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Wismar Auf den Spuren bekannter Namen
Mecklenburg Wismar Auf den Spuren bekannter Namen
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18:00 25.02.2018
Am Gästeführertag zeigten Wismars Stadtführer, hier Dietmar Hantke mit Elke und Rolf Jeske aus Hohen Viecheln, den Besuchern vor allem Orte, die mit berühmten Persönlichkeiten verbunden sind. Das reichte von Klaus Störtebeker bis zu Rudolf Karstadt. Allerdings kamen beim dem Schnee nur wenige Besucher. Quelle: Sylvia Kartheuser
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Wismar

Der Schnee fällt in dicken Flocken. Gästeführer Dietmar Hantke (60) schaut aus der Tür des Welterbehauses: „Na, ob da jemand kommt?“ Er hat die Führung durch Wismar um 11 Uhr und bis jetzt hat sich niemand gemeldet. Dabei sind die einstündigen Stadtführungen an diesem Sonntag, dem Gästeführertag, kostenlos. Kurz vor elf geht die Tür auf, ein Paar tritt vorsichtig ein. „Sind wir zu spät? Wir haben in der Zeitung davon gelesen und dachten, das ist eine gute Gelegenheit, Wismar etwas besser kennenzulernen“, sagt Rolf Jeske. Er und seine Frau Elke sind erst im vergangenen Jahr von Buxtehude nach Hohen Viecheln gezogen. Die beiden Zugezogenen bleiben die einzigen Gäste auf dem Rundgang. „Ach“, sagt Dietmar Hantke, „ich bin auch schon mit einem losgezogen.“

Hauptmann von Köpenick und Rudolf Karstadt

Vom Welterbehaus geht es ein paar Schritte, dann ist eine Tafel mit einem bekannten Namen erreicht: Wilhelm Voigt. Als Schuster hat er in Wismar gearbeitet, als Hauptmann von Köpenick ist er weltberühmt geworden. Weiter kämpft sich das Trio durch den Schnee bis zu Rudolf Karstadt und dem Stammhaus des Kaufhauskonzerns. Am Markt weist Dietmar Hantke gleich auf vier Persönlichkeiten hin: den Schweden-General Helmuth von Wrangel, der 1647 die Uhr für die Marienkirche spendete, an den Verleger Heinrich Hinstorff und seinen bekanntesten Autor Fritz Reuter und an Klaus Störtebeker.Er war 1380 von zwei Leuten zusammengeschlagen worden und hatte das angezeigt. So steht es im „Verfestungsbuch“, einem Buch, in dem alle juristischen Vorgänge aus dem 14. Jahrhundert enthalten sind. Die Schläger mussten die Stadt verlassen.

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Mit Hehlerware erwischt

Auch der Name von Störtebekers bestem Kumpel Gödeke Michels steht im „Verfestungsbuch“. „Er wurde verhaftet, weil er in Wismar Hehlerware verkaufen wollte“, berichtet Micha Glockemann. Der 59-jährige Stadtführer braucht an diesem Sonntag nicht auf die Straße. Er hat den Ablauf der kostenlosen Stadtführungen organisiert. Außerdem muss er sich um den Glühwein kümmern, der nach den Rundgängen an die durchgefrorenen Gäste ausgeschenkt wird. Dietmar Hantke ist mit Elke und Rolf Jeske weiter durch den südlichen Bereich der Altstadt gezogen. Das Ehepaar genießt die individuelle Betreuung. „Das ist doch mal was anderes als in einer Gruppe von 40 Leuten oder mehr“, sagt Rolf Jeske und zieht die Mütze ein bisschen tiefer ins Gesicht.Auch wenn die Beteiligung am Sonntag eher niedrig war, die Stadtführungen durch Wismar werden immer beliebter. Nach Angaben der Stadt lernten im vergangenen Jahr 35995 Besucher die Hansestadt unter sachkundiger Führung kennen.

Kartheuser Sylvia