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Südwestmecklenburg Dieser Arzt aus Schwerin sagt: Die Corona-Beschränkungen in MV sind Unfug
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Dieser Arzt aus Schwerin sagt: Die Corona-Beschränkungen in MV sind Unfug

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16:03 21.05.2020
Der Schweriner Chirurg Dr. Andreas Kauffold hält die Corona-Pandemie für nicht gefährlicher als eine Grippe. Bundes- und Landesregierung wirft er Panikmache vor.
Der Schweriner Chirurg Dr. Andreas Kauffold hält die Corona-Pandemie für nicht gefährlicher als eine Grippe. Bundes- und Landesregierung wirft er Panikmache vor. Quelle: Frank Pubantz
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Schwerin

Aufgebracht. Dieses Wort umschreibt es gut. Andreas Kauffold (53) ist aufgebracht. Darüber, wie Bundes- und Landesregierung Menschen wegen der Corona-Krise einschränken. Darüber, dass Protestanten gegen Verbote wie er in die rechte Ecke geschoben oder als Verschwörungstheoretiker bezeichnet würden. „Das ist Unsinn“, sagt Kauffold.

„Die Politik soll aufhören mit dem Unfug“

Der Schweriner trägt einen großen Namen, er ist der Sohn des früheren MV-Kultusministers Peter Kauffold (†, SPD). Niedergelassener Chirurg in der Schweriner Innenstadt, ein promovierter Arzt. Aber eben kein Virologe oder Immunologe. Und er ist im Vorstand der Ärztekammer MV, von wo er teilweise Rückenwind für seine Kritik erhält.

Zweimal hat er mit anderen Ärzten Mahnwachen gegen Corona-Regeln wie Mundschutzpflicht oder Kita-Schließungen in der Landeshauptstadt organisiert. Mit Anmeldung und Sicherheitsdienst. Rund 600 Leute kamen beim zweiten Mal. „Wahnsinn“, sagt er dazu.

Die Politik sollte „aufhören mit dem Unfug“, sagt Kauffold. Zusammengefasst lautet seine Botschaft: Das Corona-Virus sei nicht gefährlicher als andere, Todesfälle seien „nicht durch“, sondern „mit“ Covid-19 festgestellt worden. „Es gibt keine Übersterblichkeit.“ Die Gegenmaßnahmen, der Lockdown, das Einfrieren sozialen und wirtschaftlichen Lebens seien völlig überzogen und gefährlich. Auf Demos klingt das provokanter: „Corona-Panik frisst Grundgesetz“, steht da zu lesen. Kauffold fordert wie andere eine „Bestrafung der Schuldigen“.

Zweifel an der Gefahr durch das Coronavirus

Rund 600 Teilnehmer hatte die jüngste Mahnwache in Schwerin, zu der Ärzte aufgerufen hatten. Quelle: Jens Büttne/dpa

In seiner Praxis hat das Gespräch mit Andreas Kauffold zwei Teile. Erst will er „off the record“ sprechen, vertraulich. Kurz denkt er darüber nach, ob er das Handy des Journalisten in einen Kühlschrank packt, damit er nicht abgehört werden kann.

Kauffold, der Chirurg, hat viel über Corona gelesen. Er zitiert Ärzte, die kritische Meinungen zum Lockdown äußerten, dann aber verstummt seien. Er hat die Nummer eines Dokuments im Kopf, über das der Bundestag bereits 2013 über die Gefahr einer Virus-Pandemie informiert wurde. Erklärt, dass die Todesrate bei Corona-Fällen aktuell wohl bewusst manipuliert werde. Stellt den Bundesgesundheitsminister unter Verdacht, mit einer Corona-App Daten absaugen zu wollen. Umfragen, wonach eine große Mehrheit in Deutschland die Corona-Regeln für angemessen hält, traue er nicht.

Dies muss aushalten, wer zuhört. „Das ist das Framing“, sagt Kauffold. Eine Regierung, die ihr Volk unter Kontrolle bringt. Das Infektionsschutzgesetz „setzt partiell die Demokratie außer Kraft“. Er fühle sich an die DDR erinnert.

Manuela Schwesig (SPD), die Ministerpräsidentin des Landes, habe ihren Teil beigetragen. Etwa als sie sagte: Man wolle hier keine Bilder wie in Italien haben. Dadurch seien viele Menschen völlig verängstigt worden, so Kauffold. Bund und Land betrieben „Panikmache“.

Kauffold: Von Extremisten „klar abgegrenzt“

Deshalb gehe er jetzt auf die Straße. Medienberichte hätten ihn schockiert. Von Rechtsextremisten war da die Rede, die auf Demos mitmarschierten. „Wir haben uns klar abgegrenzt von solchen Leuten“, so Kauffold. Hätten Extremisten die Veranstaltung gekapert, „hätten wir sofort abgebrochen“. Aber er könne auch nicht Leute wegschicken, die ihm nicht passen.

Es gehe um die Grundrechte. Wochenlang habe er mit Patienten über das Thema Corona geredet, die Angst wahrgenommen. Dann sei die Entscheidung gefallen, etwas zu tun. „Die Landesregierung muss endlich aufhören mit den Corona-Maßnahmen“, so Kauffold. Heißt: Schulen, Kitas, Läden ohne Regeln auf, Masken und Kontaktverbot weg.

Ein unabhängiges Gremium sollte die Politik beraten, nicht nur einzelne Mediziner. Hier fällt das Wort „Speichellecker“. Und die Diffamierung müsse aufhören, fordert Kauffold. Kaum erhebe sich ein Kritiker, werde dieser gesellschaftlich ausgegrenzt.

Ärztekammer in Erklärungsnot: „Zahlreiche Fehler“

Kauffolds Offensive bringt die Ärztekammer in MV, bei der er im Vorstand sitzt, in Erklärungsnot. Es seien bei der Bekämpfung der Corona-Infektion wegen unsicherer Faktenlage „zahlreiche Fehler gemacht worden“, sagt Kammer-Vizepräsident Dr. Wilfried Schimanke. Der Lockdown habe das Virus gebremst. „Dabei ist es aber zu Einzelmaßnahmen gekommen, deren Rationalität und Angemessenheit hinterfragt werden darf.“

Andreas Kauffold will weitermachen. „Denn die Indizien sprechen eine entgegengesetzte Sprache zum Tohuwabohu der Politik.“

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Von Frank Pubantz