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Wismar Bauernprotest: 110 Traktoren rollen durch Nordwestmecklenburg
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Bauernprotest: 110 Traktoren rollen durch Nordwestmecklenburg

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18:40 17.01.2020
Der Trecker-Korso erreicht kurz vor 17 Uhr Dorf Mecklenburg an. Quelle: Haike Werfel
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Dorf Mecklenburg

Trecker über Trecker. Kleine und große Fahrzeuge rollen über die B 106. Um 15 Uhr in Schwerin gestartet, haben sie 16.50 Uhr Dorf Mecklenburg erreicht. Die meisten fahrend hupend an den Zuschauern vorbei. Einige Fahrer grüßen mit Lichthupe. Laut einer Teilnehmerliste sind es 110 Landwirte mit ihren Traktoren. Ein beeindruckender Tross. Zahlreiche Teilnehmer haben ein Plakat an ihrem Fahrzeug angebracht. Darauf mahnen die Bauern unter anderem: „Kauft direkt“, „Stoppt Lebensmittelimporte“, „Lebensmittel dürfen nicht billig sein“ und „Starke Bauern braucht das Land“. Bis alle Trecker vorüber sind, dauert es 13 Minuten.

„Wir finden das super, was die Bauern machen“, sagt Familie Seitz. „Wir kaufen regional ein, bei Bauer Tacke in Dorf Mecklenburg oder auf dem Storchenhof in Reinstorf.“ Mit anderen Wartenden – Eheleuten, Väter und Mütter mit Kindern – harren sie fast eine Stunde auf dem Museums-Parkplatz aus, ehe der Konvoi in Dorf Mecklenburg eintrifft. „Jetzt werden die Landwirte mal gehört und gesehen“, meint eine junge Mutter (33). „Wer von den Verbrauchern hat heute schon Kontakt zu einem Bauern.“

Mehrere Familien haben sich auf dem Museums-Parkplatz in Dorf Mecklenburg eingefunden und warten auf den Traktoren-Konvoi. Quelle: E-Mail-OZ-Lokalredaktion-WIS

Am Kreisel Rothentor biegt der Konvoi auf die Westtangente ein, um dann am Abzeig Friedenshof in Richtung Wismar zu fahren. Durch die Hansestadt geht es über die Lübsche Straße und den Klußer Damm weiter nach Lübow und über Ventschow zurück nach Schwerin. Mit dieser Aktion von „Land schafft Verbindung MV“ und dem Bauernverband wollen die Landwirte auf die kritische Situation der regionalen Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion aufmerksam machen.

250 Mitglieder zählt der Kreisbauernverband Nordwestmecklenburg. Laut Geschäftsführerin Petra Böttcher sind 216 von ihnen in der Landwirtschaft aktiv. Etwa die Hälfte haben sich für die Protestaktion angemeldet.

Konvoi über 97 Kilometer

Michael Brink von der Agrargenossenschaft Steinhausen nimmt mit zwei Mitarbeitern und drei Zugmaschinen an der 97 Kilometer langen Fahrt teil. „Wir versprechen uns Aufmerksamkeit für die tatsächlichen Probleme“, sagt der Leiter des konventionellen Ackerbau- und Milchviehbetriebes. Er verweist darauf, dass auch die konventionell wirtschaftenden Bauern aktiven Klima-, Umwelt- und Bienenschutz betreiben. „Wir verwahren uns gegen Aussagen, dass dies nicht so ist. Jeder von uns hat Bienenweiden und Blühstreifen an seinen Feldern. Wir weisen auch strikt zurück, dass wir die Böden zugrunde richten. Wir betreiben aktiven Bodenschutz, der Humusgehalt steigt in den vergangenen dreißig Jahren. Schließlich möchten wir unsere Betriebe gesund an die nächste Generation weitergeben.“ Michael Brink verhehlt nicht, dass es auch schwarze Schafe in der Branche gäbe. Die werden in den nächsten Jahren aussteigen.

Mit vier Traktoren ist die Agrargenossenschaft Stove im Korso vertreten. Christian Schacht, zuständig für den Ackerbau, hat sich mit seinen beiden Mitarbeitern und einem Lehrling gegen 12.30 Uhr auf den Weg gemacht, um pünktlich in Schwerin zu sein. „Wenn jeder sagt, dass ist mir zu weit, dann bringt’s nichts“, nennt er sein Motiv für die aufwändige Aktion. Christian Schacht hofft, dass die Landwirte bei der Agrarpolitik Gehör finden. „Sie erlässt zum Teil Verordnungen, die nicht mit der Praxis zusammenpassen“, kritisiert er.

„Wir befürchten große Einschränkungen“

Wegen der angespannten Situation in der Landwirtschaft beteiligt sich auch Sebastian Böckmann, Junior-Chef auf dem Sabö-Hof in Nantrow, an der Aktion. Er ist auch als Ordner eingesetzt. „Durch die von der Agrarpolitik angekündigten Veränderungen befürchten wir Landwirte große Einschränkungen. Wir hatten in den vergangenen Jahren finanzielle Einbußen. Was jetzt von uns verlangt wird, bekommen wir vom Verbraucher nicht bezahlt. Wir haben immer mehr Auflagen zu erfüllen, aber der Verbraucher ist nicht bereit, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben“, sagt der studierte Landwirt. Sebastian Böckmann hofft, dass er und seine Kollegen auf das Verständnis der Verbraucher treffen. „Die Leute kaufen bewusst ein. Sie wollen vor allem wissen, woher die Produkte kommen.“

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Über die Autorin

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