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Wismar Angriff auf Syrer: Wismarer muss zwei Jahre und sechs Monate in Haft
Mecklenburg Wismar Angriff auf Syrer: Wismarer muss zwei Jahre und sechs Monate in Haft
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19:21 26.03.2019
Hier werden dem 27-jährigen Wismarer Philipp H. Handschellen angelegt. Quelle: Haike Werfel
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Wismar

Zwei Jahre und sechs Monate Haft wegen gefährlicher Körperverletzung – so lautet das Urteil, das am Dienstagnachmittag gegen den 27-jährigen Wismarer Philipp H. verhängt wurde. Das Schöffengericht sah es als erwiesen an, dass er am 29. August vergangenen Jahres einen jungen Syrer in einem Park am Friedenshof brutal geschlagen haben soll. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von zwei Jahren und sieben Monate gefordert, der Verteidiger Freispruch. Philipp H. hat die Tat bis zuletzt bestritten und stattdessen behauptet, selbst Opfer eines Übergriffs geworden zu sein. In der Hauptverhandlung schwieg er bis kurz vor Schluss. Er nutzte das letzte Wort, das ihm als Angeklagter zusteht: „Ich bin von mehreren Leuten angegriffen worden und habe mich verteidigt“, sagte H. Danach könne er sich an nichts mehr erinnern.

Philipp H. seit August in U-Haft

Seit Ende August vergangenen Jahres saß der Wismarer in U-Haft. Die Tat hatte bundesweit Aufmerksamkeit erregt, weil sie sich zwei Tage nach den rechten Ausschreitungen von Chemnitz ereignete und das Opfer angab, mit einer Eisenkette geschlagen worden zu sein. Die Polizei setzte eine Sonderkommission ein, Innenminister Lorenz Caffier (CDU) verurteilte die Tat. Aus Sicht der Anklage soll der Angeklagte mindestens einen Mittäter gehabt haben, der bisher aber unbekannt geblieben ist. Der Verteidiger des Angeklagten warf dem Opfer Lügen vor. Es sei nicht erwiesen, dass der Syrer von mehreren Leuten angegriffen und mit einer Eisenkette geschlagen wurde. Laut medizinischem Gutachten hatte das inzwischen 21-jährige Opfer mehrere schwere Prellungen erlitten, die mit Fäusten oder einem Gegenstand hervorgerufen wurden.

Tat war „äußerst brutal“

Diese Tat sei von „äußerstes Brutalität“ gewesen, das schlage sich auch in dem Strafmaß nieder, erklärte der Vorsitzende Richter Michael Bauer in der Urteilsverkündung. Der junge Syrer leide bis heute unter den Folgen, traue sich nicht aus dem Haus und müsse sich noch einer Nasen-OP unterziehen. Als Motiv sieht das Gericht Ausländerhass als logische Verquickung mit den Ausschreitungen zwei Tage zuvor in Chemnitz, die große Medienpräsenz hatten. „Wie findest du das, was deine Leute meinen angetan haben?“, hatte eine Zeugin vernommen. Ob der Angeklagte der Haupttäter oder ein Mittäter ist, kann im Verfahren nicht geklärt werden. Das Gericht habe laut Bauer keine Zweifel daran, dass es mindestens einen weiteren Täter gab, der unbekannt geblieben ist.

Übereinstimmende Zeugenaussagen

Richter Bauer führte übereinstimmende Zeugenaussagen an, die das Schöffengericht von der Schuld des Angeklagten überzeugt haben. Denn das Problem im Verfahren sei gewesen, dass es zwei Darstellungen gegeben habe, die nicht zueinander passten: die des Angeklagten und die des syrischen Opfers. Die meisten Zeugen haben von einer Auseinandersetzung von zwei Männern – einem Deutschen und einem Ausländer – berichtet. Der Angeklagte hatte behauptet, von mehreren Ausländern angegriffen worden zu sein. Den Deutschen schilderten die Zeugen „beleidigend und aggressiv“, der Ausländer habe sich ruhig verhalten. „Allerdings glauben wir nicht, dass sich der Geschädigte nicht gewehrt hat“, erklärte der Richter. Deshalb habe auch Philipp H. Verletzungen davongetragen, die der Gutachter als mittelschwer bis leicht bewertete.

Aussagen des Syrers zum Teil nicht wahr

Auch die Darstellung des syrischen Opfers stimmt nach Auffassung des Gerichts in Teilen nicht. Der junge Mann hatte ebenfalls von mehreren Deutschen gesprochen, die ihn mit einer Eisenkette geschlagen und am Boden liegend getreten haben sollen. Zudem brach ein „wesentliches Beweismittel“ der Anklage zusammen: Der Geschädigte hatte den Angeklagten als Täter identifiziert, nachdem ihm ein Polizeibeamter in der Tatnacht ein einziges Foto gezeigt hatte: das von Philipp H. Es hätten mehrere Fotos von jungen Männern sein müssen, räumte der Staatsanwalt den Fehler der Ermittler ein.

Er wie auch das Gericht widersprachen dem Vorwurf des Verteidigers von Philipp H., die Polizei habe voreingenommen und einseitig ermittelt.

Noch Strafen aus dem Vorjahr

Aufgrund seiner zahlreichen Vorstrafen, die immer wieder auch mit Gewalt zu tun hatten, sowie der Tatsache, dass Philipp H. Bewährungsversager ist, seien deutliche Sanktionen notwendig. Das Gericht hielt zwei Jahre und zwei Monate Freiheitsstrafe für tat- und schuldangemessen. Da der 27-Jährige noch zwei Strafen aus dem Vorjahr – verhängt vom Amtsgericht Lübeck beziehungsweise vom Amtsgericht Wismar – zu verbüßen hat, muss er nun für insgesamt zwei Jahre und sechs Monate in Haft.

Haike Werfel

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