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Wismar Die Schweden sind da und verteidigen ihr Wismar
Mecklenburg Wismar Die Schweden sind da und verteidigen ihr Wismar
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16:21 16.08.2019
Schlachtdarstellung wie im Jahre 1700: Die militärhistorischen Vereine aus Schweden haben am Freitagmittag Punkt 12 Uhr schwedische Karolinertruppen mit Kavallerie, Infanterie und Artillerie auf den Wismarer Marktplatz zum Schwedenfest geschickt. Quelle: Michaela Krohn
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Wismar

Kanonen- und Gewehrschüsse, über den Marktplatz galoppierende Pferde und kampfeslustige Soldaten in Gelb und Blau – das kann nur eines bedeuten. Wismar, das um 1700 noch schwedische Enklave war, wird von den Dänen im Großen Nordischen Krieg angegriffen. Eine Schlacht zu Pferd und am Boden beginnt. Die Schweden verteidigen ihr Wismar. Wie sich das vor mehr als 300 Jahren abgespielt hat, haben am Freitagmittag die militärhistorischen Vereine aus Schweden auf dem Wismarer Marktplatz gezeigt.

Ostseestadt Wismar galt unter Skandinaviern als beliebtes Herrschaftsgebiet

Zu jedem Schwedenfest zeigen sie, wie die Soldaten damals um die begehrte Ostseestadt gekämpft haben. Generalsekretär Christian Weibull moderiert traditionell die Darstellung – so auch in diesem Jahr. Ein erhöhter Schwierigkeitsgrad bei der ersten Schlachtvorführung des 20. Schwedenfestes war allerdings durch den mitunter strömenden Regen gegeben.

So haben die Schweden Wismar um 1700 verteidigt

Für Reiter, Kämpfer und die zahlreichen Zuschauer schien dies jedoch kein Problem gewesen zu sein. Schlachten werden schließlich nicht durch etwas Niederschlag unterbrochen. Die Pferde der Reiter nahmen vom Regen ebenfalls kaum Notiz.

Die schwedischen Truppen marschieren auf, um ihr Wismar zu verteidigen. Quelle: Michaela Krohn

Viel Applaus für historische Darstellung im Regen

Nachdem die blau-gelben Soldaten ihr Wismar erfolgreich gegen die Eindringlinge verteidigt hatten, gab es begeisterten Applaus von den umstehenden Schaulustigen. Das Schauspiel wiederholte sich am Nachmittag noch einmal – diesmal blieben alle Beteiligten trocken.

Pferde auf dem Wismarer Marktplatz: Die Kavallerie reitet ein. Quelle: Michaela Krohn

Nach den Vorführungen stehen die Schweden, die in diesem Jahr wieder Unterstützung von Dänen und Norwegern bekommen haben, für Fotos bereit.

Choreograf gibt Tipp: „Es kann laut werden. Ohren zuhalten“

Schon seit 2003 ist Christian Weibull für die Choreografien der militärhistorischen Vereine verantwortlich. Der Schwede erklärt: „Es kann laut werden. Wer empfindlich ist, sollte sich die Ohren zuhalten.“ Sicher ist sicher. Dass Pferde, Infanterie und Artillerie bei einer solchen Aufführung zusammen auftreten, sei einmalig. Schon seit vielen Jahren spiele sich dieses Spektakel so nur in Wismar ab.

Christian Weibull ist Choreograf der historischen Schlachten in Wismar. Quelle: Michaela Krohn

Schweden verpfändeten Wismar an Mecklenburg und forderten die Stadt nie zurück

Historische Schlachtvorführungen gibt es noch am Sonnabend und Sonntag. Auch ein Feldgottesdienst wird abgehalten.

Zu dem bis Sonntag dauernden Fest werden mehr als 100000 Besucher erwartet. Es gilt als das größte Schwedenfest außerhalb Schwedens und nach der Hanse Sail als größtes Volksfest des Landes.

Schlachten und historisches Feldlager

Sonnabend

9.50 Uhr bis 17 Uhr Historisches Feldlager und Vorführungen der militärhistorischen Einheiten, Wache vor dem Rathaus mit regelmäßigem Wachwechsel; 10 Uhr Historischer Feldgottesdienst; 11.15 Uhr Interaktion im Feldlager; 11.30 12.15 Uhr Schwedische Truppen und Wismarer Schützen: Übung vor dem Rathaus; 13.30 Uhr Große Wachablösung vor dem Rathaus mit Musik und Erläuterungen zu Uniformen und Waffen; 14.30 Uhr Interaktion im Feldlager; 15.30 Uhr Authentische Schlachtdarstellung wie im Jahr 1700: Schwedische Karolinertruppen mit Kavallerie, Infanterie und Artillerie; 17 Uhr Zapfenstreich vor dem Rathaus

Sonntag

9.25 Uhr bis 14 Uhr historisches Feldlager und Vorführungen der militärhistorischen Einheiten, Wache vor dem Rathaus mit regelmäßigem Wachwechsel, historisches Feldlager; 9.30 Uhr Historischer Feldgottesdienst; 11 Uhr Interaktion im Feldlager; 11.45 Schwedenweg: Historischer Umzug durch die Altstadt (Start am Marktplatz); 12 Uhr Interaktion im Feldlager; 12.15 Uhr Frista Musikkorps, Platzkonzert vor dem Rathaus; 13.30 Authentische Schlachtdarstellung wie im Jahr 1700; 14 Uhr Aufmarsch vor dem Rathaus mit Musik zum Zapfenstreich, Verabschiedung der historischen Einheiten durch den Bürgermeister

Zum Hintergrund der Schlachten: Während des Dreißigjährigen Krieges wurde am 7. Januar 1632 die Stadt von den Schweden eingenommen. Nach vielen militärischen Auseinandersetzungen in der Folge – unter anderem dem Großen Nordischen Krieg – verpfändeten die Schweden die Stadt 1803 für 100 Jahre wieder an Mecklenburg. Nach Ablauf der Pfandzeit haben die Schweden Wismar allerdings nie zurückgefordert.

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Von Michaela Krohn

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