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Wismar 3030 Meter lang und 20 Fuß hoch
Mecklenburg Wismar 3030 Meter lang und 20 Fuß hoch
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00:17 26.03.2018
Grundriß von Wismar mit dem Verlauf der Stadtmauer – eine Darstellung von 1680. SAMMLUNG DETLEF SCHMIDT
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Wismar

Am 25. März 1909 wurde das letzte Teilstück der Wismarer Stadtmauer am Abzweig der Turmstraße zur Schatterau abgebrochen und darauf die Wohnhäuser Turmstraße 40 und 44 erbaut.

Einstiger Schutz für die Stadt musste im März 1909 Wohnhäusern weichen

Ab 1276 begannen Wismars Bürger, um die Stadt eine Stadtmauer zu errichten. Genau 3030 Meter war die Mauer nach Fertigstellung um die Stadt lang und 20 Fuß hoch. Das sind ungefähr fünf bis sechs Meter, mit einer Breite von einem Meter. Bis 1865 stand diese Mauer, als die ersten Lücken ungefähr beim heutigen Bahnhofzugang „von unbekannten Händen“, so ein damaliger Bericht, an einem schadhaften Mauerstück entstand, um schneller zum Bahnhof zu kommen. Danach wurde sie Stück für Stück abgetragen.

Das hatte auch triftige Gründe. Wismar war durch die Zugehörigkeit zu Schweden mit dem noch bestehenden Zollsystem belastet, das eingehende und ausgehende Waren und Produkte verteuerte. Am 19. März 1863 wurde Wismar in das mecklenburgische Zollsystem aufgenommen, das die Abschaffung des Lizent, das Mecklenburg als Ausland, außer Schweden, ansah. Die Wismarer wollten sich nun von allem Belastendem, was den Handel betraf, befreien, und dazu gehörten nun einmal ihrer Ansicht nach die alte Stadtmauer und Tore. Als erstes Tor wurde das Altwismartor am 25. September 1968 entfernt, danach Lübsche Tor und Mecklenburger Tor und als letztes das Poeler Tor. Am 23. November 1869 erteilte der Rat die Abrissgenehmigung dazu und verkaufte es für 425 Taler an den Wismarer Hof-Maurermeister Gustav Lundwall, der am 14. Januar 1870 mit den Abriss- und Aufräumarbeiten am Tor begann. Im gleichen Jahr errichtete der geschäftstüchtige Maurermeister aus den Steinen des Tores das Haus Schatterau 34. Die Wappen des Tores wurden 1870 am damals neu errichteten Fischerwachturm am Alten Hafen eingelassen. Es wurde eben alles wiederverwendet. Das Wassertor blieb nur dadurch erhalten, weil es in einem Architekturführer beschrieben wurde und Wismars Stadtväter sich davor scheuten. Wismars alte Wehranlage hatte ausgedient. Zu ihrer Entstehungszeit war sie dringend notwendig, doch mit einer die Stadt umgebenden Mauer war es wegen der Sicherheit noch nicht getan. Der Fremde, der sich der Stadt näherte musste auf dem Weg dorthin noch einige Posten passieren. Da waren zunächst die Vorburgen, die wir heute noch als Lübsche Burg, Kritzowburg, Müggenburg (aus dem Slawischen für „Landzunge mit feuchter Niederung“), Eiserne Hand, Kluß oder auch Rotenthor kennen.

Das waren keine Burgen im herkömmlichen Sinn, sondern Gehöfte, deren Pächter von der Stadt für ihre Dienste entlohnt wurden. Die „Burgleute“ achteten genau darauf, wer in die Stadt wollte und schlugen auch schon mal Alarm bei verdächtigem „Gesindel“. Ähnlich war es im Hafen. Der Baum, der vom „Bohmschlüter“ morgens und abends über die Hafeneinfahrt geschoben wurde, war eine dringliche Sicherheitsmaßnahme im sensiblen Hafenbereich. Weiter ging es von der „Vorburg“ an dem ersten Vorwall vorbei und man musste noch Dornenhecken überwinden. Einen Beweis für diese Hecken finden wir noch im Straßennamen „Am Torney“. Der Name ist slawischen Ursprunges und kommt von „turnu“. Das bedeutet „mit Dornenhecken bewachsenes Gelände“, also absichtlich gepflanzte „Abwehrhecke“. Durch diese Hecke musste erst einmal eine größere Schar Angreifer kommen. Wenn der Reisende nun vor die Stadtmauer kam, hatte er den Stadtgraben vor sich und in die Stadtmauer waren in Wismar 35 Wikhäuser und Berchfrite eingebaut. Das sah schon beeindruckend aus und diesen Eindruck sollte es auch vermitteln. Hochgerüstet war die Bürgerwehr bereit, ihre Stadt von der Mauer und aus den Türmen zu verteidigen. Die Bürgerwehr wurde von den Ämtern gestellt. In die Stadt selbst konnte man nur durch die fünf Stadttore kommen, die nach allen Himmelsrichtungen und Hauptfahrrouten ausgerichtet waren.

Daneben gab es noch kleinere Mauerdurchlässe, wie zum Beispiel am Hafen neben dem Großen Wassertor das kleine Wassertor oder auch Fischertor, Petritor und Schmiedetor.

Die Mauer wurde über Jahrzehnte erbaut und wenn man die Zeit bedenkt, dass in Wismar gerade drei Kirchen mit einem immensen Bausteinbedarf entstanden, so ist dies wohl auch eine nicht gering einzuschätzende Leistung unserer Vorfahren. Der Zugang zur Stadt war im Sommer von morgens um drei Uhr bis abends um zehn Uhr möglich, dagegen im Winter von morgens um sieben bis nachmittags um fünf Uhr. Wer danach kam und die Wachen störte, hatte einen halben Schilling zu bezahlen. Damit war am 30. Juni 1866 Schluss und die Tore blieben offen. Die Stadtmauer hatte als Schutz-Bauwerk ausgedient.

Was sonst noch geschah

25. März 1813 Aufruf zur Bewaffnung des Mecklenburger Volkes unter Herzog Friedrich Franz I. gegen die Truppen des französischen Kaisers Napoleon.

25. März 1991 Die Treuhandgesellschaft verfügt, dass die Seehafen GmbH zu 74,9 Prozent der Hansestadt Wismar und zu 25,1 Prozent dem Land Mecklenburg-Vorpommern gehört.

26. März 1992 Eröffnung des MEZ (Mecklenburgischen Einkaufszentrum) in Gägelow. Die Ansiedlung führt zu Kontroversen mit der Hansestadt Wismar, aufgrund des befürchteten Käuferschwundes.

27. März 1949 Eröffnung des Theaters an der Parkstraße.

27. März 1844 Der Dichter der deutschen Nationalhymne, Hoffmann von Fallersleben, ist Gast im Hotel Stadt Hamburg.

28. März 1300 Verkauf der fürstlichen Burg und neuer Platz für den mecklenburgischen Fürsten in der Mecklenburger Straße.

28. März 1990 Gründung des Schützenvereines Hanse e.V. mit 14 Mitgliedern.

30. März 1936 Stadtchronist Dr. Friedrich Techen in Wandsbek gestorben.

30. März 1933 Judenboykotte erfolgen in der Hansestadt Wismar.

31. März 1877 Wismarer Petition für den Erhalt der hiesigen Garnison.

31. März 1961 Fünf junge Ruderer aus Wismar kentern mit ihrem Boot am Karfreitag auf der Wismar-Bucht und ertrinken. Sie sind in einem Gemeinschaftsgrab auf dem Wismarer Friedhof beigesetzt.

Detlef Schmidt

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