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Wismar 1928 funkte es zwischen Wismar und Paris
Mecklenburg Wismar 1928 funkte es zwischen Wismar und Paris
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00:00 03.01.2018
Uwe Hansen beim Funken. Er hat sich sehr intensiv mit der Wismarer Amateurfunkgeschichte auseinandergesetzt. Quelle: Foto: Nicole Hollatz
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Wismar

1902 überbrückte Guglielmo Marconi erstmals drahtlos die Entfernung von Europa nach Amerika. Aber erst im Herbst 1923 fand in Deutschland mit der Ausstrahlung der ersten Rundfunksendung die Funktechnik eine rasante Verbreitung. Bereits im Folgejahr wurde sogar in Wismar schon Sendetechnik betrieben – an der damals noch recht jungen „Ingenieur-Akademie der Seestadt Wismar“. Im Jahr 2017 hat Uwe Hansen, lizenzierter Funkamateur und pensionierter Diplomingenieur für Informationstechnik, einen wunderbaren Zufallsfund aus Frankreich über Wien nach Wismar geholt. Ein Fund, der die Geschichte des Amateurfunks in Wismar neu schreiben lässt und die Hansestadt zu einem landesweiten Vorreiter macht.

Wurde in der Hansestadt Amateurfunk- geschichte von MV geschrieben?

Versuchslizenzen ausgegeben

„Die Ingenieur-Akademie Wismar hat neben der schon bestehenden Empfangsstation für drahtlose Telegrafie und Telephonie eine Sendestation eingerichtet. Sie wird unter dem Kennwort ,Polytechnikum Wismar’ amtlich eingetragen und zugelassen.“ So zu lesen in der Hochschulchronik von 1986. Im August 1924 wurden von der Deutschen Reichspost die ersten Versuchslizenzen unter anderem an 21 wissenschaftliche Einrichtungen deutschlandweit ausgegeben.

Im Bereich des heutigen Landes Mecklenburg-Vorpommern gehörten nur die Akademie Wismar und die Universität Greifswald zu den ersten Lizenzträgern. Dieser frühe experimentelle Versuchsfunk war einbezogen in Forschung und Lehre, wie auch vielfach bereits im Amateurfunk. Ein Beleg dafür fehlte in Wismar bislang.

Ein Zufallsfund

Den fand Uwe Hansen durch Zufall. Mit dem Ergebnis: „Die Wurzeln des Amateurfunks in Mecklenburg-Vorpommern liegen definitiv in Wismar.“ 1988 war er auf der Suche nach einem historischen Foto aus der privaten Ingenieur-Akademie Wismar, der Gründungseinrichtung der heutigen Hochschule. Es fand sich eine Fotokopie einer Laboransicht mit einem handschriftlichen Vermerk auf der Rückseite – „Hochfrequenzlabor mit der Experimentalfunkstelle eD4ABK in den zwanziger Jahren“. 1988 blieben alle Recherchen zum Labor und hier (noch falsch) benannten Rufzeichen erfolglos. 27 Jahre später hatte Uwe Hansen das besagte Foto beim Aufräumen wieder in der Hand und bemühte nun das Internet. Es folgten Kontakte zu Chronisten im In- und Ausland und letztlich zum Dokumentationsarchiv Funk in Wien.

Da wurde man fündig und schickte Kopien zweier sogenannter QSL-Karten aus Wismar. „QSL-Karten dienen der nachträglichen Bestätigung einer Funkverbindung“, erklärt Hansen. Eine der Bestätigungskarten ist datiert auf den 9. Januar 1928, und die andere stammte aus dem Jahr 1933. Die nun älteste Wismarer QSL eK4ABK von 1928 galt damals einem französischen Funkamateur und Ingenieur aus der Nähe von Paris.

Neugierde geweckt

Das Interesse war geweckt. Uwe Hansen forschte weiter. „Für mich waren jetzt die Personen interessant, die hier den Funkbetrieb tätigten“, erzählt er. Die QSL von 1928 hatte ein Dr.-Ing. Heinrich unterschrieben, Leiter der Versuchsstelle im „Elektrotechnischen Institut“ der Ingenieur-Akademie. „Eine interessante Persönlichkeit“, bewertet Hansen dessen wissenschaftliche Veröffentlichungen und konkreten Forderungen für eine gute Ingenieursausbildung. Im Wismarer Baumweg befanden sich das Institut und die Labore. „Im Bereich Nachrichtentechnik gehörten Telegrafie, Funktechnik und Telefonie zu den Lehrfächern an der Akademie“, weiß Hansen. Die Spur zu Dr.-Ing. Kurt Heinrich verliert sich plötzlich. Dann die Verblüffung. „Es ist beschrieben, dass Heinrich 1931 fristlos entlassen wurde“, berichtet Uwe Hansen. Weit mehr kann in seiner Chronik im Internet nachgelesen werden (Suchbegriffe bei Google: „Chronik Amateurfunk Wismar“).

Vortrag und Sonderaktion

Über die nicht nur für Funkamateure spannende Geschichte wird Uwe Hansen am Dienstag, dem 9. Januar, um 19 Uhr im Wismarer Stadtarchiv sprechen. Der Eintritt kostet drei Euro und ist für den guten Zweck bestimmt.

Aus Anlass der ältesten Wismarer QSL vom 9. Januar 1928 aktivieren die Funkamateure der Hansestadt im ersten Halbjahr 2018 das Sonderrufzeichen DM90AIW. Eine spezielle QSL-Karte wird weltweit allen Funkpartnern diese Geschichte von „90 Jahren Amateurfunk in Wismar“ nahebringen.

Nicole Hollatz

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