Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wismar Weiter Bürgerprotest gegen Bahnprojekt nahe Gallentin
Mecklenburg Wismar Weiter Bürgerprotest gegen Bahnprojekt nahe Gallentin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:30 13.09.2019
Das Dorf Gallentin würde mit der geplanten Südkurve in einem Bahn-Dreieck liegen. Quelle: Foto: Peter Täufel
Anzeige
Gallentin

Der geplante Bau einer Bahnstrecke nahe Gallentin erhitzt weiter die Gemüter. Nachdem sich zuletzt die Bürgerinitiative Schallschutz Gallentin gegründet und Einwohner Klaus Hoffmann Einwände vorgebracht hatte, sollten nun beim Bauausschuss die Planer der Bahn zu Wort kommen. Auch den Kritikern wurde Redezeit bei der Sitzung in Gallentin eingeräumt. „Wenn hier eine Population von Feldhamstern leben würde, hätte man die bei so einem Bauprojekt schon längst umgesiedelt“, machte Klaus Hoffmeister seinem Unmut Luft. Wegen jedem Fledermaus- oder Eidechsenvorkommen würden Infrastrukturprojekte verändert oder gar gestoppt, nur auf die dort lebenden Menschen würde keine Rücksicht genommen, die müssten „jeden Dreck hinnehmen“, sagte der Diplom-Ingenieur im Ruhestand. Die Anwohner des Ortsteils waren so zahlreich erschienen, dass die Stühle nicht reichten.

Der Bauausschuss der Gemeindevertretung hatte das Thema „Neubauprojekt Südkurve bei Gallentin“ im Zusammenhang des Streckenausbaus SchwerinLübeck der Deutschen Bahn auf die Tagesordnung gesetzt und dazu Vertreter des Verkehrsunternehmens eingeladen.

Bürger und Initiative machen Ärger Luft

Zu Beginn bekannten sich Ralf Blank und Rainer Gehrke von der Bürgerinitiative zum Schulterschluss mit Klaus Hoffmeister und bekräftigten die Forderung nach einer alternativen Trassenführung. „Ich habe bei meinen Recherchen herausgefunden, dass der Planungsverband Westmecklenburg bereits im Jahr 2011 die Streckenführung oben auf dem Berg zwischen Gallentin und Zickhusen vorgesehen hatte. Und Sie haben behauptet, dass Ihre Planung mit dem sechs Meter hohen Damm in unmittelbarer Nähe der Ortsbebauung alternativlos und vom Land bereits so abgesegnet sei“, warf Blank den Bahn-Vertretern vor. Hoffmeister habe sich während seines Berufslebens 15 Jahre mit Trassenführungen beschäftigt. In Bezug auf das aktuelle Projekt sei er zu dem Schluss gekommen, dass dies die ungünstigste aller Varianten ist – sowohl für die Anwohner als auch für den Bahnbetrieb selbst. „Sicher, für Sie ist das die beste Lösung: Es ist die kürzeste und damit kostengünstigste Variante. Und auch die Zerschneidung der Landschaft fällt so am geringsten aus. Das ist aber auch alles“, sagte er.

Einwände der Gemeinde sollen in Bahnbericht einfließen

„Der aktuelle Stand ist noch genauso wie im Juli, wir sind noch in einer ganz frühen Vorplanungsphase“, erklärt Ingo Buhlke, Projektleiter bei DB Netze. Er sei froh, dass sich die Bürger bereits jetzt so stark engagieren, dabei aber lösungsorientiert vorgehen. Bis zum Planfeststellungsverfahren, das erst im zweiten Halbjahr 2021 zu erwarten ist, sei noch nichts festgeschrieben, so Buhlke. Allerdings wolle der Bundestag noch in diesem Jahr über die Eckdaten des Bauvorhabens abstimmen – dabei bilde der Bericht Buhlkes die Grundlage. „Insofern wäre es wichtig, dass eventuelle Forderungen seitens der Gemeinde noch in diesen Bericht einfließen“, mahnte der Projektleiter. Sie nähmen das alles sehr ernst, auch die vorgeschlagenen Alternativvarianten der Trassenführung. Dazu werde Hoffmeister eine schriftliche Stellungnahme in der kommenden Woche zugehen. „Was die Frage des von der Bürgerinitiative geforderten aktiven Schallschutzes an der Neubaustrecke und an der jetzt ausgebauten Verbindung Bad Kleinen - Schwerin betrifft, haben die Untersuchungen ergeben, dass dieser formal gesetzlich nicht notwendig ist“, berichtete Andreas Kruse, Arbeitsgebietsleiter Projektrealisierung Konstruktiver Ingenieurbau bei DB Netze. Das sorgte für Kopfschütteln bei den Anwohnern und Bauausschussmitgliedern.

Hauptausschuss soll am 25. September dazu beraten

Da die Zeit drängt und die nächste Gemeindevertretersitzung, geplant für den 16. Oktober, nicht vorgezogen werden kann, soll der Hauptausschuss auf seiner Sitzung am 25. September einen entsprechenden Beschluss fassen. „Er möge beschließen, dass wir sowohl mit der jetzigen Trassenführung als auch der vorgesehenen Planung, was den Schallschutz betrifft, nicht einverstanden sind“, erklärte der Ausschussvorsitzende Guido Wunrau (CDU). Er gab zu bedenken, dass sich der Verkehr bei dieser Streckenführung der damit erhaltenen Kreuzung der B 106 bei Zickhusen und der stark frequentierten Bahnlinie auf die Gemeindestraßen verlagern könnte – wenn Autofahrer die Schranken umgehen wollen. „Bei der von Hoffmeister vorgeschlagenen Alternative könnte das, wie bei Medewege vor Schwerin entsprechend, kreuzungsfrei gelöst werden“, begründete der Kommunalpolitiker. Der Beschluss des Hauptausschusses könnte dann sofort der Bahn zugestellt werden.

Lesen Sie mehr:

Bahnstrecke Lübeck-Schwerin: Nun muss sich der Bundestag damit befassen

Bad Kleinen: Unterschriftensammlung gegen Bahnprojekt übergeben

Von Peter Täufel

70 Aussteller, über 130 Berufs- und Studienbilder und bis zu 2500 Schüler: am 20. und 21. September findet in Wismar die 24. Berufsinfobörse erstmals auch mit einem Angebot für Eltern statt.

12.09.2019

In Wismar hat die Verwaltung eine Prioritätenliste für Investitionen in den nächsten Jahren erstellt. Geplant sind 38 Straßenbauprojekte. Die OZ gibt einen Überblick.

12.09.2019

Der Heimattierpark hat wieder Gäste auf Zeit bekommen – auch Wildtiere werden immer wieder abgegeben. Für deren Pflege fehlt allerdings Geld und Personal.

12.09.2019