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Wismar Beliebter Dialekt: Plattdeutsch-Kurse der Wismarer Volkshochschule sind gefragt
Mecklenburg Wismar Beliebter Dialekt: Plattdeutsch-Kurse der Wismarer Volkshochschule sind gefragt
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12:55 27.08.2019
Benjamin Nolze wird den Kursteilnehmern an der Wismarer Volkshochschule die Angst vorm Plattsnacken nehmen. Quelle: Nicole Hollatz
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Wismar

„Goden Abend, leeve Lüüd!“, begrüßte Benjamin Nolze die Gäste in der Wismarer Volkshochschule. Sie waren zum Schnuppern gekommen und wollen Platt lernen. Der erste Kennenlern-Termin vor dem eigentlichen Kursbeginn lockte so viele Interessierte in den Raum, dass sie zusammenrücken müssen. Und klar wird, das wird mehr als „nur“ ein Kurs.

Lange auf Kurs gehofft

Zu den Interessierten gehört Doris Möbius. Die 64-Jährige war ein Jahr auf der Suche nach einem Sprachkurs für Plattdeutsch. „Seit ich Rentnerin bin“, erzählt sie. In Gadebusch war sie fündig geworden, das war ihr zu weit weg. Nun freut sie sich auf den Kurs in Wismar. „Ich möchte die Sprache jetzt lernen. Mein Vater hat immer Platt geredet, aber nie mit uns Kindern. Aber Platt ist doch eine herrliche Sprache.“

Benjamin Nolze verkörpert genau das. Der Schauspieler war am Ohnsorg-Theater Hamburg sowie an der Fritz-Reuter-Bühne in Schwerin aktiv, spricht fließend platt und gibt mit viel Humor die Liebe zur Sprache weiter. Bisher nur in Gadebusch, nun auch in Wismar.

„In der Verfassung Mecklenburg-Vorpommerns steht, dass wenn man einen Brief an eine Behörde up platt schreibt, muss die auch auf Plattdeutsch antworten“, lässt er seine Zuhörer lachen. „Wir pflegen also keine tote Sprache.“

„Vertell!“

Die Teilnehmer stellen sich vor und erzählen, wieso sie die Sprache lernen wollen. Eine Sächsin und eine Schwäbin sitzen in den Reihen. Dr. Kristin Tietze (60) kommt aus Bayern und lebt seit drei Jahren in Wismar. „Dialekte interessieren mich“, begründet sie im schönsten Bayrisch die Entscheidung für den Plattdeutschkurs. Die Hoffnung der Zugezogenen: auf Platt besser im Norden ankommen und mit den Menschen Gespräche anfangen.

Aber die meisten Teilnehmer kommen aus Wismar und der Region, sind oft mit Platt aufgewachsen. „Ich habe auf der Werft nur Platt gehört, aber zu Hause gar nicht“, erzählt Hartmut Rachui. Viele erzählen, dass sie Platt zwar gut verstehen, sich aber nicht trauen zu sprechen.

Rudolf Tarnows Platt

Nolze erzählt von den verschiedenen Versionen von Platt, wechselt fließend zwischen Hoch- und Plattdeutsch. „Ich bevorzuge das Platt von Rudolf Tarnow“, erzählt er. Tarnows Buch „Burrkäwers“ sollen die Kursteilnehmer sich als Lehrbuch holen. Daraus werden sie vorlesen und rezitieren, bis Mut und Vokabular für erste Gespräche reichen.

„Mötst di nich argern, hett keinen Wiert, mötst di blot wunnern, wat all passiert. Mötst ümmer denken, de Lüd sünd nich klook, jeder hett Grappen, Du hest se ok.“ Das ist das Gedicht, das die Kursteilnehmer im großen Seminarraum der Wismarer Volkshochschule aufschreiben und sprechen sollen, natürlich alle Strophen. Unbekannte Wörter kommen ins klassische Vokabelheft.

Keine Angst vor Rechtschreibung

„Es gibt keine festgelegte Rechtschreibung“, sagt Benjamin Nolze. „Plattdeutsch ist Lebensausstrahlung und Gelassenheit, das Mecklenburger Platt ist so eine herzliche und liebevolle Sprache.“ Und es flucht und schimpft sich super. „Sag mal zu jemanden auf Hochdeutsch ‚du Schieter!‘“ Benjamin Nolze macht Mut, zu sprechen. „Es geht mehr ums Trauen als ums Können.“

Noch wenige Plätze frei

Juliane Schirmann, die stellvertretene Leiterin der Kreisvolkshochschule Nordwestmecklenburg und die Arbeitsstellenleiterin Wismar, freut sich, dass sich so viele Menschen für den Plattdeutschkurs interessieren. „Wir können noch einen zweiten Kurs anbieten“, erzählt sie.

Die Kurse in Wismar beginnen am 5. September und finden donnerstags statt, für Kursbeginn um 15.45 Uhr wären noch wenige Plätze frei. Der Kurs, der um 17.30 Uhr beginnt, ist voll. Interessenten können sich direkt in der Volkshochschule, Arbeitsstelle Wismar, anmelden oder unter 038 41 / 32 670.

Auch in Grevesmühlen und Gadebusch beginnen Plattdeutschkurse an den dortigen Standorten der Kreisvolkshochschule.

Mehr Infos:

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Kontakt zur Autorin:

Nicole Hollatz

Von Nicole Hollatz