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Wismar Bobitz: Trotz langer Lieferzeiten – so meistert eine Dachfirma erfolgreich die Corona-Zeit
Mecklenburg Wismar

Bobitz: Dachfirma meistert erfolgreich die Corona-Zeit  

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16:03 06.01.2022
Maik Haak und Simon Albrecht (r.) haben sich 2019 selbstständig gemacht. Dann kam die Pandemie.
Maik Haak und Simon Albrecht (r.) haben sich 2019 selbstständig gemacht. Dann kam die Pandemie. Quelle: Katja Peters
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Bobitz

Nach dem Start in die Selbstständigkeit kam die Corona-Pandemie. So ist es zwei Männern aus Bobitz bei Wismar ergangen: Maik Haak und Simon Albrecht. Sie mussten im vergangenen Jahr so manches Angebot ihrer Dachfirma wegen der weltweiten Material- und Lieferschwierigkeiten mehrmals nachbessern, weil der kalkulierte Preis nicht mehr zu halten war.

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„Diese Gespräche mit den Kunden waren wirklich unangenehm“, berichtet Maik Haak. Er betont aber: „Die Kunden hatten Verständnis und waren froh, dass es überhaupt voranging auf den Baustellen.“ Er lobt die Lieferanten, die alles Menschenmögliche getan haben, damit er immer genügend Material auf der Baustelle hatte. Simon Albrecht plante vom Büro aus eine längerfristige Anlieferung. „Zwischen Auftragsvergabe und Baustart liegen ja manchmal Wochen. Früher konnten wir kurzfristig bestellen, jetzt planen wir das alles längerfristig, sammeln alles zusammen, damit das Material auch pünktlich zur Verfügung steht“, erklärt er.

Auftragsbücher sind voll

Die Unternehmer hatten ihre berufliche Neuorientierung lange geplant und gut vorbereitet. Im Jahr 2010 gab es die Idee, neun Jahre später dann die Umsetzung. In der Zwischenzeit hatte Maik Haak seinen Meister als Dachdecker absolviert, Simon Albrecht sein Studium der Betriebswirtschaftslehre abgeschlossen und im Einkauf sowie Controlling gearbeitet. „Ich wollte erst noch Erfahrungen sammeln und nicht gleich von der Schulbank in die Selbstständigkeit“, ist der 34-Jährige ehrlich. Sein jetziger Geschäftspartner knüpfte indes Kontakte, bereitete den Wechsel akribisch vor.

Beide ließen sich von einem Gründungscoach unterstützen und gründeten 2019 die Haak & Albrecht GmbH. Gewerkeübergreifend bieten sie nicht nur Dachsanierungen oder Neueindeckung an, sondern auch Dachklempnerarbeiten, Holzbau oder Fassadenbekleidung. Ganz modern wird das Aufmaß mit der Drohne genommen, ebenso Dachinspektionen oder einfach nur Vorher-nachher-Bilder. Schnell wurde ein Bauträger auf die beiden Bobitzer aufmerksam, so dass sie bereits zwei Monate nach Gründung schon ihren ersten Mitarbeiter einstellen konnten. Mittlerweile sind es drei und ein Auszubildender. Die Auftragsbücher sind voll.

Gutes Betriebsklima ist wichtig

Als nach einem Jahr Selbstständigkeit auf einmal die Pandemie ausbrach, hatten die beiden schon Befürchtungen, dass die Aufträge zurückgehen würden. Doch Einnahmeeinbrüche gab es nicht, lediglich der Preisanstieg machte ihnen im vergangenen Jahr zu schaffen. Dass sie ihre Arbeit trotz Corona-Krise gut meistern, macht sie stolz. Sie legen großen Wert auf das Betriebsklima. „Ich habe großes Vertrauen in meine Mitarbeiter“, sagt Maik Haak, der völlig in seinem Beruf aufgeht.

Rose aus Schiefer am Giebel

„Jedes Dach ist anders, jedes Material ist anders, jeder Kunde ist anders. Aber genau das liebe ich an meinem Beruf“, gerät Haak geradezu ins Schwärmen. Wenn der Auftraggeber sein Okay gibt, dann kreiert er auch gerne mal eine Rose aus Schiefer oder eine Eule, die dann am verschieferten Giebel zu sehen ist. „Diese Kreativität hebt uns auch ein bisschen von der Konkurrenz ab“, sagt der Dachdeckermeister mit einem verschmitzten Grinsen.

Neben dem hohen Qualitätsanspruch ist es auch die offene Kommunikation mit den Kunden, die den beiden wichtig ist. „Unser Angebot ist sehr detailreich mit Beschreibungen und Bildern“, gibt Simon Albrecht ein Beispiel. Er kümmert sich um alles, was neben der Baustelle anfällt. „Aber dadurch wissen die Kunden auch genau, was wir machen und viele zeitraubende Nachfragen erübrigen sich“, ergänzt er noch.

Expansion ist nicht geplant

Dass sie seit letztem Jahr nun auch einen Auszubildenden haben, ist für Maik Haak eine Herzensangelegenheit. Dass dieser auch noch proaktiv auf ihn zukam, freut ihn umso mehr. Denn alle Aufrufe in den sozialen Medien hatten nichts gebracht. „Das Handwerk braucht Nachwuchs und ich möchte mein Wissen weitergeben. Das ist mir wichtig“, sagt der 35-Jährige und ergänzt: „Da wir gewerkeübergreifend arbeiten, ist die Arbeit auch sehr abwechslungsreich.“

Für gute Arbeitsbedingungen sorgen die beiden Chefs selbst. „Wir machen es so, wie wir es auch gerne anstelle unserer Mitarbeiter hätten“, beschreibt Simon Albrecht das Konzept. Das Feedback sowohl der Mitarbeiter als auch das der Kunden geben ihnen recht. Die Rückmeldungen auf diversen Online-Portalen auch.

Und wie soll es weitergehen? „Expansion ist nicht geplant“, sagt Simon Albrecht lachend, auch wenn er noch auf der Suche nach Mitarbeitern und einem weiteren Lehrling ist. „Hier in der Umgebung gibt es genug Dächer“, weiß Maik Haak, dem vor allem das Besondere seines Handwerks am Herzen liegt. „Und das gute Miteinander mit meinen Kollegen. Das ist zurzeit grandios und soll auch so bleiben.“

Von Katja Peters