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Wismar Am 3. 12.1910 wurde Wismars erster Hochschul-Neubau übergeben
Mecklenburg Wismar Am 3. 12.1910 wurde Wismars erster Hochschul-Neubau übergeben
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10:00 03.12.2019
Elektrotechnisches Labor im Laboratorium Baumweg der Ingenieur-Akademie 1910/1911 Quelle: Archiv der Hansestadt Wismar
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Wismar

Touristen bleibt es eher verborgen, obwohl das Gebäude vom historischen Altstadtbereich keine 500 Meter entfernt ist. Selbst Einheimische danach zu fragen, macht mittlerweile kaum noch Sinn. Das Gebäude ist bei vielen einfach nicht mehr präsent. Dabei handelt es sich um ein Baudenkmal voller Geschichte und immerhin um den allerersten Neubau in der Wismarer Hochschulgeschichte seit 1908. Die Rede ist vom „Laboratorium, Baumweg 3“ – so lautet der Eintrag in der Wismarer Denkmalliste. Einst für die Ingenieur-Akademie Wismar errichtet, sind das Gebäude sowie spätere Bauten im Bereich Baumweg auch heute noch in der Nutzung der Hochschule. Der Akademiegründer von 1908, der Architekt Robert Schmidt, plante an dieser Stelle einen eigenständigen Akademie-Campus an der Ecke Schweriner Straße und Klußer Damm. Der erste Neubau dafür sollte ein dringend benötigtes Laboratorium sein.

Viele Laborübungen standen auf dem Lehrplan

Ansichtskarte vom Laboratorium Wismar von ca. 1910/1911 Quelle: aus Privatsammlung Karsten Witting, Wismar

Für den Maschinenbau und besonders für die damals jüngste ingenieurtechnische Sparte, die Elektrotechnik, wies der Studienplan einen hohen Anteil von sogenannten Laborübungen aus. Aber auch die Studenten aller anderen Fachabteilungen der Akademie hatten sich mindestens mit den Grundlagen zur Elektrotechnik zu beschäftigen. Um dafür zeitgemäße studien- und gerätetechnische Rahmenbedingungen zu schaffen, musste ein spezielles Gebäude her - ein Laboratorium.

Ein Laboratorium mit zwei Laboren

Entworfen wurden zwei eigenständige, lichtdurchflutete und stützenfreie Laborsäle zu je 156 Quadratmeter, die an einen zweietagigen Mittelbau mit großen Fenstern für Hör- und Zeichensaal andocken. Im geplanten Campus stellte das Laboratorium mit dem Baumweg die südöstliche Begrenzung dar.

Die Errichtung eines Laboratoriums hatte sich Schmidt bereits im Vertrag mit der Stadt 1908 zusichern lassen. Im Frühjahr 1910 begannen am Baumweg die Arbeiten. Selbst unterschiedliche Quellen verweisen übereinstimmend auf eine äußerst kurze Bauzeit mit einer Teileröffnung eines zunächst ersten Bauabschnitts schon Ende des Jahres 1910. Nur wie diese konkret aussah, war bislang widersprüchlich. Hartnäckig hielt sich bis heute die Aussage, der Maschinenbau hätte 1910 als erste Abteilung hier seine Tätigkeit aufgenommen. Vor Ort fühlt man sich in dieser Aussage vermeintlich schnell bestätigt, wenn man das Maschinentechnischen Labor zum Mittelbau verlässt. Man durchschreitet dabei die auch heute noch originale Tür mit einer laborseitigen Putzinschrift von 1910 im Türbogen.

Eine Feldpostkarte von 1915 bringt Klarheit

Im „Wismar Kalender mit historischen Bildern“ findet sich ein frühes Foto vom Laboratorium. Der in Wismar stationierte Füsilier August Puls hatte diese ursprüngliche Ansichtskarte am 29. April 1915 per Feldpost nach Hamburg versandt. Mit Blick vom Baumweg wird das Laboratorium nach dem zunächst ersten Bauabschnitt zum Zeitpunkt 1910/1911 gezeigt. Rechts ist der zweistöckige Mittelbau und den ersten, linken Laborflügel. Aber gemäß den Chronikaussagen hätte es der rechte sein müssen, wenn vom Maschinentechnischen Labor gesprochen wird. Im Stadtarchiv Wismar findet sich ein altes Foto mit der Innenansicht von einem der Laborsäle. Die Aufnahme vom Wismarer Fotografen Ferdinand Hahn (1878-1968) entstand als ein Auftragswerk zur Bebilderung einer Broschüre zur Studienwerbung der Ingenieurakademie von 1911.

Der Laborsaal präsentiert sich in der Ausstattung recht spartanisch und verweist auf ausschließlich elektrotechnische Experimente. In den Regalen im Hintergrund diverse Baumuster mit rein elektrotechnischem Bezug. Zu sehen ist definitiv das Elektrotechnische Labor.

Türbogeninschrift von 1910 über Laborinnentür des Maschinentechnischen Labors Quelle: Doreen Piper, Archiv der Hansestadt Wismar

Die Putzinschrift von 1910 findet sich ein weiteres Mal, und zwar über der im sehr ähnlichen Design gehaltenen Außentür am Giebel des Maschinentechnischen Laborflügels. Dort mit der Jahreszahl 1913. Zum Zeitpunkt 1910 war die heutige Innentür noch eine Außentür am Mittelbau und wurde erst später der Zugang zum zweiten, 1913 vollendeten Maschinentechnischen Labor.

109 Jahre experimenteller Laborbetrieb in Wismar  

Damit ist der 3. Dezember 1910 als Eröffnungsdatum des ersten Labors der Akademie am Baumweg durch die Abteilung Elektrotechnik gesichert. Ab 1913 folgte die Abteilung Maschinenbau mit dem Maschinentechnischen Labor. Endlich konnte Robert Schmidt die Werbung für seine Akademie entsprechend aufwerten.

Ab 1913 wirkten zwei historisch eng verbundene Fachbereiche gemeinsam in dieser modernen Experimentierbasis. Sicher auch ein Grund, weshalb über viele Jahre die Elektrotechnik und der Maschinenbau die meisten Absolventen der Wismarer Ingenieur-Akademie hervorbrachten,

Elektrotechnik-Absolventen begehrt in Berliner Großbetrieben

Engagierte Dozenten wie der Leiter der Elektrotechnik der 20/30er Jahre Dr.-Ing. Kurt Heinrich sorgten mit Unterstützung von Industriepartnern für moderne Gerätschaften und eine solide Qualität in der experimentellen Ausbildung bei großer Praxisverbundenheit. Experimente und kleine Forschungsaufgaben zur drahtlosen Kommunikation (Funktechnik) sicherte Dr. Heinrich mit seinem 1922 im Laboratorium etablierten Elektrotechnischen Institut ab, was wohl als erstes An-Institut gelten dürfte. Hier war auch einer der ersten Versuchsfunkstationen Deutschlands installiert. Wismars Absolventen hatten ausgangs der 1920er Jahre einen guten Ruf. In Berliner Großbetrieben wie Siemens, AEG und Osram führte das sogar zu einer bevorzugten Berücksichtigung ihrer Bewerbungen.

Anzeige in politischer Satire-Wochenzeitschrift „Kladderadatsch“ um 1915 Quelle: Ingenieur-Akademie Wismar wirbt mit den neuen Laboren

Die Eröffnung des Laboratoriums am Baumweg 1910 jährt sich im nächsten Jahr zum 110. Mal. Das ist gleichzeitig 110 Jahre experimenteller Laborbetrieb der Wismarer Hochschul-Elektrotechnik in Lehre und Forschung. Das ist ein guter Grund für den Bereich Elektrotechnik & Informatik der Hochschule gebührend daran zu erinnern und eine tolle Möglichkeit, das fast vergessene „Laboratorium (am) Baumweg“, dem ersten Hochschul-Neubau in Wismar überhaupt, aus seinem unverdienten Dornröschenschlaf zu holen und uns allen wieder ins Bewusstsein zu rufen.

Mehr Infos:

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