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Südwestmecklenburg Waldbrand in Lübtheen: Tiere bleiben im Flammen-Inferno zurück
Mecklenburg Südwestmecklenburg Waldbrand in Lübtheen: Tiere bleiben im Flammen-Inferno zurück
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15:59 02.07.2019
Kühe nahe des Waldbrands in Lübtheen. Die meisten Haus- und Nutztiere mussten von ihren Besitzern zurückgelassen werden. Quelle: Juliane Schultz
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Lübtheen

 Die noch immer wütenden Flammen in Lübtheen im Südwesten Mecklenburg-Vorpommerns sind nicht nur eine Qual für Menschen, sondern auch ganz besonders für Tiere.

Erstere wurden in den bedrohten Ortschaften bereits evakuiert. Zurück blieben die Haustiere. Für viele der Anwohner eine weitere mentale Zerreißprobe. „In den Orten die evakuiert wurden, sind viele Tiere zurückgeblieben, die man jetzt nicht mehr befreien kann“, sagt Jennifer Dietel. Die 30-Jährige bietet auf ihrem Hof Birkenkamp in Bresegard Tier und Mensch eine Zuflucht. „Ich bin selbst Großtierhalterin und wenn ich mir vorstelle, meine Tiere zurücklassen zu müssen, ungewiss, was mit ihnen passiert und ich sie nicht ständig versorgen könnte, würde mir das sehr schwer fallen.“

Um die Situation für die Menschen und ihre Tiere erträglicher zu machen, hat der Landkreis Ludwigslust-Parchim nun reagiert. Zur Absicherung der Versorgung der Tiere mit Futter und Wasser wurde am Montagabend geregelt, dass die Halter täglich zwischen 8 und 9 Uhr und zwischen 20 und 21 Uhr Zugang zu den Grundstücken erhalten. Die Landespolizei sichert die Zugänge ab, um das Eigentum der von der Evakuierung betroffenen Bewohner zu sichern.

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Ein erneutes Feuer auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in Lübtheen (Landkreis Ludwigslust-Parchim) hält die Region in Atem.

Junge Wildtiere nur geringe Überlebenschancen

In der Ortslage Alt Jabel, die von starker Rauchentwicklung betroffen ist, nimmt zudem ein Amtstierarzt vom Veterinäramt des Landkreises Kontakt mit den betroffenen Haltern auf, um über den Verbleib der Tiere einvernehmlich zu entscheiden.

Während die Haustiere zumindest die zum Leben nötige Grundversorgung erhalten, sind die Bewohner des Waldes sehr viel schlechter dran. Über die Zahl der durch die Feuersbrunst qualvoll verendeten Tiere kann man nur mutmaßen.

Kaum Chancen auf Rettung haben vor allem junge Tiere, meint Ulf Bähker, Naturschutzreferent beim Naturschutzbund MV (Nabu). „Vor allem Brutplätze von Vögeln werden von den Flammen erfasst“. Dennoch hätten Vögel sowie flugfähige Insekten, wie Schmetterlinge und Libellen, die besten Überlebenschancen. Auch wenn seltenere Arten sehr unter ihren Brutverlusten leiden werden, wie zum Beispiel der Raufußkauz.

Natürliche Instinkte sind Rettung für Tiere

Die nachhaltige Gefährdung einzelner Arten schließt Bähker hingegen aus. Dazu seien die Wildtierbestände in den Wäldern zu gefestigt. Zudem verfügten Tiere über natürliche Fluchtinstinkte. Große, schnellere Tiere seien generell im Vorteil. „Wildschweine und Rehe bemerken solche Gefahren meist rechtzeitig und wissen, wo sie dem Feuer entkommen können. Ihre Chancen sind gut, es sei denn, sie werden von den Flammen eingekreist.“

Amphibien, wie zum Beispiel die Kreuz- und Knoblauchkröte und andere Kleintiere, versuchen sich durch Eingraben der Hitze zu entziehen. „Je nachdem wie tief sie sich einbuddeln, können sie das über sie hinwegziehende Feuer aussitzen“, meint Bähker.

Zerstörung birgt Chancen für einige

Fraglich ist, ob und wann die Tiere, besonders das Großwild, in die abgestorbenen Gegenden zurückkehren. Bähker betont: „Die Waldbrände zerstören über viele Jahre ihre Lebensräume. In abgebrannten Wäldern finden Rehe oder andere größere Tiere kaum Nahrung.“ Ihre einstigen Jagd- und Brutgebiete würden über Jahre unattraktiv für sie, sodass sie sich neue Räume erschließen müssen.

Derartige Zerstörung berge jedoch auch Chancen in sich. So gebe es Tierarten, die die Entstehung neuer Lebensräume nach Bränden oder Naturkatastrophen für sich zu nutzen wüssten. „Einige Arten werden von den entstandenen Freiflächen profitieren“, sagt Bähker. So wie der Ziegenmelker, ein Vertreter der Nachtschwalben, der bevorzugt in Heidelandschaften brütet. Oder der Mäusebussard, der auf freien Flächen besser nach Nagetieren jagen könne. „Auch viele Insekten fühlen sich in diesen „Pionierstadien“ wohl“, erklärt Bähker und betont: „Die Natur hat Selbstheilungskräfte und wird immer zurückkommen.“

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