Boiensdorfer Werder: Das hat der neue Campingplatz-Pächter vor
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Boiensdorfer Werder: Das hat der neue Campingplatz-Pächter vor

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13:58 06.06.2021
Bürgermeister Silvio Jacob (l.) übergibt dem neuen Pächter die Schlüssel für den Campingplatz. Christoph Niemann präsentiert voller Vorfreude den Plan, wie sein HaffCamp aussehen soll.
Bürgermeister Silvio Jacob (l.) übergibt dem neuen Pächter die Schlüssel für den Campingplatz. Christoph Niemann präsentiert voller Vorfreude den Plan, wie sein HaffCamp aussehen soll. Quelle: Haike Werfel
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Boiensdorf

Der Betreiberwechsel ist vollzogen: Christoph Niemann, der neue Pächter des Campingplatzes auf dem Boiensdorfer Werder, hat von Bürgermeister Silvio Jacob die Schlüssel erhalten. Der 42-jährige Rostocker brennt darauf, seine Visionen umzusetzen. Zunächst 1,5 Millionen Euro will er investieren, um den Campingplatz zu modernisieren und die heruntergekommenen Gebäude zu sanieren. Ab April nächsten Jahres soll er wieder öffnen, dann unter dem Namen „HaffCamp Boiensdorfer Werder“.

„Ziel Nummer eins ist, dass auch die letzten vierzig Dauercamper den Platz räumen“, sagt der Unternehmer, der eine Sanierungs- und Abbruchfirma betreibt. „Das wird hier eine Großbaustelle, da darf aus Sicherheitsgründen niemand mehr herumlaufen.“ Anfang Juli sollen die Arbeiten auf dem 8,7 Hektar großen Areal beginnen, wenn die Nist- und Brutzeit der Vögel im Naturschutzgebiet zu Ende ist, erklärt er, selbst Camping- und Naturfreund.

So sieht es jetzt aus auf dem Campingplatz Boiensdorfer Werder.

Gemeinde unterstützt neuen Pächter

Bis dahin müssen die Hinterlassenschaften der Dauercamper wie Zäune, Terrassenplatten, Planen und Plastikmöbel beräumt sein. Schon jetzt unterstütze ihn die Gemeinde tatkräftig. „Sie sorgt für Strom, damit ich arbeiten kann. Einwohner und Feuerwehrleute packen mit an“, erzählt Niemann dankbar. Sowas kenne er aus der Stadt nicht. „Wir haben die Gebäude, die zugemüllt waren, leer geräumt“, berichtet der Bürgermeister. Beide Männer betonen die harmonische Zusammenarbeit. Die Feuerwehr hat Schrott gesammelt. Im Gegenzug darf sie einen illegal errichteten Bootsschuppen für Übungen nutzen, bis er abgerissen wird. Der frühere Bürgermeister Wilhelm Gratopp hat angekündigt, mit seinem Traktor und Schlegelmähwerk das hohe Gras mähen zu wollen.

Die letzten Dauercamper will die Gemeinde per Räumungsklage zum Abbau ihrer Wohnwagen bewegen. Quelle: Haike Werfel

Dauercamper nach ihren Wünschen befragt

Schon als Sechsjähriger kam Christoph Niemann mit seinen Eltern zum Camping auf den Boiensdorfer Werder. Bis zuletzt hatte er hier mit seiner Frau und seinen vier Kindern einen Dauerstellplatz. „Ich war einer der ersten, der ihn abgebaut hat, weil ich mich als Pächter bewerben wollte. Visionen, was man aus dem Areal machen kann, habe ich schon lange. Als Camper habe ich mit meiner Familie Europa bereist. Ich weiß, was gut ist.“ Auch Boiensdorfer Dauercamper hat er nach ihren Wünschen befragt. Sie vermissen unter anderem solche Annehmlichkeiten wie frische Brötchen am Sonntag. Oder einen beleuchteten Hauptweg. Gastronomie, einen Konsum und eine Minigolfanlage wie einst gibt es auch schon seit Jahren nicht mehr. Der Campingplatz ist runtergewirtschaftet.

Die vorhandenen Gebäude wie die Rezeption bleiben erhalten. Dächer, Fassaden und Innenräume werden saniert. Quelle: Haike Werfel

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Campingplatz wird neu parzelliert

Christoph Niemann will ihn naturschonend sanieren und umgestalten. „Zuallererst müssen sämtliche Versorgungsleitungen wie Elektrik, Wasser- und Abwasser erneuert werden. Die Sanitäranlagen in den Waschhäusern sind veraltet. Auch die Pumpstation für die Kläranlage muss ersetzt werden“, zählt der Bauunternehmer auf und stellt klar: „Diesen Platz kann man nicht im Bestand sanieren.“

Nach der Anzahl der Duschen – jeweils sechs für Frauen und Männer in beiden Waschhäusern sowie je eine Familiendusche – hat er die Zahl der Dauercamper berechnet. Sie verringert sich auf 170. Hinzu kommen 110 Plätze für Tagesgäste sowie 50 auf einer Zeltwiese. Zudem will er eine Camping-Wohngemeinschaft schaffen, in der Besucher der Dauercamper Zimmer mieten können. „Die Parzellen werden wir auf 120 Quadratmeter vergrößern, jetzt sind sie 80 bis 110 Quadratmeter groß. Wenn sich Tagesgäste mehr ausbreiten können, dann bleiben sie vielleicht länger bei uns. Das verringert auch den Fahrzeugverkehr.“

Rezeption mit Hofladen und Café geplant

Bis zur Wiedereröffnung wird der Campingplatz neu parzelliert. „Wir teilen ihn, sodass nicht nur Dauercamper, sondern die Hälfte der Tagesgäste einen Platz am Wasser erhalten können. Dazu bin ich als Betreiber einer Drei-Sterne-Anlage, die die Gemeinde wünscht, verpflichtet“, erklärt Niemann. Die Rezeption soll künftig mindestens sechs Stunden besetzt sein. Das ist ebenfalls eine Anforderung wie auch ein kleines Bistro, das mindestens vier Stunden öffnet.

An der Rezeption plant der Rostocker einen Hofladen, der täglich offen ist und Lebensmittel, Eis für die Kinder sowie Dinge, die Camper so brauchen, etwa Planen und Heringe, anbietet. „Nach hinten heraus wird es ein Outdoor-Café unter einer großen Buche mit wunderschönem Blick aufs Salzhaff geben“, schildert Christoph Niemann eine seiner Ideen.

Ideen für Zelter-Haus, Waldspielplatz und Radlerunterkunft

Alle vorhandenen Häuser bleiben erhalten und werden saniert. Ein Gebäude nahe des jetzigen Spielplatzes, der zur Zeltwiese wird, will er für die Zelter herrichten mit Aufenthaltsraum, Kochnischen und Spielbereich für Kinder im Erdgeschoss sowie einem Trocknungsraum im Dachstuhl. Die Jüngsten sollen einen Waldspielplatz mit Baumhäusern und Rutsche erhalten.

Ein weiteres Gebäude will der Pächter zu einem Rad-Haus mit Radlerunterkunft umfunktionieren. „Auf meinen Reisen habe ich ein Rad2Cat kennengelernt. Das ist ein kleiner Katamaran, auf den ein Fahrrad passt. Wie in einem Tretboot könnten Besucher von unserem Strand aus zur Insel Poel gelangen, die nur 1,6 Kilometer entfernt ist, und dort eine Radtour unternehmen“, berichtet Niemann von einer weiteren Idee. „So würde bei uns der Radweg nicht aufhören.“ Event-Wochenenden könnte man veranstalten.

Pächter will zwölf Saison-Arbeitsplätze schaffen

Nicht zuletzt will er eine mobile Beach-Bar aufstellen. Die betreibt der Unternehmer bereits in Rostock. „Meine Idee ist, dass hier auch Wanderer, die auf dem Werder unterwegs sind, etwas trinken. Der Rundweg soll schließlich wieder geöffnet werden. Am Ende ihrer Tour kehren sie dann vielleicht noch im Café an der Rezeption ein.“

Christoph Niemann möchte das Areal so gestalten, dass die Gäste nach wie vor hier die Ruhe im Einklang mit der Natur genießen. Er freut sich, wenn eine echte Campingplatz-Gemeinschaft entsteht. „Ich sehe meinem Vorhaben positiv entgegen.“ Mit dem will er obendrein auch zwölf Saison-Arbeitsplätze schaffen.

Von Haike Werfel