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Wismar 18-jährige Zwillinge sind die jüngsten Seenotretterinnen von Poel
Mecklenburg Wismar 18-jährige Zwillinge sind die jüngsten Seenotretterinnen von Poel
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16:45 28.07.2019
Die Zwillinge Jenny und Gina (r., 18) Pudschun sind die jüngsten Seenotretterinnen von Timmendorf auf der Insel Poel. Quelle: Kerstin Schröder
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Timmendorf

Sie sind 18 Jahre alt und damit die jüngsten Seenotretterinnen der Insel Poel: Seit Mai gehören die Zwillinge Gina und Jenny Pudschun zum Team im Timmendorfer Hafen. Muskulöse Seebären sind die Zwei nicht, aber „die Mädchen können anpacken“, sagt Stationsleiter Thomas Lietz. Er freut sich über die doppelte Verstärkung. Denn in den zurückliegenden Monaten habe seine Crew einige gesundheitliche Ausfälle verkraften müssen. Gina und Jenny Pudschun kennen die Personalprobleme: Ihr Vater ist seit Jahren Seenotretter und hat seine Töchter anscheinend mit dem Helfer-Virus infiziert.

Besucherandrang beim Tag der Seenotretter auf der Insel Poel

„Wir wollten etwas Ehrenamtliches machen“, erklären die Schwestern ihren Eintritt in die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Gina Pudschun fährt nicht nur mit hinaus, wenn Segler und Wassersportler Hilfe brauchen, sondern sie kann auch selbst ans Steuer. „Ich habe den Bootsführerschein gemacht“, erzählt sie stolz.

Revier erstreckt sich von Boltenhagen bis Wustrow

Rund 50 Einsätze haben die Timmendorfer Seenotretter in diesem Jahr bereits absolviert. Bei etlichen sind die beiden 18-Jährigen dabei gewesen. Sie haben Jachten, die sich im Flachwasser festgefahren haben, befreit, einen Passagier an Land gebracht, der dringend medizinische Hilfe benötigte, Boote mit Motorschäden abgeschleppt und gekenterte Segler aus der Ostsee gerettet. Das Revier ihrer Poeler Station erstreckt sich über Boltenhagen im Westen bis zur Halbinsel Wustrow im Osten. Seit 2018 sichert die Truppe von Vormann Thomas Lietz das Gebiet mit dem Seenotrettungsboot „Wolfgang Wiese“ ab. Benannt ist es nach dem Segler Wolfgang Wiese, der mit seinem Nachlass den Neubau möglich gemacht hat. Denn die Arbeit der Seenotretter wird ausschließlich mit Spenden und freiwilligen Zuwendungen finanziert. Deshalb wird auch jedes Jahr der Tag der Seenotretter durchgeführt – um die Werbetrommel für die DGzRS zu rühren.

Besucher kommen in Scharren zum Seenotretter-Tag

Hunderte Besucher nutzen diese Gelegenheit gerne, um mit den Poeler Seenotrettern ins Gespräch zu kommen – auch auf dem Wasser. Denn interessierte Besucher können an dem Tag auch mit den Booten hinausfahren. Am Sonntag nutzten das Angebot zahlreiche Gäste. Dafür haben sie geduldig in einer langen Schlange gewartet und sich bei heißen 29 Grad noch eine Rettungsweste übergezogen. Zwischen zehn bis 15 Minuten dauern die Touren mit der „Wolfgang Wiese“ und dem Kühlungsborner Boot „Konrad-Otto“. Die beiden Stationen feiern seit Jahren immer zusammen den Tag der Seenotretter. Diesmal ist auch noch der große Seenotkreuzer „Vormann Jantzen“ dabei. „Wir haben keine feste Station, sondern sind immer dort im Einsatz, wo wir gebraucht werden“, berichtet Vormann Nils-Christopher Reher. Unter Deck erklärt er neugierigen Besuchern die Technik und kommt bei den tropischen Temperaturen dabei mächtig ins Schwitzen.

Durch Spenden finanziert

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) finanziert ihre Arbeit ausschließlich durch Spenden und freiwillige Zuwendungen. Wer sie unterstützen möchte, kann folgendes Spendenkonto nutzen: Sparkasse Bremen, IBAN: DE36 2905 0101 0001 0720 16, BIC: SBREDE22. Der jährliche Etat der Seenotretter beläuft sich auf rund 40 Millionen Euro. Rund eine Million Euro kommen aus den kleinen rot-weißen Spendenschiffchen, von denen es etwa 14 000 in ganz Deutschland gibt. Zwischen 500 und 1000 neue Schiffe, die 32 Zentimeter lang sind, kommen jährlich hinzu.

Die Spendenschiffchen haben mittlerweile einen kleinen Kultstatus erreicht. Sie stehen in vielen Kneipen, Arztpraxen, auf Fährschiffen und in Betrieben.

Besucher können DGzRS mit Spenden unterstützen

Andrea und Lilli Mittig aus Solingen in Nordrhein-Westfalen sind von dem Schiff begeistert. „Wir sind das erste Mal auf Poel und das erste Mal auf einem Seenotkreuzer – beides gefällt uns sehr“, betonen die Urlauberinnen. Vor dem Schiff wirbt Thorsten Neumann von der DGzRS-Zentrale in Bremen um Spenden. Er ist mit der Resonanz zufrieden und wird in der Pause von Jenny Pudschun, die auf der Insel eine Ausbildung in der Tourismusbranche absolviert, abgelöst. „Wir haben immer mehr Frauen an Bord. Das ist eine erfreuliche Entwicklung“, betont Neumann.

Nicht nur bei den Seenotrettern stehen die Besucher Schlange, auch am Timmendorfer Leuchtturm. Denn er öffnet nur einmal im Jahr seine Tür – zum Tag der Seenotretter. Jeweils nur acht bis zehn Menschen auf einmal dürfen die steilen Stufen erklimmen und danach die Aussicht genießen. Für mehr reicht der Platz oben nicht aus. „Wir sind das vierte Mal auf Poel und das erste Mal auf dem Leuchtturm – es ist ein wunderbares Erlebnis“, freut sich Familie Richter aus der Nähe von Hannover.

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