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Wismar Bobitz: Pandemie beschert Konsum-Chef neue Kunden
Mecklenburg Wismar

Bobitz: Pandemie beschert Konsum-Chef neue Kunden

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09:03 06.01.2022
Holger Manske bedient eine Kundin in seinem Laden.
Holger Manske bedient eine Kundin in seinem Laden. Quelle: Katja Peters
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Bobitz

Ein bisschen versteckt an der Straße nach Dambeck ist der Dorfkonsum von Holger Manske. In Bobitz nennen ihn alle nur Hermann. Deswegen prangt auch dieser Name auf dem großen Schild über dem Eingang seines Geschäfts.

Diana Pittelkow kauft Kartoffeln, Wein und Berliner für die Party abends mit der Familie. „Wir sind froh, dass wir ihn noch haben“, sagt sie und freut sich auf ein kurzes Gespräch mit Christian Kramer, der ebenfalls noch Kleinigkeiten und Getränke eingekauft hat. „Ich zahle lieber einen Euro mehr und muss dafür nicht in die Stadt fahren“, gibt der Bobitzer ehrlich zu. Diana Pittelkow nickt. „Hier ist es nicht so anonym, man erfährt auch noch, was im Dorf so los ist“, sagt sie lachend. Ihren Großeinkauf macht sie woanders, „aber wenn spontan was fehlt oder am Wochenende die frischen Brötchen, das kaufen wir bei Hermann“.

Aus einer Bierlaune in die Selbstständigkeit

Der machte sich vor 23 Jahren aus einer Bierlaune heraus mit einem Getränkemarkt selbstständig. Bei einer Karnevalssitzung war die Idee geboren worden und wurde dann auch umgesetzt. In der alten Molkerei an der Dambecker Straße fand Holger Manske Verkaufsräume. Mit Hilfe vieler Bobitzer wurden diese hergerichtet und im April 1999 eröffnete der gelernte Agrartechniker „Hermanns Getränkemarkt“.

Damit entstand in dem Ort eine Konkurrenzsituation zum Edeka-Markt an der Wismarschen Straße, der ebenfalls ein großes Getränkesortiment hatte. Aber es funktionierte, zumindest am Anfang. Nach ein paar Jahren schloss er sich einem großen Lieferanten an, arbeitete auf Provisionsbasis, um überleben zu können. Auch diese schwierigen Zeiten überstand der heute 55-Jährige, der nach der Wende viele Jahre täglich in den Hansa-Park pendelte, um dort sein Geld zu verdienen.

Weihnachtspost im Konsum aufgegeben

Als vor knapp zehn Jahren der Edeka-Markt im Ort schloss, erweiterte Holger Manske sein Sortiment um Lebensmittel des täglichen Bedarfs. Vor drei Jahren wechselte er noch einmal den Getränkelieferanten. „Seitdem kommen auch mehr Kunden. Denn das Angebot ist umfangreicher geworden. Es ist kein Pille-Palle-Sortiment mehr“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Während der Pandemiezeit hat er auch so manchen Sonderwunsch seiner Kunden erfüllt. „Wir haben viel bei ihm bestellt, sogar den Sonntagsbraten oder eine bestimmte Weinsorte“, verrät Diana Pittelkow, die auch ihre Weihnachtspost im Dorfkonsum aufgegeben hat. Denn bei „Hermann“ gibt es die einzige Poststation der Gemeinde.

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Die Straßensanierung der Dambecker Straße verbunden mit einer Vollsperrung im Jahr 2018 war für den Dorfkonsum noch einmal ein tiefes Tal. „Da musste ich mich sogar verschulden, um die Zeit zu überstehen“, erzählt Holger Manske, der aber mittlerweile wieder positiv in die Zukunft blickt. Denn durch die Pandemie sind neue Kunden hinzugekommen, das Geschäft läuft gut. Und wenn beim Lampionumzug der örtlichen Feuerwehr die Getränke abends knapp werden, dann schließt er seinen Laden gerne auf, um den Engpass zu beheben.

Von Katja Peters