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Wismar 60 Jahre lang Uhr am Gutshaus betreut
Mecklenburg Wismar 60 Jahre lang Uhr am Gutshaus betreut
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16:08 28.03.2019
Übergabe des Uhren-Dienstes: Werner Steiner (65/l.) und Emil Stark (88) vor dem grauen Uhrenkasten unter dem Dach des Gutshaues in Groß Stieten. Quelle: Haike Werfel
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Groß Stieten

 60 Jahre lang hat Emil Stark die Uhr am Gutshaus Groß Stieten aufgezogen, damit sie die Zeit anzeigt und alle halbe Stunde schlägt. Jetzt gibt der 88-Jährige den Schlüssel in die Hände von Werner Steiner. Bürgermeister Steffen Woitkowitz dankte dem Senior für seinen zuverlässigen Dienst: „Sechs Jahrzehnte lang wussten die Groß Stietener immer, wie spät es ist.“

Die Uhr am Gutshaus in Groß Stieten muss per Hand aufgezogen werden.

Zwei Kilometer weit können die Dorfbewohner die Uhr schlagen hören – wenn der Wind aus Osten kommt. Nur im vergangenen Jahr war sie für drei Monate ganz verstummt. „Es hatte einen Eigentümerwechsel gegeben“, berichtet der Bürgermeister. Das Gutshaus mit fünf Mietwohnungen gehört nun einer Immobiliengesellschaft. „Da mussten wir uns erstmal wieder den Schlüssel besorgen.“

Job mit 28 Jahren übernommen

Seit Emil Stark 1958 mit seiner Frau ins Gutshaus zog, kümmerte er sich um die Uhr. „Das hat sich so ergeben“, meint er. „Wir hatten geheiratet und bekamen hier eine Wohnung im Obergeschoss. Drei Familien mussten sich eine Toilette unterm Dach teilen“, erzählt er. „Im Winter ließen wir das Wasser laufen, damit es nicht einfror.“ Einmal in der Woche stieg Emil Stark in die kleine Abseite unter dem Dach, um die Uhr mit einer Kurbel aufzuziehen. Zwei Gewichte hängen im Flur vor der Abseite, sie sind durch ein Stahlseil mit der Uhr verbunden.

Im Uhrenkasten befindet sich linkerhand das Läutwerk. Damit wird festlegt, wie oft die Uhr schlägt. Auf der rechten Seite ist der Zeitmesser eingebaut. „Ist am Zahnrad nur ein Zahn verstellt, dann schlägt die Uhr zur halben Stunde, als ob es die volle wäre“, erläutert Werner Steiner.

42 Stufen bis zum Uhrenkasten

Die Eheleute Stark erhielten 1962 eine Wohnung mit Ofenheizung in einem der Neubaublocks im Dorf. Von dort fuhr nun der Uhren-Betreuer regelmäßig zum Gutshaus und stieg die 42 Stufen hinauf. Und wenn die Familie in den Urlaub fuhr? „Dann blieb die Uhr stehen“, sagt der Senior und grinst verschmitzt.

Nur einmal in all den Jahren war eine Reparatur an der Uhr nötig. „Eine von den beiden Stahlfedern war gebrochen“, berichtet Emil Stark. Das Zifferblatt und das Türmchen auf dem Dach seien allerdings auch schon repariert worden.

Noch heute fährt Emil Stark Auto. Bevor er seine Freundin in Bad Kleinen besucht, hielt er am Gutshaus an, um die Uhr aufzuziehen. Meist am Freitag. Aber das Treppensteigen fällt ihm schwer. „Die Luft wird knapp“, sagt der 88-Jährige. Deshalb gibt er den Uhren-Dienst an Werner Steiner ab.

Eine Stube voller Uhren

Beide kennen sich aus dem Blasorchester Dorf Mecklenburg. Emil Stark spielt Klarinette, Werner Steiner ist Posaunist. Die Männer sind beide weder Uhrmacher oder kennen sich besonders mit Uhren aus. Emil Stark sammelt welche. „Ich habe zu Hause eine ganze Stube voller Uhren“, verrät er.

Beruflich war er, der 1946 aus der heutigen Slowakei nach Groß Stieten kam, 24 Jahre als Kraftfahrer tätig. Zuletzt lenkte er einen Bus. Nach einem Unfall hat er den Job aufgegeben. „Da hat jemand auf den Bus geschossen, als ich mit Kindern auf dem Weg zum Kap Arkona war“, erzählt er und kämpft noch heute mit den Tränen, wenn er über das Geschehene spricht. Danach arbeitete er als Hausmeister im Lehrlingswohnheim des ehemaligen Gutes Groß Stieten. Werner Steiner ist Schlosser von Beruf. Das Ritual, freitags die Uhr am Gutshaus aufzuziehen, will der 65-Jährige beibehalten, sagt er.

Haike Werfel

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