei den über 55-Jährigen mehr als die Hälfte. Spitzenreiter sind die Bayern (38 Prozent), die Schlusslichter bilden hier die Bewohner von Hamburg und MV (31 Prozent).

Kinder erben erst nach dem Tod des zweiten Elternteils

Auch wenn im Nordosten sich laut der Untersuchung bisher nur etwa acht Prozent der Erben über Nachlässe im Wert von mehr als 100000 Euro freuen konnten – in Baden-Württemberg sackte jeder fünfte Erbe mehr als 100000 Euro ein – , ist Zoff programmiert. Denn bereits kleine Summen sorgen für Streit. Fast jede fünfte Erbschaft endet im Zwist, wie eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach (Baden-Württemberg) ergab.

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„Rechtzeitig und vor allem rechtssicher vorzusorgen, ist wichtig“, betont Dr. Moritz von Campe, Präsident der Notarkammer MV.

Auch im Nordosten entscheiden sich Ehepaare oft für ein Berliner Testament. Sie können damit ihren Nachlass gemeinsam regeln. „Der Ausdruck Berliner Testament bezieht sich auf dessen Inhalt. Es handelt sich um eine besondere Form des gemeinschaftlichen Testaments. Die Eheleute setzen sich gegenseitig zu Alleinerben ein“, verdeutlicht der Schweriner Notar.

Die Ehepaare verfügen gleichzeitig, dass ihr gemeinsames Erbe nach dem Tod des länger lebenden Partners an einen oder mehrere Dritte gehen soll. Die Begünstigten können die Kinder, aber auch jede andere Person, eine Stiftung oder ein Verein sein. „Werden beispielsweise gemeinnützige Organisationen bedacht, müssen auch diese von den Erblassern korrekt benannt werden“, sagt der Experte. Es reiche beispielsweise nicht, das Vermögen „dem Tierschutz“ zu vererben, nennt er einen der Fehler, die in handgeschriebenen Testamenten häufig auftauchen.

Dr. Moritz von Campe macht auf den „entscheidenden Vorteil“ des Berliner Testaments aufmerksam: Man sei in der Lage, damit die gesetzliche Erbfolge zu umgehen und zunächst den Partner abzusichern, der den anderen überlebt. Der kann mit dem gemeinsamen Vermögen weiterleben, ohne das Erbe teilen zu müssen. Die gesetzlichen Erben haben nur die Chance, ihren Pflichtteil zu fordern.

Anders ausgedrückt: Kinder werden beim Tod des ersten Elternteils rechtlich „enterbt“. Der bestehende Anspruch auf ihren gesetzlichen Pflichtteil kann jedoch mitunter den überlebenden Partner in finanzielle Nöte bringen. Denn besagter Pflichtteil wird sofort fällig und muss bar ausgezahlt werden.

Die sogenannte Pflichtteilstrafklausel könnte das verhindern. Wenn Kinder ihren Pflichtteil gegen den Willen des überlebenden Elternteils einfordern, bekommen sie auch nach dem Tod des zuletzt versterbenden Partners nur ihren Pflichtteil. Sie werden also keine Erben! Das soll Kinder dazu bringen, auf den Pflichtteil nach dem Tod des ersten Partners zu verzichten und bis zum Tod des längerlebenden Elternteils abzuwarten.

Achtung, trotz besagter Klausel ist der Pflichtteilsberechtigte in der Lage, dem Erben erhebliche Probleme zu bereiten und Kosten zu verursachen. Indem er nämlich seine Auskunftsansprüche hinsichtlich der Wertermittlung des Vermögens geltend macht. Darunter leidet oft der Familienfrieden. Folglich muss die Pflichtteilstrafklausel entsprechend ausgestaltet sein.

Bedenken sollte man laut Fachmann zudem, dass Änderungen oder ein Widerruf im Berliner Testament nur gemeinsam möglich sind. Ist ein Partner verstorben, bleiben dem Hinterbliebenen, der vielleicht eine neue Liebe kennengelernt hat, diesbezüglich kaum Möglichkeiten. Es sei denn, die Ehepartner haben eine Änderungsklausel vereinbart.

Wurde die Ehe geschieden, dann ist auch das gemeinsame Berliner Testament automatisch unwirksam. Es muss dazu nicht aufgehoben oder widerrufen werden. In MV wurden allein 2016 immerhin 2866 Ehen rechtskräftig geschieden. Das waren 293 Scheidungen mehr als 2015.

Mit zunehmender Ehedauer steigt übrigens die Scheidungshäufigkeit deutlich. Diese Tendenz setzte sich 2016 fort. In 40 Prozent der Fälle erfolgte die Trennung nach 16 und mehr Jahren.

Getrennt zu leben, reiche für das Unwirksamwerden eines Berliner Testaments aber nicht aus, warnt der Vertreter der Notarkammer. Er betont: „In der Praxis müssen die Voraussetzungen für die Scheidung existieren. Konkret heißt das, ein Trennungsjahr ist absolviert und beide Partner haben der Scheidung zugestimmt. Oder wenn einer nicht zustimmt, müssen drei Jahre Trennungszeit erfüllt sein.“

Wer sich schon während der Trennungs- oder Scheidungsphase absichern will, kann das Berliner Testament einseitig widerrufen, allerdings nur in notarieller Form.

Drei OZ-Leserforen „Achtung, vorsorgen!“

Wenn Sie noch mehr wissen möchten zu den Themen Testament, gesetzliche Erbfolge, Erbvertrag, Erbausschlagung, Erbschein, Pflichtteil, Not-Testament, Pflegegrade, Verhinderungspflege sowie Leistungen der Pflege- und Krankenkassen – dann sind Sie bei den Leserforen richtig.

Die Veranstaltungen werden gestaltet von der OSTSEE-ZEITUNG, der Notarkammer MV, der Verbraucherzentrale des Landes und den Pflegestützpunkten des Landes – vornehmlich der AOK Nordost.

Der Eintritt ist stets kostenfrei!

In Rostock, Grevesmühlen und Greifswald werden Notare,
Patientenberater und Pflege-Experten Vorträge zu den genannten Schwerpunkten halten. Dazwischen und danach gibt es die Möglichkeit, die Fachleute persönlich zu befragen. Hier die drei Orte der großen OZ-Leser-Foren:

Montag, 23. April, Rostock:

Großer Saal der OSTSEE-ZEITUNG, Richard-Wagner-Str. 1a, 18055 Rostock

Beginn: 18.00 Uhr

Mittwoch, 25. April, Grevesmühlen:

Börzower Weg 3, Kreistagssaal der Malzfabrik, 23936 Grevesmühlen

Beginn: 18.00 Uhr

Donnerstag, 26. April, Greifswald:

Universität Greifswald, Ernst-Lohmeyer-Platz 6, Hörsaal 2, 17489 Greifswald

Beginn: 18.00 Uhr

Volker Penne

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