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Südwestmecklenburg Rentner aus Wittenburg starb an tiefem Halsschnitt – neue Details
Mecklenburg Südwestmecklenburg Rentner aus Wittenburg starb an tiefem Halsschnitt – neue Details
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16:40 19.11.2018
Eine Grableuchte steht neben einer Polizeiabsperrung am Eingang zu einem Haus in Wittenburg. Hier ist ein 85 Jahre alter Mann mit einem Messer getötet worden. Quelle: Axel Heimken / dpa
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Wittenburg

Zwei Tage nach dem Mord an einem Rentner in Wittenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) hat die Obduktion die Todesursache bestätigt. Der 85-Jährige starb an einer tiefen Halsschnittwunde durch einen scharfen Gegenstand, wie ein größeres Messer, sagte die Schweriner Oberstaatsanwältin Claudia Lange am Montag in Schwerin. Die Tatwaffe sei noch nicht gefunden worden. Der Tatverdächtige, ein 20-jähriger Afghane, habe sich auch noch nicht zu der Tat geäußert. Das Motiv sei noch unklar.

Der abgelehnte Asylbewerber aus Sachsen, der eine Duldung bis Ende Januar hat, sitzt in der Jugendanstalt Neustrelitz in Untersuchungshaft. Er war wenige Stunden nach der Tat festgenommen worden. Der junge Mann war nach bisherigem Ermittlungsstand von der Tochter des Opfers, die im Raum Zwickau in der Flüchtlingshilfe tätig ist, für Hilfsarbeiten am Haus des Rentners nach Wittenburg geschickt worden. Er war demnach am Vorabend der Tat dort eingetroffen.

Trauer in Wittenburg

In der Stadt Wittenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) ist die Trauer groß. Der Rentner war ein engagierter Bürger. „Die Tat ist für uns unfassbar, der 85-Jährige hatte sich unter anderem stark beim Förderkreis Mühle eingebracht“, sagte Bürgermeisterin Margret Seemann (SPD) am Montag. Die Betroffenheit in der Stadt sei sehr groß. Der Mann habe nach dem Tod seiner Frau vor wenigen Jahren allein gelebt und sei bei ihrem letzten Besuch zwar körperlich eingeschränkt, aber geistig fit gewesen.

Ein alleinstehender Rentner ist in Wittenburg in der Nacht zu Sonnabend getötet worden. Dringend tatverdächtig ist ein 20-jähriger abgelehnter Asylbewerber aus Afghanistan, der Arbeiten am Haus des 85-Jährigen ausführte.

Seemann warnte davor, den Vorfall für politische Zwecke zu instrumentalisieren. Als Beispiel führte sie mehrere Aufrufe zu Mahnwachen via Internet seitens der rechtsextremen NPD und der AfD an. „Ich hoffe, dass sich die Bürger gegen solche Versuche zur Wehr setzen“, sagte die SPD-Politikerin. Die AfD-Landtagsfraktion forderte, dass sich der Innenausschuss mit den Fall beschäftigen soll. Der Fall sei brisant, sagte der Fraktionsvorsitzende Nikolaus Kramer.

Festnahme eher zufällig

Unterdessen sind neue Details bekannt geworden. So ist es nur der Hartnäckigkeit des Notaufnahme-Teams im Geesthachter Johanniter-Krankenhaus in Schleswig-Holstein zu verdanken, dass die Polizei einen mutmaßlichen Mörder festnehmen konnte. Der tatverdächtige 20-Jährige soll nach Polizeiangaben in der Nacht zum Sonnabend gegen 2 Uhr einen 85-Jährigen ermordet haben. Anschließend flüchtete der Mann. Die Polizei leitete nach dem aus Afghanistan stammenden Flüchtling eine Großfahndung ein.

Nachdem der zum Wetter unpassend bekleidete 20-Jährige gegen 12.40 Uhr beim Sammeln von Pfandflaschen Passanten aufgefallen war, informierten diese die Polizei. Die Beamten der Autobahnpolizei im schleswig-holsteinischen Talkau trafen den Mann an und forderten wegen dessen offensichtlicher Unterkühlung den Rettungsdienst an, der ihn per Rettungswagen ins Johanniter-Krankenhaus brachte. Anhaltspunkte, dass der Mann ohne Personalpapiere von den Kollegen aus dem Nachbarkreis gesucht wird, hatten die Autobahnpolizisten nicht.

Tatverdächtiger war barfuß unterwegs

"Der Mann kam bei uns leicht bekleidet an. Wir haben ihn dann zunächst mit Sachen aus unserer Kleiderkammer ausgestattet und ihn wegen der Unterkühlung versorgt", berichtet Sylvia Ziesmann-Busche, die Pressesprecherin der Klinik am Runden Berg. Unter anderem war der 20-Jährige barfuß unterwegs. Wie er aus Wittenburg – wie Talkau an der A 24 gelegen – die etwa 40 Kilometer weite Strecke zurücklegte, ist unklar. Nachdem der 20-Jährigen dem 85-Jährigen angeblich die Kehle durchgeschnitten haben soll, war er zunächst mit dem Wagen des Seniors geflüchtet. Die Fahrt endete aber nach kurzer Zeit mit einem Unfall. Zu Fuß muss der Tatverdächtige seinen Weg dann fortgesetzt haben.

Um nicht auf den Behandlungskosten sitzenzubleiben forderte das Team des Johanniter-Krankenhauses schließlich am Sonnabend um 16.30 Uhr die Polizei an, um die Identität des Mannes festzustellen. "Das ist ein bei uns übliches Vorgehen", so Sylvia Ziesmann-Busche. Beamte des Geesthachter Reviers fuhren daraufhin zur Klinik, nahmen den 20-Jährigen mit auf die Wache und überprüften den Mann anhand seiner Fingerabdrücke. Die waren im System gespeichert, weil er als abgelehnter Asylbewerber registriert ist.

Bei der Personalienüberprüfung wurde den Polizisten dann sofort der Hinweis auf den Fall aus Wittenburg angezeigt. Der 20-Jährige wurde vorläufig festgenommen und an die Ermittler aus Ludwigslust-Parchim übergeben. „Die Kollegen dürften sich gefreut haben“, heißt es von Seiten der Polizeidirektion.

Iris Leithold / Timo Jann