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Wismar Für 165 Millionen: Bahn plant neues Mega-Projekt bei Bad Kleinen
Mecklenburg Wismar Für 165 Millionen: Bahn plant neues Mega-Projekt bei Bad Kleinen
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16:02 02.07.2019
Visualisierung: So soll die Bahnkurve bei Gallentin einmal aussehen. Ziel ist, dass die neuen Gleise (Streckenführung in der unteren Bildhälfte) ab 2027 genutzt werden können. Von Anwohnern gibt es derzeit noch massive Bedenken – vor allem den Lärmschutz betreffend. Quelle: Quelle: Ing.-Büro Dipl.-Ing. H. Vössing GmbH
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Bad Kleinen

Die Bahn will ihre Fahrgäste künftig in einem Rutsch von Schwerin bis nach Lübeck fahren. Dazu fehlen allerdings noch knapp zwei Kilometer Gleise. Und genau diese sollen an der Westseite des Dorfes Gallentin bei Bad Kleinen in einer eingleisigen Bahnkurve gebaut werden. Für das Projekt der Ausbaustrecke zwischen Lübeck und Schwerin wird die eingleisige Bestandsstrecke von rund 63 Kilometern Länge zudem elektrifiziert. 165 Millionen Euro soll das Mega-Projekt der Bahn kosten – Stand jetzt. Gegenwind gibt es zurzeit von vielen Anwohnern. Sie befürchten – von Bahnstrecken eingeschlossen – vor allem mehr Lärm.

Genau deshalb tourt die Bahn mit Projektleiter und Schallschutzexperten durch alle betroffenen Orte entlang der geplanten Strecke. Sie zeigen Grafiken, Schaubilder, Pläne, erklären bei Keksen, Lollis und Getränken, was auf die Bewohner zukommen wird. Die zeigen sich bislang jedoch wenig begeistert.

Anwohner besorgt: Verlieren Grundstücke an Wert?

Ein Gallentiner berichtet: „Unser Dorf ist schon jetzt an zwei Seiten mit Bahnschienen begrenzt, nun soll die dritte auch noch mit Gleisen zugemacht werden. Wir sind dann eingekesselt“, sagt er und befürchtet, dass sein Grundstück zudem an Wert verlieren könne.

Bad Kleinens Bürgermeister Joachim Wölm (Linke) findet zumindest: „Viele haben hier Angst, künftig in einem lauten Gleisdreieck zu leben. Es ist aber schön, dass die Bahn die Bürger informiert und mit ihnen spricht.“

Ingo Buhlke ist Projektleiter der Bahn-Ausbaustrecke Lübeck–Schwerin. Er sagt: „Ziel ist, die Verbindungskurve bei Gallentin 2027 fertigzustellen.“ Quelle: Michaela Krohn

Sprechen – das muss Ingo Buhlke, Leiter des Bahnprojektes, an diesem Tag viel mit den Anwohnern. Zurzeit fahren allein etwa 57 Güterzüge täglich an Gallentin und Bad Kleinen vorbei, 19 davon in der Nacht. Die allein reichen vielen Anwohnern schon. Dass es in ein paar Jahren noch mehr werden könnten, ist ihre große Angst. Buhlke versucht zu beruhigen: Die Züge würden moderner und leiser gebaut. Und: „Auch andere Bahngesellschaften sind dazu verpflichtet, moderne Züge einzusetzen.“

Das Projektteam der Bahn tourt durch die Orte, die an der Ausbaustrecke liegen – hier vergangenen Donnerstag in Gallentin. Das Team um Projektleiter Ingo Buhlke beantwortete Fragen und ging auf Bedenken der Anwohner ein. Quelle: Michaela Krohn

Die Kernforderungen der Anwohner – dazu gehört vor allem der Schallschutz – will die Bahn mit in den Bundestag nehmen. Denn dort muss das Projekt erst noch durchgewunken werden. Das könnte Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres so weit sein. Erst dann kann weiter geplant werden. Der Streckenausbau war im November 2018 im Bundesverkehrswegeplan 2030 als Vorhaben des „potenziellen Bedarfes“ in den „vordringlichen Bedarf“ aufgerückt. Läuft mit der Abstimmung im Bundestag nun alles wie geplant, könne laut Bahn Ende 2021 mit dem öffentlichen Beteiligungsverfahren begonnen werden.

Damm und Eisenbahnüberführung müssen gebaut werden

Für die neuen Gleise sollen nun ein Damm für die Kurve und eine Eisenbahnüberführung für die Querung einer Gemeindestraße gebaut werden. Ebenfalls werden die sogenannten signaltechnischen Anlagen durch digitale Stellwerkstechnik ersetzt. Die Bahnhöfe in Schönberg und Grieben werden modernisiert und umgebaut. Die Bahnkurve bei Gallentin ist Bestandteil der Ausbaustrecke LübeckSchwerin.

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Zurzeit brauchen Fahrgäste für die schnellste Verbindung zwischen den beiden Städten eine Stunde und elf Minuten mit dem Regionalexpress – dabei müssen sie allerdings immer in Bad Kleinen umsteigen. Durch die geplante Verbindungskurve soll diese Zeit auf etwa 52 Minuten verkürzt werden – ohne umzusteigen.

„Damit wird die verkehrliche Vernetzung der Region Nordwestmecklenburg und der Landeshauptstadt Schwerin verbessert. Zudem ermöglicht der Streckenausbau eine Entlastung des Bahnknotens Hamburg“, heißt es bei der Bahn.

Bau der Kurve kann frühestens 2024 beginnen

Die Idee der Bahnkurve bei Gallentin ist nicht neu. Sie tauchte schon im Plan der Verkehrsprojekte zur Deutschen Einheit auf. Nun wird es konkret. „Wenn alles nach Plan läuft, können wir frühestens Ende 2024 mit dem Bau beginnen“, sagt Bahn-Projektleiter Ingo Buhlke. Ziel sei es, die neuen Schienen 2027 nutzen zu können.

Erst im Mai hatte die Bahn den Bahnhof Bad Kleinen, der über zwei Jahre umgebaut und saniert wurde, offiziell eingeweiht. Knapp 45 Millionen Euro wurden dort über die Jahre insgesamt investiert und verbaut. Rund 37 Millionen Euro Bau- und Planungskosten stecken allein in den Umbauprojekten der DB Netz AG, die unter anderem die neue Fußgängerbrücke zu den Bahnsteigen gebaut, die Gleise erneuert und verlängert, Bahnsteige erneuert und Wartehäuschen und Fahrstühle gebaut hat.

Michaela Krohn

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