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Südwestmecklenburg Hunderte Bauern gehen am Freitag auf Protestfahrt durch MV
Mecklenburg Südwestmecklenburg

Hunderte Bauern gehen wieder auf Protestfahrt durch MV

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09:04 17.01.2020
Etwa 50 Traktoren werden zu der Bauerndemo am Freitag erwartet. Die Polizei warnt vor Verkehrsbehinderungen im gesamten Landkreis Vorpommern-Rügen. Quelle: Tilo Wallrodt
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Stralsund/Ludwigslust

Achtung, Autofahrer! Am heutigen Freitag müssen Sie mit weitreichenden Verkehrsbeeinträchtigungen auf wichtigen Bundes- und Landesstraßen rechnen. Das teilte die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern mit. Da die Traktor-Konvois nicht überholt werden könnten, sei mit deutlich längeren Fahrzeiten zu rechnen. Es werde zeitweise auch zu Vollsperrungen von Streckenabschnitten und Knotenpunkten kommen. Die Polizei begleite die Konvois mit zusätzlichen Einsatzkräften und setze zur Überwachung auch den Hubschrauber der Landespolizei ein, hieß es.

Nach Angaben der Veranstalter von der Initiative „Land schafft Verbindung“ werden die Konvois im Nordosten um 15 Uhr an vier verschiedenen Orten zu Rundkursen starten. Da die Bauern aus dem ganzen Land anreisen, ist schon von Mittag an bis weit in den Feierabendverkehr hinein mit Behinderungen zu rechnen.

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Diese Strecken sind betroffen

Die Route 1 führt auf der B106 von Schwerin nach Wismar und zurück. Eine ursprünglich auf dem Alten Garten vor dem Schloss in Schwerin geplante Großdemonstration findet laut Polizei nicht statt. Route 2 verläuft nach Angaben der Organisatoren von Laage nach Rostock zurück nach Laage. Der Kreisbauernverband Güstrow will mit circa 150 Traktoren in einem Korso durch den Landkreis und die Hansestadt Rostock fahren.

Der Konvoi setzt sich in Kobrow bei Laage gegen 15 Uhr in Bewegung. Die Strecke führt über Laage, Weitendorf, Schwaan, Clausdorfer Kreuz, Kritzmow, B 105 nach Rostock. Hier fährt der Korso, der eine Länge von drei Kilometern haben könnte, über Hamburger Straße, Lübecker Straße, L 22, Verbindungsweg und Tessiner Straße nach Sanitz und Tessin. Dann geht es zurück nach Laage.

Für den Protestzug von Stralsund nach Greifswald und zurück wurden laut Polizei etwa 50 Traktoren angemeldet. Sie verläuft von Stralsund, Richtenberger Chaussee – B 194 – Grimmen – Poggendorf – B 109 – Griebenow – B 105 Greifswald – B 105 ReinbergBrandshagenStralsund. Die Route 4 verläuft von Neustrelitz nach Neubrandenburg und wieder nach Neustrelitz. Zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche sind Bauernproteste auch in Berlin angekündigt.

Kostendeckende Produktion derzeit nicht möglich

Auch rund um Ludwigslust und Grabow (Landkreis Ludwigslust-Parchim) müssen Autofahrer mit Staus rechnen. Die Polizei geht davon aus, dass es auf der B 5 zwischen Boizenburg und der Landesgrenze zu Brandenburg stocken könnte. Nach derzeitigen Informationen sollen zwischen 5und 7 Uhr aus Lauenburg (Schleswig- Holstein) kommend bis zu 100 Traktoren in Fahrtrichtung Berlin unterwegs sein.

Der bundesweite Protest richtet sich wie schon bei den großen Aktionen im Oktober und Dezember gegen schärfere Umwelt- und Tierschutzauflagen, die der Bund mit seinem Agrarpaket den Bauern auferlegt. „Wir Landwirte denken in Generationen, nicht in Kampagnen! Wir stehen für Insekten- und Naturschutz, für sauberes Grundwasser und gesunde Lebensmittel und wollen dies mit unserem Wissen und unserer Erfahrung aktiv mitgestalten“, heißt es in einer Mitteilung der Initiatoren. Die Trecker-Konvois seien „das sichtbare Symbol“ des Angebots zum Dialog.

Die Landwirte protestieren seit Wochen gegen die Agrar- und Umweltpolitik der Bundesregierung. Im Zentrum der Kritik stehen dabei die neue Düngeverordnung und strengere Vorgaben zum Arten- und Tierschutz. Landesagrarminister Till Backhaus (SPD) hatte erst am Dienstag Verständnis für die Sorgen der Bauern geäußert. Sie fühlen sich zu unrecht an den Pranger gestellt und in vielen Betrieben sei bei den gegenwärtigen Preisen eine kostendeckende Produktion nicht möglich, erklärte Backhaus. Doch machte er auch deutlich, dass angesichts überhöhter Nitratwerte im Grundwasser und zunehmenden Artensterbens ein Umsteuern in der Landwirtschaft unerlässlich sei.

Backhaus will Agrarförderung zurückfahren

Backhaus war bereits am Donnerstagabend Gastgeber für ein Treffen der ostdeutschen Agrarminister und Bauernpräsidenten. In der Landesvertretung in Berlin werden nach seinen Worten die Europäische Agrarpolitik nach 2020 und die gesellschaftlichen Anforderungen an Umwelt- und Tierschutz die zentralen Themen sein.

Backhaus hatte sich immer wieder gegen Pläne ausgesprochen, die Agrarförderung zurückzufahren. Wer effektiven Klimaschutz, bessere Bedingungen für Tiere wolle und die Erhaltung der Artenvielfalt anstrebe, müsse auch für eine solide finanzielle Basis sorgen. „Sollte die EU für die vor uns liegenden Herausforderungen nicht ausreichend Geld über die einzelnen EU-Fonds zur Verfügung stellen, erwarte ich vom Bund einen entsprechenden Ausgleich“, betonte Backhaus vor dem Treffen. Eine Erhöhung der gesellschaftlichen Anforderungen und eine Absenkung der finanziellen Ressourcen passten nicht zusammen.

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Von OZ/dpa