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Wismar Angriff auf Syrer: Wismarer bleibt in Haft
Mecklenburg Wismar Angriff auf Syrer: Wismarer bleibt in Haft
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19:07 01.03.2019
Am Amtsgericht in Wismar läuft ein Prozess gegen einen 27-Jährigen, der einen Syrer angegriffen haben soll. Quelle: Michael Prochnow
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Wismar

Der Prozess gegen einen 27-jährigen Wismarer, der am 29. August vergangenen Jahres einen jungen Syrer in einem Park am Friedenshof verprügelt haben soll, wurde am Freitag im Amtsgericht fortgesetzt. Philipp H. ist wegen vorsätzlicher Körperverletzung angeklagt. Laut Ermittlungsbehörden soll der Syrer mit Eisenkette und Schlagring verletzt worden sein. Der Übergriff hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht.

Das Schöffengericht um den Vorsitzenden Richter Michael Bauer hörte am Freitag weitere Zeugen. Sie sollten helfen, den Verlauf des Abends zu klären. Der 21-jährige Syrer hatte am ersten Verhandlungstag von drei Männern gesprochen, die ihn überfallen hätten. Bislang gibt es nur einen Beschuldigten: Philipp H. Der junge Mann, der mit Hand- und Fußfesseln in den Gerichtssaal geführt wird, bestreitet die Tat. Er gibt an, selbst Opfer eines Übergriffs geworden zu sein.

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Mehrere Zeugen aus der Käthe-Kollwitz-Promenade schildern, zwei Männer gehört beziehungsweise gesehen zu haben. Einer habe den anderen geschubst. Dabei soll er gesagt haben: „Ich bring dich um. Fass mich nicht an. Willst du sterben?“ Später hat eine Zeugin unter ihrem Balkon diesen Schubsenden wimmern, stöhnen und vor Schmerz schreien gehört. Es soll Philipp H. gewesen sein.

Eine Radfahrerin, die mit ihrem Mann an dem Abend auf dem Nachhauseweg nach Dammhusen war, erkennt den Angeklagten wieder. „Er hat uns um Hilfe gebeten. Er sagte, er sei von dem anderen geschlagen worden“, berichtet sie. Der andere, ein junger Ausländer, ist jener Syrer, der in dem Prozess als Nebenkläger auftritt. „Er telefonierte, als wir bei den beiden ankamen und bestritt, den Wismarer geschlagen zu haben“, sagt die Zeugin aus. Und erzählt, Philipp H. hätte sie und ihren Mann gebeten, den Ausländer nach Hause zu begleiten. Er hätte mit seinen Freunden telefoniert, die würden sonst kommen und ihn totschlagen. Die Hilfe der Eheleute, 59 und 49 Jahre, wollte er aufgrund ihres Alters doch nicht annehmen.

Auch die beste Freundin und die ehemalige Verlobte von Philipp H. sagen aus. Letztere hat mit ihm und einem Bekannten am besagten Abend eine Flasche Alkohol getrunken. Mit der Freundin wollte sich der Angeklagte treffen, er kam aber nicht. Sie hört von seinen Verletzungen, die er am Kopf, Hals, Rücken und an den Rippen erlitten haben soll. Die bestätigt auch seine frühere Verlobte. Sie hat ihn an dem Abend zwei Stunden lang gesucht und bewusstlos in einem Gebüsch gefunden. Während der Suche stand sie im Kontakt mit der Polizei. Die erhielt an dem Abend mehrerer Notrufe von Zeugen des Übergriffs. Um 22.19 Uhr traf ein Streifenwagen an der Käthe-Kollwitz-Promenade ein. Beamte suchten den Park ab. Später fanden sie den verletzten Syrer in der Erich-Weinert-Promenade.

Ein Polizeibeamter aus der Tatnacht sowie eine Beamtin vom Staatsschutz Schwerin sind ebenfalls geladen. Sie müssen sich fragen lassen, warum der syrische Geschädigte den mutmaßlichen Täter nicht beschreiben musste. Stattdessen wurde ihm ein Foto von Philipp H. gezeigt. „Ich weiß jetzt nicht, ob der Zeuge den Täter oder das Bild wiedererkannt hat“, kritisiert Bauer. Zudem moniert er, dass nicht ermittelt wurde, woher der Angeklagte seine Verletzungen hat. Die Schweriner Beamtin schweigt zu vielen Fragen, sodass selbst die Nebenklagevertreterin feststellt: „Sie sind sehr verhalten.“

Aufgrund von weiteren „Widersprüchen im Verfahren“ – ein Zeuge soll von den Ermittlern vorab über metallische Geräusche informiert worden sein und der syrische Geschädigte hat ausgesagt, dass nicht Philipp H. ihn in den Schwitzkasten genommen hat – beantragt sein Verteidiger, den Haftbefehl gegen ihn aufzuheben. Das lehnte das Schöffengericht ab. Es geht zwar gegenwärtig nicht mehr davon aus, dass mit „Waffen oder gefährlichen Werkzeugen“ auf den jungen Syrer eingewirkt wurde. Aber ein weiterer, bisher unbekannt gebliebener Mittäter könnte den Geschädigten verletzt haben.

Haike Werfel

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