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Wismar 34000 Euro für kleine Patienten
Mecklenburg Wismar 34000 Euro für kleine Patienten
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23:59 27.04.2018
Chefarzt Volker Klimpel, Oberärztin Meike Holbe, Stefan Schröder, Susann Wiedemann mit Carl und Schwester Ute freuen sich über die 17000 Euro, mit denen unter anderem die Kinderstation im Sana-Klinikum noch schöner gestaltet werden soll. Quelle: Nicole Buchmann
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Wismar

„Wow – sieht das hier jetzt schön aus!“ Susann Wiedemann und Stefan Schröder betreten die Kinderstation im Sana-Klinikum in Wismar. In der Babyschale schaukelt der kleine Carl. Gnietscht an seinem Nuckel. Zum Glück.Dass Carl einen schweren Start ins Leben hatte, ist Anlass für seine Eltern, die Kinder- und Jugendmedizin zu unterstützen. Sie organisieren einen Benefizlauf, der viele Menschen aus Wismar und Umgebung in die Laufschuhe holt.

Rund um die Uhr sieben Tage lang sind etwa 2000 Wismarer für den guten Zweck gelaufen. Die Spendensumme beträgt am Ende 39000 Euro.

Der 24-Stunden-7-Tage-Lauf im PSV-Stadion im März dieses Jahres mit rund 2000 Läufern bringt insgesamt 39000 Euro ein. Auch, weil es Sponsoren gab, die – ohne zu laufen – Geld spenden für diesen Zweck. Weil es Wismarer gab wie Holger Voss, der am Ende den Betrag mit mehreren hundert Euro rund gemacht hat.Die Sportlehrer Katja und Andreas Marin klinken sich ein, mobilisieren die Mädchen und Jungen des Geschwister-Scholl- und des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums, erarbeiten extra Stundenpläne – nur damit ein lückenloser 24-Stunden-Lauf möglich werden kann. 10000 Euro erlaufen allein die Gymnasiasten. Die eine Hälfte nutzen sie für den Kanu-Anleger, den die Schulen gemeinsam planen, die andere spenden sie Carls Eltern.

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Die überreichen nun einen Scheck an den Förderverein für Kinder- und Jugendmedizin Wismar – über 17000 Euro. „Hätte unser Kinderarzt uns nicht während der Laufwoche erzählt, dass ein Teil des Geldes auch in Wismar bleiben kann, wären die 34000 Euro wohl komplett nach Schwerin gegangen“, sagt Susann Wiedemann. Dort freut sich die Palliativstation nun über die ebenso großzügige Spende.In Wismar ist Volker Klimpel nahezu überwältigt. „Grandios. So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt der Chefarzt der Kinderstation. Zwar sei der erste Teil der Station inzwischen umgebaut, geplant würden aber immer nur Maßnahmen wie Brandschutz, wohin die Türen kommen oder wo die Notausgänge sind. „Wie eine solche Station kindgerecht wird, dafür ist oft kein Geld da.“

Den kleinen und großen Patienten auf der Station den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen, unter anderem dafür setzt sich der Förderverein für Kinder- und Jugendmedizin seit fünf Jahren ein. „Alles, was medizinisch notwendig ist, stellt die Klinik“, sagt Oberärztin Meike Holbe. Doch wenn ein Kind krank sei, sei das eine Ausnahmesituation – sowohl für die Eltern als auch für das Kind. „Um den Aufenthalt zu erleichtern, wollen wir deshalb die Kinder- und Jugendstation ein wenig netter gestalten.“Holbe ist – wie viele aktuelle und ehemalige – Mitarbeiter und Eltern kleiner Patienten der Station Mitglied im Förderverein für Kinder- und Jugendmedizin. Nach der Sanierung des ersten Bauabschnitts sorgte der Verein beispielsweise dafür, dass Seerobbe, Pinguin oder Papageientaucher Wände und Böden verschönern, dass im Warteraum Spielzeug ablenkt oder ein Kinderwagen bereitsteht für eine kleine Ausfahrt auf dem Klinikgelände.

Dass die Ansprüche der Patienten nicht immer mit dem Klinikalltag in Einklang zu bringen sind, wissen Ärzte und Schwestern. „Aber die moralische Unterstützung ist mindestens so wichtig wie das Geld“, sagt Klinik-Geschäftsführer Michael Jürgensen. Vor allem die Jugendlichen seien die, die allein sind. „Wir denken deshalb auch darüber nach, Tablets anzuschaffen – für die Unterrichtsunterstützung.“ Und auch eine Spielkonsole könnte den Älteren den Aufenthalt erleichtern. „Wenn dann noch jemand vorbeikommt zum Zocken, wäre das genial“, sagt Jürgensen.

Durchschnittlich 1,4 Tage verbringen Kinder und Jugendliche auf der Station im Sana-Klinikum. Die Kinder- und Jugendmedizin sei zwar extrem ambulantisiert, aber für die Eltern sei es wichtig zu wissen, „dass im Notfall 24 Stunden am Tag jemand für sie da ist“, sagt Oberärztin Holbe.Dabei hatten sich Carls Eltern zunächst schwergetan, während des Laufes mit dem Förderverein einen weiteren Spendenzweck hinzuzufügen. „Wir haben mit uns gerungen und uns gefragt, ob es für all die Läufer in Ordnung wäre“, erzählt Stefan Schröder. Doch die Rückmeldungen seien durchweg positiv gewesen.

Schröders Dank an Läufer, Sponsoren und Helfer ist groß. „Wenn wir 5000 Euro zusammenbekommen, wäre das eine tolle Sache“, hatten Carls Eltern noch vor dem Startschuss gedacht. Dass sie eine ganze Stadt bewegen können, haben sie dann erlebt. Und das lässt sich vielleicht wiederholen – wenn es im Jahr 2020 wieder heißt: Sieben Tage 24 Stunden lang laufen für den guten Zweck.

Nicole Buchmann

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