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Wismar Auto kaputt: Wismarer Familie von Soldaten gerettet
Mecklenburg Wismar Auto kaputt: Wismarer Familie von Soldaten gerettet
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12:11 30.12.2018
Wie auf diesem Bild aus der Nähe von Stralsund ist auch die Wismarer Familie mit einem Trabant unterwegs. Die Schneemassen werden immer höher. Quelle: Hartmut Klonowski
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Wismar

„So einen Winter gibt es wahrscheinlich nur alle 100 Jahre“, schreibt Andreas Borchmann in einer Mail an die OSTSEE-ZEITUNG. Er ist damals 16 Jahre alt und kann sich noch gut an die Schneemassen erinnern. Die hatte sich der Wismarer mit seinen Eltern und seiner Schwester in Thüringen erhofft. Mit dem Trabbi sind sie dorthin in den Urlaub gefahren. „Wo wir fast kein Schnee hatten, und ich mir leider den Arm brach“, berichtet Andreas Borchmann.

Mutter und Schwester weinten

Wahrscheinlich am 17. Februar 1979 geht es zurück in die Heimat. „In Thüringen waren es noch sieben Grad plus, doch umso weiter nördlicher wir kamen, desto kälter wurde es.“ Warm angezogen seien sie im Trabant nicht gewesen, die Winterkleidung lag im Kofferraum. Im Radio verfolgt die Familie den Wetterbericht. Sie will es unbedingt nach Wismar schaffen, weil die Schule wieder losgeht. „Also gaben wir Gas, naja, was unser blauer Blitz so hergab“, erinnert sich Andreas Borchmann. Die Schneeberge seien immer höher und höher geworden. „Wir sahen keine Fahrspur mehr, sondern einfach nur eine weiße Wand, Schnee ohne Ende, die Sichtweite war etwa zehn Meter auf der Autobahn.“ Ganz alleine sind sie unterwegs, keine Menschenseele, kein Auto ist zu sehen. Das Benzin neigt sich dem Ende. „Wir schafften es zu einer Tankstelle, die leider geschlossen hatte“, erzählt Borchmann. Die Familie will die Wintersachen aus dem Kofferraum holen. Doch der ist zugefroren, die Eiseskälte macht allen zu schaffen: „Meine Mutter und Schwester weinten, es war eine Katastrophe.“

Die Schneemassen sorgten damals für spektakuläre Motive in ganz MV. Klicken Sie sich hier durch die Bildergalerie:

Der Vater geht los, um Hilfe zu holen. Er kommt nach etwa 20 Minuten wieder zurück – fast erfroren, sein Vollbart ist vereist. Der Trabbi ist fast eingeschneit, es herrscht ein eisiger Schnee-Sturm bei minus 20 Grad. „Unser Auto hatte den Geist aufgeben, wir waren total in Panik, dachten, wir müssen sterben“, berichtet Borchmann.

Glück gehabt, findet die Familie

Doch dann kommt die Rettung: russische Soldaten mit einem Lkw. „Wir verständigten uns, ich hatte ja Russisch in der Schule gelernt. Sie schleppten uns südlich von Schwerin in eine Werkstatt und wir übernachteten etwa fünf Tage in Güstrow in einer Schule. Dann konnte mein Vater den Trabbi abholen und wir endlich nach Hause fahren.“ Die Reise wird die Wismarer Familie nie vergessen: „Wir hatten noch mal Glück gehabt!“

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