Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Wismar Buch und DVD zu spät abgeben: Das soll richtig teuer werden
Mecklenburg Wismar Buch und DVD zu spät abgeben: Das soll richtig teuer werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 18.07.2015
Anzeige
Wismar

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Oder die SPD? Geht es jedenfalls nach dem Willen der Sozialdemokraten in der Wismarer Bürgerschaft sollen die Säumnisgebühren für zu spät abgegebene Bücher, Zeitschriften und DVD in der Stadtbibliothek erhöht werden. Dabei sind die Gebühren schon jetzt Spitze im Landesvergleich Mecklenburg-Vorpommern.

Im Einzelnen: Zwei Euro sollen pro Tag fällig werden für jede zu spät abgegebene DVD und Videokassette — bisher ist es ein Euro. Bei allen anderen Medien wie Bücher und Zeitschriften sind pro Tag ein Euro zu zahlen — bisher 60 Cent. Kinder bis 14 Jahre zahlen jeweils die Hälfte.

Das heißt: Zwei Bücher und zwei DVD würden nach zwei Tagen mit zwölf Euro zu Buche schlagen. Das entspricht der Gebühr, die ein Nutzer für ein Jahr in der Stadtbibliothek zahlen muss.

„Die Erhöhung der Säumnisgebühren trifft nur auf Besucher zu, die die entliehenen Bücher oder Medien nicht fristgemäß wieder abgeben. Somit ist die Erhebung der Gebühr von jedem Benutzer selbst abhängig“, argumentiert Kerstin Adam, Fraktionschefin der SPD.

Fakt ist, hohe Mahngebühren wirken nur im Idealfall als Erziehungsmaßnahme, im Negativfall wenden sich Nutzer ab. Wer Kinder hat, kann ein Lied vom Ärger um Säumnisgebühren singen.

Ines Stiller sieht die geplante Erhöhung als sehr kritisch an. Die 46-jährige Wismarerin nutzt regelmäßig die Angebote der Bibliothek. Als Stadtführerin greift sie gerne auf verschiedene Medien zurück. „Ich denke, die Verhältnismäßigkeit stimmt in keiner Weise. Die Säumnisgebühren sind schon jetzt ziemlich hoch. Es geht um das schnelle Geld, aber die Folgen werden übersehen. Es wird immer mehr Nutzer geben, die dann der Bibliothek den Rücken kehren. Und weniger Nutzer bedeutet auch weniger Qualität bei den Angeboten. Das kann doch nicht gewollt sein“, sagt Ines Stiller.

Beschlossen ist die Erhöhung noch nicht. Nach der Sommerpause wird das Thema erneut auf die Tagesordnung kommen. Denn auf Antrag der Für-Wismar-Fraktion wurde der SPD-Antrag erstmal in den Kultur- und in den Finanzausschuss verwiesen.

Sicher scheint, dass die Benutzungs- und Gebührensatzung der Stadtbibliothek geändert wird. Auf der Suche nach neuen Einnahmen hatte die Bürgerschaft im Juni eine Reihe von Maßnahmen beschlossen.

Dazu zählt auch die Entgeltordnung für die Stadtbibliothek. 5000 Euro mehr sollen im nächsten Jahr in die Kasse kommen. Dass die Zahl der Nutzer der städtischen Vorzeigeeinrichtung sinken könnte, wird von Politik und Verwaltung in Kauf genommen, „da eine Gebührenanhebung immer auch Leserverluste bedeutet und/oder Mehrfachnutzung von Benutzerausweisen“, heißt es im Konzept zur Haushaltskonsolidierung.

Für Wismars früheren Kultursenator Jürgen Cremer, jetzt Mitglied im Förderverein der Stadtbibliothek, ist vor allem die geplante Erhöhung der Säumnisgebühren ein Unding. „Das wird in Zukunft zum Rückgang bei den Nutzern führen. Da kommen ganz schnell 20, 30 Euro und mehr zusammen. Die geplante Erhöhung ist völlig unverhältnismäßig. Die Säumnisgebühren sind schon jetzt bedenklich hoch.“

Nach der Sommerpause werden Säumnis- und Nutzergebühr diskutiert. Vorschläge für die Erhöhung der Nutzungsgebühr liegen von der SPD ebenfalls auf dem Tisch. Bei Erwachsenen soll sie jährlich von zwölf auf 15 Euro steigen, bei Ehepaaren von 20 auf 23 Euro.



Heiko Hoffmann