Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wismar Dämmstoff, Dünger und Kosmetik
Mecklenburg Wismar Dämmstoff, Dünger und Kosmetik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 09.09.2014
In diesem Sommer wurde extrem viel Seegras an die Strände des Klützer Winkels angespült. Mit einer sinnvollen Verwertung könnten die Gemeinden es als Rohstoff vermarkten. Quelle: OZ
Anzeige
Klütz

Das Thema Seegras beschäftigt aktuell die Kommunalpolitiker und die Amtsverwaltung im Klützer Winkel — erneut. Schon seit den 1990er-Jahren gibt es immer wieder Anläufe in der Region, die angeschwemmten Meerespflanzen nicht nur zu entsorgen, sondern sinnvoll zu verwerten und so noch Kapital aus dem zu schlagen, was vor allem Urlauber ziemlich stört.

Aktuell befasst sich eine Projektgruppe, zu der Ämter, Tourismusverbände, Landwirte und die Hanseatische Umwelt GmbH von Martin Staemmler zählen, mit einem Konzept zur Verwertung. Martin Staemmler will einen zugelassenen Düngestoff für konventionelle und ökologische Landwirtschaft aus dem Seegras schaffen. Er spricht bei dem Gemisch aus Seegras, anderen Algenformen und Fremdstoffen von Treibsel. Das Treibsel will er reinigen und zur Regulierung des Kohlenstoffanteils in den Böden nutzen. Damit hätten die Gemeinden mit Strand im Klützer Winkel einen zahlenden Abnehmer für ihr Seegras. Staemmler hält Einnahmen von einem Euro pro Tonne Seegras für die Gemeinden für realistisch.

Im Frühjahr 2003 hatte das Amt Klützer Winkel schon eine Seegras-Trocknungsanlage in Grundshagen in Betrieb genommen. Im Vorfeld hatte es Forschungsprojekte rund um die Seegrasverwertung gegeben, die von der EU mit etwa 1,8 Millionen Euro gefördert wurden und 2002 den Umweltpreis des Landes einbrachten. International fand die Anlage in Grundshagen Beachtung. Allerdings konnte sie nicht wirtschaftlich betrieben werden, unter anderem, weil der Rohstoff Seegras aus den benachbarten Ostseeorten nicht geliefert wurde oder nicht ausreichte.

Ein Problem, war das aufwendige Einsammeln des angeschwemmten Materials. Es sollte möglichst frei von Sand, Muscheln und anderen Verschmutzungen sein. Bei der heutigen Strandreinigung sind 40 bis 60 Prozent des abgefahrenen Materials Sand. „Außerdem sollte die Anlage mit Rapsöl beheizt werden, was aber zu teuer war. Der Betrieb mit Heizöl war nicht mehr ökologisch“, sagt der Klützer Architekt Klaus Heselhaus, der 2005 die Trocknungsanlage vom Amt übernommen hatte und sie bis 2007 betrieb. Danach stand die Anlage bis zum endgültigen Aus 2009 still.

Heselhaus ist nach wie vor vom Seegras überzeugt. „Es ist kein Abfall, sondern ein Rohstoff, den man in vielfältiger Art nutzen sollte“, sagt er. In Grundshagen wurde er zu Dämmstoff für den Hausbau verarbeitet und weit über die Grenzen des Klützer Winkels vertrieben. „Seegras hat wunderbare Eigenschaften. Es dämmt mindestens so gut wie industrielle Produkte, Mäuse mögen es nicht und es ist kaum anfällig gegen Schimmel“, sagt Heselhaus, der den biologischen Dämmstoff selber als Architekt in Häusern verbaut hat. „Das hat hier an der Küste doch Tradition.“

Den aktuellen Vorstoß in Kooperation mit der Hanseatischen Umwelt GmbH sieht der Architekt in Verbindung mit rechtlichen Veränderungen. „Ich glaube, Seegras wird nicht mehr als Abfall angesehen.“

Dabei hält er die landwirtschaftliche Nutzung eher für eine Notlösung, sich des Seegrases zu entledigen. Es gebe Möglichkeiten der medizinischen oder kosmetischen Verwendung.

Mit der beschäftigt sich auch schon seit den 1990er-Jahren die Biologin Christel Dötsch-Jutsch. Sie betreibt in Schwerin das Unternehmen Aquazosta Marine Plant Biotechnology, das Produkte der Kosmetik herstellt.

Für Gemeinden mit Strand wäre es durchaus sinnvoll, eine Verwertungsmöglichkeit des anfallenden Seegrases zu finden. Allein die Kurverwaltung Boltenhagen stellt jährlich rund 135 000 Euro für die Strandreinigung in ihren Haushalt ein. In diesem Jahr wird das nicht ausreichen.

Produkte aus Meerespflanzen
In der Medizin wurde Seegras wie auch Tang bereits 2700 vor Christus von den Chinesen zur Behandlung eines Kropfes empfohlen. Man hatte herausgefunden, dass Meerespflanzen viele nützliche Rohstoffe wie Jod, aber auch diverse Öle wie Paraffinöl liefern.

Sogar eine Art Kunststoff, ähnlich dem heute bekannten Plexiglas, wurde Ende des 19. Jahrhunderts aus Tang hergestellt. Außerdem ist schon Kleidung aus Tang hergestellt worden, deren Stoff in Art, Stärke und Biegsamkeit mit dem Naturleder verglichen wurde.



Malte Behnk

Bei den Sozialarbeitern ist sie aber eher selten Thema. Sabrina Elsner bietet Gymnasium Unterstützung an.

09.09.2014

Die Fritz-Reuter-Grundschule und die Grundschule „Am Ploggensee“ nehmen an der Bio-Brotbox-Aktion im Land teil. Heute ist Ausgabetag in der Gläsernen Molkerei Dechow.

09.09.2014

Eine neue Ausstellung wird am morgigen Mittwoch um 19.30 Uhr in der Galerie Hinter dem Rathaus in Wismar eröffnet. Gezeigt wird Papierkunst von Anke Meixner.

09.09.2014