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Mecklenburg Wehren stoßen an technische Grenzen
Mecklenburg Wehren stoßen an technische Grenzen
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16:36 24.04.2019
Das sind Oldies unter den Einsatzfahrzeugen: das Löschfahrzeug vom Typ LF8 TS8 STA, Baujahr 1986 (links) und das Tanklöschfahrzeug TLF 16, Baujahr 1976. Quelle: Sylvia Kartheuser
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Güstrow/Bad Doberan

Das W50-Tanklöschfahrzeug der Ventschower Feuerwehr hat mehr als 40 Jahre auf dem Buckel. Kein Wunder, dass es im vergangenen Mai während einer Ausbildung seinen Dienst versagte. Die Einspritzpumpe war kaputt. Für Mathias Harder kein Problem. „Das darf beim Baujahr 1978 schon mal passieren“, sagt der Maschinist. Der W50 werde gehegt und gepflegt – schließlich ist es das Hauptfahrzeug der Feuerwehr. Seit 2006 in ihrem Besitz, sei schon vieles umgebaut und die technische Ausrüstung auf einen moderneren Stand gebracht worden, so Harder.

Noch vier Jahre älter ist ein Löschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Gägelow. „Es ist zwar einsatzbereit, dient uns aber als äußerste Reserve“, erklärt Wehrführer Marcel Arndt. Seine Kameraden nutzen das LF8 beispielsweise, wenn Wohnungskeller vollgelaufen sind und Wasser abtransportiert werden muss: „Wir haben noch zwei moderne Fahrzeuge, mit denen wir zu Brand- und Rettungseinsätzen fahren.“

Die Feuerwehr Veelböken (Amt Gadebusch) nutzt ein Tanklöschfahrzeug 16/25 aus dem Jahr 1976. „Es erfüllt seinen Zweck. Wir werden oft zu Hilfeleistungen hinzugezogen, weil der Tank 2500 Liter Wasser fasst“, sagt Wehrführer Siegfried Helwich. Geld für ein moderneres Fahrzeug ist nicht vorhanden: „In ein paar Jahren wollen wir ein neueres gebrauchtes Fahrzeug anschaffen.“

55 Fahrzeuge älter als 25 Jahre

Zustände, die auch den Kreisfeuerwehrverband im Landkreis Rostock in Alarmbereitschaft versetzen. „Im gesamten Gebiet sind aktuell 386 Fahrzeuge im Dienst“, sagt Kreisbrandmeister Mayk Tessin. „100 davon sind älter als 20 Jahre – und 55 Einsatzwagen haben sogar schon die 25 überschritten.“ Dabei gebe es im Kreis ein Nord-Süd-Gefälle, so Tessin: „Das hängt in erster Linie mit der Finanzkraft der einzelnen Gemeinden zusammen – im Süden stammen einige Fahrzeuge sogar noch aus DDR-Zeiten. Die müssen dringend ersetzt werden.“

„Im Süden des Landkreises Rostock stammen einige Fahrzeuge sogar noch aus DDR-Zeiten – die müssen dringend ersetzt werden.“ Mayk Tessin, Kreisbrandmeister Landkreis Rostock Quelle: Doris Deutsch

Immerhin: In den kommenden Jahren will das Land insgesamt 50 Millionen Euro in die Ausstattung der Wehren investieren – gespeist aus Überschüssen im Landesetat. „Damit bekommen wir in fünf Jahren schon einige Dinge abgearbeitet“, meint Tessin – und hält die finanzielle Unterstützung dennoch für „einen Tropfen auf den heißen Stein“: „Denn wenn man weiß, dass allein ein Fahrzeug mit Drehleiter schon mal 750 000 Euro kosten kann, ist das am Ende nicht wirklich viel Geld.“

Im Vergleich mit anderen Gebieten in MV sehe es im Landkreis Rostock noch verhältnismäßig gut aus, betont Tessin: „Die Gemeinden investieren allgemein mehr in den Brandschutz – dabei hilft sicher auch die seit 2016 gesetzlich vorgeschriebene Brandschutzbedarfsplanung.“ Damit würden in einigen Kommunen erst jetzt Probleme ans Licht kommen: „Ob Geräte, Ausrüstung oder Löschwasser – endlich wurde mal aufgeschrieben, was erneuert werden muss. Und auch die jeweiligen Gemeindevertretungen wissen, worüber sie reden und beschließen.“

Erhöhter Kraftakt für Gemeinden

In diesem Zusammenhang gebe es nicht nur bei der Technik, sondern auch mit Blick auf die Schutzausrüstung einen stetigen Investitionsbedarf, macht Kreisbrandmeister Tessin deutlich: „Die meisten Gemeinden sind hier auf dem aktuellen Stand – aber gerade die immer neuen Vorschriften der Versicherungsträger bedeuten einen erhöhten Kraftakt, um der Brandschutz-Verpflichtung auch nachzukommen.“

Nach seiner Auffassung stelle das Land dafür nicht genügend Mittel zur Verfügung, bemängelt Tessin: „Aber das neue Finanzausgleichsgesetz soll hier ja Abhilfe schaffen – dann sollen die Stärkeren den Schwächeren etwas abgeben.“

Erfreulich: „Im Landkreis Rostock sind derzeit 4133 Kameraden in 164 freiwilligen Feuerwehren aktiv – das ist gegenüber den Vorjahren ein Plus.“ In erster Linie seien diese Zahlen das Ergebnis einer guten Nachwuchsarbeit, macht Mayk Tessin deutlich: „Wir bekommen den Verjüngungsprozess hin – auch weil es im Land wieder mehr Lehrstellen gibt.“ Vor zehn, 20 Jahren habe das noch anders ausgesehen: „Da haben wir die jungen Leute ausgebildet – und nach der Schule ist dann der Großteil in andere Bundesländer abgewandert.“

Zuwächse bei Jugendwehren

Ein ähnliches Bild gibt es auch in Nordwestmecklenburg: Hier engagieren sich 3353 Frauen und Männer in 96 freiwilligen Feuerwehren, zwei betrieblichen Feuerwehren und einer Werksfeuerwehr. In 77 Jugendfeuerwehren lernen 880 Mädchen und Jungen die Grundlagen des Brandschutzes und der technischen Hilfeleistungen. Zuwächse weist die Statistik vor allem bei den Jugendfeuerwehren und bei der Zahl der Feuerwehrfrauen aus.

Allerdings: Nach internen Aufstellungen des Landesfeuerwehrverbandes hat im gesamten Land Mecklenburg-Vorpommern die Zahl der Freiwilligen Feuerwehren seit 2004 um etwa 17 Prozent von 1125 auf 939 abgenommen. Die Zahl der aktiven Mitglieder sank im gleichen Zeitraum von 28 000 auf 25 450 – ein Minus von neun Prozent.

„Auch wenn die Personalzahlen bei uns auf einem stabilen Stand sind“, sagt Kreisbrandmeister Mayk Tessin, „vor allem bei der Tagesbereitschaft bekommen wir Probleme, weil die Leute nicht in ihrem Wohnort arbeiten.“ Eine Lösung: das sogenannte Rendezvous-System, bei dem mindestens zwei getrennte Feuerwehreinheiten gleichzeitig zu Einsätzen alarmiert werden. „Damit sollen schnellstmöglich mehrere komplette Mannschaften mit Geräten am Einsatzort eintreffen“, erklärt Tessin. Dennoch: „Wir können jeden neuen Aktiven gut gebrauchen.“

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