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Südwestmecklenburg Geschichte des Bauens: Schatzsuche in Schwerin
Mecklenburg Südwestmecklenburg Geschichte des Bauens: Schatzsuche in Schwerin
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04:00 22.03.2018
Johann Heinrich Suhrlandt, Blick auf die Schlossanlage Klenow, Feder in Schwarz, laviert Quelle: Repros: Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mv
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Schwerin

Davon träumt jedes Kind. Eine geheimnisvolle Kiste und wenn man den Deckel knarrend öffnet, funkeln einem die Goldmünzen ins Gesicht. Sigrid Puntigam hat ihren Schatz im Jahr 2010 in Schrank 15, Fach vier der Mecklenburgischen Landesbibliothek entdeckt. Und was ihr da entgegenfunkelte, entlockte ihr ein freudigeres „Heureka!“, als Gold das je geschafft hätte. 560 Pläne, Bilder, Zeichnungen, Kupferstiche, Druckgrafiken aus der Zeit der Mecklenburgischen Herzöge Christoph Ludwig II. und seinem Sohn, Herzog Friedrich von Schwerin. Architekturnachlässe aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert.Sigrid Puntigam erinnert sich: „Ein überwältigender Augenblick. Das Land kam plötzlich zu einer umfangreichen Plansammlung. Ein riesiges Forscherglück und in seiner Fülle singulär.“ Nun, Spötter würden sagen, sowas kann auch nur in Mecklenburg passieren. Aber bisher ging man davon aus, dass all diese Pläne, die Aufschluss über das Bauen und die Baukultur jener Zeit geben, bei einem Brand im Zweiten Weltkrieg zerstört worden sind. Nun hofft die Kunsthistorikerin Puntigam, dass dieser Fund eine Lawine auslöst. „Denn hier gibt es noch jede Menge Schätze zu bergen“, sagt sie.Da es sich bei dem Fund überwiegend um Zeichnungen und Baupläne handelt, spricht man im Staatlichen Museum Schwerin auch vom Planschatz. Im Neubau des Museums wird der Schatz nun ausgestellt. Acht Jahre haben die Historiker der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen MV gesichtet, sortiert, geforscht. Anfangs kam der Wunsch auf, alle 560 Blätter zugleich zu zeigen. Ein hoffnungsloses Unterfangen. Nun haben die Forscher fünf Schneisen in das Material gelegt, um die Blätter in bevölkerungstauglichen Ausstellungen zu präsentieren. Das war Wunsch der Geldgeber – vom Land bis zur Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin.Im Neubau werden die Fundstücke nun in einer einfallsreichen und etwas putzigen Form gezeigt. Die Schau, die vom 23. März bis 10. Juni läuft, ist in fünf kleine Schatzkisten aufgeteilt. Dort können Besucher entdecken, wie das Bauen in Mecklenburg damals so lief, in welchem Binnenverhältnis sich Stararchitekten und Herzöge bewegten, wie die Fürstenerziehung und Bildung am Hofe ablief und das architektonisches Zeichnen damals selbstverständlich zur fürstlichen Schulbildung gehört hat. Auch die Beziehungen in andere Regionen wie Brandenburg und Sachsen oder der Blick in Städte wie Hamburg, Berlin, Dresden, die stets eine Vorbildfunktion ausübten, spielt eine Rolle. Sehr wesentlich in der Schau ist die Bedeutung Schwerins in Europa. Der Fundus macht deutlich, wie sich die Herzöge auf dem europäischen Kontinent von Schwerin bis Rom, Paris, Kopenhagen und St. Petersburg bewegten und wie stark der Einfluss Russlands, Italiens und Frankreichs auf das Baugeschehen in Mecklenburg war. Aber auch, dass der Nordosten eine zentrale Rolle im europäischen Gewebe gespielt hat. Für Friedrich-Wilhelm von Rauch, Direktor der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, die das Projekt unterstützt, war der Planschatz Liebe auf den ersten Blick: „Ein Schatz mit atemberaubenden Blättern und ein unglaublicher Fundus für die Landesgeschichte. Der Blick wird auf die Schlüsselbauten fokussiert. Wie hat sich Schwerin, wie hat sich Mecklenburg entwickelt.“ Bauen, das wird beim Anblick dieser Kunstwerke klar, war stets in Stein gehauene Machtdemonstration.

Das Staatliche Museum Schwerin zeigt den Schatz, den eine Historikerin entdeckt hat. Die Schau „Schatz entdeckt“ erzählt die Geschichte des Bauens in MV.

Michael Meyer

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