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Wismar Auf ein Feierabendbierchen ins Schabbell
Mecklenburg Wismar Auf ein Feierabendbierchen ins Schabbell
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00:00 17.09.2018
Historiker Maximilian Marotz (r.) führte die Gäste auf den Spuren des Wismarer Biers durch das Schabbell. FOTOS (2): NICOLE HOLLATZ
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Wismar

Ein Museumsbesuch mit Promille und Potenzial: Die erste „After-Work-Führung“ (Feierabend-Führung) fand am Freitagabend im Schabbell statt. Gut 40 Gäste folgten dem Historiker Maximilian Marotz und damit der Geschichte des Wismarer Bieres und des Braumeisters Hinrich Schabbell durch das Stadtgeschichtliche Museum – nicht nur, weil am Ende des Rundgangs das ein oder andere Glas der Wismarer Mumme lockte.

Historiker Maximilian Marotz führt Gäste auf den Spuren des Wismarer Biers durch das Stadtgeschichtliche Museum

„Eigentlich hatte das Haus kein Braurecht“, erzählte der Historiker seinen Gästen in der Diele. Aber im Nachbarhaus durfte gebraut werden, also heiratete Schabbell in zweiter Ehe die Nachbarstochter Anna Dargun. Im Museumskomplex sind diese Häuser inzwischen wieder vereint, zahlreiche Ausstellungsstücke erzählen von der einstigen Bedeutung des Bieres in der Hansestadt. Hölzerne Bierbecher, Stangengläser für die Wismarer Oberschicht, Fässer als Transportmittel nicht nur für Bier, Alltagskrüge und kunstvoll verzierte Zeremoniengefäße – die Gäste staunten über diese „bierfokussierte“

Feierabend-Führung.

„Um 1500 hatte Wismar 5000 Einwohner und 187 Braumeister“, erzählte Maximilian Marotz. 182 Menschen hatten einen Hopfengarten vor den Toren der Stadt. „Also hatte jeder fünfte Wismarer etwas mit der Herstellung von Bier zu tun.“ Die Brauherren gehörten zu den 10 bis 15 oberen Prozent der Bevölkerung. „Brauen war damals ein Handwerk, aber die, die sich damit die Finger schmutzig machten, waren nicht die, die damit reich wurden.“

Und Bier war ein Alltagsgetränk. „Kaffee gab es nicht, Tee gab es nicht. Wein konnte man sich nicht leisten. Wenn man also nicht das Wasser aus der Frischen Grube trinken wollte, die absurderweise Frische Grube heißt, musste man sich was einfallen lassen“, ließ Maximilian Marotz seine Gäste lachen. Durch das Aufkochen und die alkoholische Gärung wurde auch das Brunnenwasser desinfiziert, mehr Hopfen lässt auch das verunreinigte Wasser besser schmecken. „So hatte das Wismarer Bier mehr Stammwürze und mehr Alkohol als andere Biere, es hielt sich länger“, erklärte der Historiker. Und es schmeckte besser, wurde zum Exportschlager Wismars und trug zum Wohlstand der Stadt bei.

Aber durch Belagerungen, Kriege und Hungersnöte ging das Brauhandwerk in Wismar immer weiter zurück. 1670 gab es nur noch 93 Braumeister, 1750 nur noch 30, im 19. Jahrhundert nur noch sechs. Nun könnten es fast mehr sein! Neben der letzten Wismarer Brauerei, dem Brauhaus am Lohberg, gibt es einige Wismarer, die privat im eigenen Garten und Keller ihr Wismarer Bier herstellen.

Die „Wismarer Mumme“ bot den Gästen der „After-Work-Führung“ den passenden Abschluss. Im Gewölbekeller des Museums ließen sie sich das vom Brauhaus gesponserte Bier schmecken. „Das war ein kurzweiliger Vortrag und dem Freitagabend angemessen“, kommentierte Volker Köhler.

Weitere Veranstaltungen

Das Schabbell probiert mit verschiedenen Veranstaltungen ungewöhnliche Formate für einen Museumsbesuch aus. Bei der Reihe „Kunst zum Frühstück“ geht es das nächste Mal am 23. September ab 10 Uhr mit Kaffee und Sekt um die Künstlerin Sella Hasse, die lange in Wismar lebte. Voranmeldungen werden erbeten. Zum Tag der Deutschen Einheit gibt es am 3. Oktober um 11 Uhr die Sonderführung „Was hat der Aal zwischen den Münzen zu suchen?“. Die nächste „After-Work-Führung“ gibt es am 31. Oktober um 18.30 Uhr zum Thema „Vom Mittelalter zur Renaissance. Ausgewählte Stationen zur Reformation in Wismar“.

Nicole Hollatz

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