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Wismar Dauerbaustelle Wismarer Polizei: Darum verzögert sich der Umzug erneut
Mecklenburg Wismar Dauerbaustelle Wismarer Polizei: Darum verzögert sich der Umzug erneut
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10:33 16.11.2019
Das Dienstgebäude an der Ecke Rostocker Straße/Dr.-Leber-Straße: Gebaut wurde es ab 1848 als Militärlazarett nach Plänen des Architekten Georg Adolf Demmler(1804–1886). Quelle: Pauline Rabe
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Wismar

Schlechte Nachrichten für die Mitarbeiter der Polizei in Wismar: Die Sanierung ihres Dienstgebäudes an der Ecke Rostocker Straße/Dr.-Leber-Straße verzögert sich erneut. „Wir rechnen mit einem Einzug im Frühjahr 2020“, teilt Christian Hoffmann, Pressesprecher vom landeseigenen Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL), mit. Im Juni hieß es zuletzt, dass die Arbeiten Ende September abgeschlossen sein würden.

Das Problem liegt vor allem in den unteren Bereichen des Gebäudes. Das erste und zweite Obergeschoss sind nahezu fertig ausgebaut. Nun folgen Erdgeschoss und Keller. „In beiden Bereichen warten wir noch auf Sicherheitstechnik, für die es aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage sehr lange Lieferzeiten gibt“, erklärt Robert Klaus, Leiter des Geschäftsbereiches Schwerin.

Nur wenige Firmen stellen Sicherheitstechnik her

Benötigt werden unter anderem ein Tresen, an dem die Wache später sitzt, und spezielle Türen für die drei Gewahrsamsräume, die derzeit im Keller entstehen. Beides sind Spezialanfertigungen, die nur wenige Firmen in Deutschland herstellen können. „Es sind keine großen Bauteile, ohne sie geht es aber nicht“, betont Klaus.

Blick ins oberste Geschoss des Dienstgebäudes: Die Räume hier sind bereits fertig saniert. Quelle: Pauline Rabe

Bereits seit sechseinhalb Jahren baut der BBL im Auftrag des Innenministeriums auf dem Gelände der Wismarer Polizei. Baustart war am 27. März 2013. Seitdem ist ein Großteil der Angestellten in der benachbarten Containeranlage untergebracht. Für Christian Schumacher, den Landesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP), ist das eine untragbare Situation.

Belastende Arbeit im Container

„Jeder, der selbst schon einmal in einem Provisorium gearbeitet hat, weiß, wie immens belastend das ist“, sagt er. Belastend seien nicht nur Hitze im Sommer und Kälte im Winter, auch die unmittelbare Nähe zur Baustelle sei problematisch. Lärm, Dreck und fehlende Parkplätze würden seit Jahren zu den ständigen Begleitern der betroffenen Beamten gehören.

Errichtung als Militärlazarett

Das Gebäude wurde ab 1848 nach Plänen des Architekten Georg Adolf Demmler (1804-1886) gebaut. Am 1. Juli 1852 fand die Einweihung als Militärlazarett statt. So wurde es bis in die 1920er Jahre genutzt. Anschließend zog das Finanzamt ein.

Seit 1952 wird das denkmalgeschützte Gebäude von der Polizei genutzt. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten sollen die Angestellten des Wismarer Polizeihauptreviers und der Polizeiinspektion darin arbeiten.

Axel Köppen, Sprecher der Polizeiinspektion Wismar, versichert, dass trotz der genannten Herausforderungen stets versucht worden ist, die Arbeit für die Kollegen so erträglich wie möglich zu gestalten. „War es sehr warm, haben wir Wasser und Lüfter verteilt. Hat jemand über kalte Füße geklagt, bekam er eine Heizmatte“, berichtet er.

Für Schumacher sind das nur Kleinigkeiten. Seiner Ansicht nach hätte man von Beginn an mit Verzögerungen rechnen müssen – und statt auf Container auf eine Ausweichlösung in einem anderen Gebäude setzen müssen. „Besonders bei solch alten Bauten muss man schließlich immer damit rechnen, dass sich die Mängel erst Stück für Stück offenbaren“, meint der GdP-Vorsitzende.

Fertigstellung ursprünglich 2016 geplant

Ursprünglich sollte das Polizeigebäude bereits Ende 2016 bezogen werden. Die Sanierung hatte sich aber immer wieder verzögert. Im ersten Bauabschnitt wurde der Neubau für das Kriminalkommissariat errichtet, der 2016 fertiggestellt worden ist. Der zweite Bauabschnitt – die Entkernung und Instandsetzung des historischen Baus von 1848 – begann schon verspätet.

Von März bis November 2016 ruhte die Baustelle schließlich komplett. Grund waren statische Probleme in dem denkmalgeschützten Bau. 2018 musste der BBL zwei Baufirmen aufgrund fortdauernder Leistungsverweigerung kündigen und die Arbeiten für diese beiden Gewerke neu vergeben.

Historische Details sind bei der Sanierung erhalten geblieben. Quelle: Pauline Rabe

Im Januar 2019 hieß es, dass die Arbeiten Ende des zweiten Quartals fertig sein würden. Danach war von Ende September die Rede. Doch auch daraus wurde nichts. Schuld daran seien „ungeplante Leistungen im Bereich der Abdichtungsarbeiten an den Innenwänden sowie Schlosserarbeiten, die neu auszuschreiben gewesen sind“, teilte BBL-Sprecher Christian Hoffmann damals mit.

14,3 Millionen Euro werden investiert

Die Gesamtkosten sind zwischenzeitlich von zuletzt 11,7 Millionen Euro auf 14,3 Millionen Euro gestiegen. Hinzu kommen die Mietkosten für die Containeranlage von rund 200 000 Euro im Jahr. Macht rund 1,3 Millionen Euro für sechseinhalb Jahre. Nach Angaben des BBL seien keine der Verzögerungen vorher ersichtlich gewesen. Es gelte weiterhin, die Arbeiten vernünftig zu Ende zu bringen.

BBL-Geschäftsbereichleiter Robert Klaus (v. l.), Projektleiterin Claudia Rohatzsch und der zuständige Dezernatsleiter Thomas Möller bei einem Rundgang durch das Gebäude. Quelle: Pauline Rabe

Köppen und seine Kollegen können es kaum erwarten, bald in das neu sanierte Gebäude zu ziehen – auch wenn es noch keinen festen Umzugstermin gibt und viele sich bereits mit der Situation abgefunden haben. Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) bedauert die langen Baumaßnahmen: „Die Polizistinnen und Polizisten warten schon sehr lange auf das neue Gebäude – ich wünsche ihnen, dass es möglichst bald bezogen werden kann.“

Und auch Landrätin Kerstin Weiss (SPD) leidet mit ihren unmittelbaren Nachbarn: „Bei allem Verständnis für auftretende Probleme: Eine so lange Bauzeit und so viele Verzögerungen und so viele Verschiebungen der Fertigstellung zeugen nicht von hoher Wertschätzung der täglichen Arbeit der Polizisten“, sagt sie. Das Vorhaben müsste deshalb an entsprechender Stelle zur Chefsache erklärt werden.

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Von Pauline Rabe

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