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Wismar Die neuen Giganten aus Wismar
Mecklenburg Wismar Die neuen Giganten aus Wismar
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05:10 13.03.2018
Der neue Mega-Kreuzliner der Global Class wird 342 Meter lang und 65 Meter aus dem Wasser ragen. Die „AIDAaura“ wurde 2003 in Wismar feritiggestellt. Sie ist 203 Meter lang und guckt 45 Meter aus dem Wasser. ANIMATION: MV WERFTEN
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Wismar

Als Kirche der Seefahrer und Fischer wurde St. Nikolai in Wismar erbaut. 64 Meter ist der Turm hoch. Hoch hinaus geht es auch mit einem neuen Giganten. Letzte Woche war der erste Brennschnitt auf der Wismarer Werft für den Mega-Kreuzliner. 342 Meter lang und 46,40 Meter breit ist ein Schiff der sogenannten Global Class. Nach 20 Decks und Schornstein ragt das Schiff 65 Meter aus dem Wasser.

Die Mega-Kreuzliner sind 70 mal größer als die Flussschiffe – Spracherkennung an Bord

ZAHL DES TAGES

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Milliarden Dollar (1,66 Milliarden Euro) an Hilfsgeldern will US-Präsident George W. Bush zur Beseitigung der Schäden des Hurrikans Charley beim Kongress beantragen.

In Wismar und Warnemünde entstehen die größten jemals in Deutschland gebauten Kreuzfahrtschiffe. In Wismar werden Heck und Bug gebaut, in Warnemünde der Mittelblock. Die Endmontage erfolgt in Wismar.

Bis zu 9500 Passagiere

„Giganten made in MV“ heißt es auf der Homepage der Werftengruppe. Jarmo Laakso, Geschäftsführer der MV Werften, stellt einen Vergleich an, der den Betrachter mit der Zunge schnalzen lässt: „Ein Global-Schiff ist 70 mal größer als ein Flussschiff.“

Vier Flusskreuzfahrtschiffe wurden in Wismar für den neuen Eigentümer, die Genting Holding Hong Kong, gebaut. 135 Meter Schiffslänge und 110 Passagiere in 55 Suiten sind vergleichsweise bescheiden.

Laakso spricht darum von einer Aufwärmphase.

Die neuen Giganten sind für 5000 Passagiere in 2500 Kabinen ausgelegt. In Ferienzeiten können die XXL-Schiffe bis zu 9500 Passagiere aufnehmen.

Die beiden in Wismar gebauten AIDA-Schiffe sind 203 Meter lang, haben zwölf Decks und 633 Kabinen. Die „Vita“ und „Aura“ ragen 45 Meter aus dem Wasser. Allein der Mittelblock der Global Class, der in Warnemünde fertiggestellt wird, wird 216 Meter (!) lang sein.

Für die neuen Giganten liegen zwei Jahre Planung, Konstruktion und Einkauf hinter MV Werften. „Der Bau wird eine Meisterleistung zwischen den beiden Standorten sein. Die beiden müssen an ihre Leistungsgrenzen gehen oder sogar darüber hinaus.“ Laakso erwartet tägliche Überraschungen und Herausforderungen.

Künstliche Intelligenz

Zum Gigantismus gehört, dass der Genting-Vorstandsvorsitzende Tan Sri Lim Kok Thay in Wismar von den „technisch am fortschrittlichsten Kreuzfahrtschiffen“ sprach. „Die Schiffe der Global Class spiegeln den weit verbreiteten Einsatz von Technik und künstlicher Intelligenz wider, den unsere asiatischen Gäste in ihrem täglichen Leben genießen. Dazu gehören Dinge wie Gesichtserkennung oder Spracherkennung für die meisten Dienste an Bord. Damit braucht man zum Beispiel auch nicht mehr Schlange zu stehen.“ Hochgeschwindigkeitsinternet an Bord, Multiplexkino, Vergnügungspark, Wellnessoase, asiatische Restaurants, Fast-Food-Alternativen, verschiedene Einkaufsmöglichkeiten, Diskotheken, Sport, Theater und Musicals sorgen für Kurzweil.

Zusätzlich zu den 28 Aufzügen gibt es acht Rolltreppen – die ersten, die auf Schiffen auch öffentlich zugänglich sind.

MV-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) will am 22. März die Werft ausführlich besuchen.

Baudock voll ausgereizt

„Ich bin in einer Kleinstadt groß geworden mit 6000 Einwohnern – ohne Shoppingmall und ohne Kino. Deshalb bin ich unheimlich beeindruckt von der Vorstellung, wie groß dieses Schiff wird und wie viele Menschen darauf Platz haben sollen“, so Schwesig beim ersten Brennschnitt.

Auch viele Wismarer staunen ob der Größe des Schiffes. Das 340 Meter lange Baudock und die 72 Meter hohe Schiffbauhalle werden komplett ausgereizt. Schon zwei im Jahr 2000 abgelieferte Containerfrachter vom Typ CV 5000 wirkten mit ihren 278 Metern gigantisch. Das wird jetzt deutlich getoppt.

Die Vorgänger der beiden Schiffsneubauten in Wismar sind aus Genting-Sicht die „Genting Dream“ (Fertigstellung 2016, 335 Meter lang, 1513000 Bruttoraumzahl) und die „World Dream“ (2017, 335

m, 150695 BRZ).

Noch eine Nummer größer

Nun will der Genting-Konzern mit seiner Reederei Dream Cruises mit den zwei neuen Schiffen die Größenvorteile nutzen und toppen. Die Neubauten kommen auf eine Bruttoraumzahl von 204000. Diese Größe wird auf Grundlage des Volumens aller geschlossenen Schiffsräume vom Kiel bis zum Schornstein berechnet.

Die Touren führen im Sommer zum Beispiel nach Shanghai, im Winter sind die Schiffe auf Routen in Australien, Neuseeland und an der Westküste der Vereinigten Staaten unterwegs.

Das erste Schiff der Global Class soll Wismar Ende 2020 verlassen. Der zweite Ozeanriese wird ab 2019 gebaut, 2021 soll er in See stechen. Für Tan Sri Lim Kok Thay tragen die Investitionen von Bund und Land nach der Wiedervereinigung Früchte. Genting macht mit einem über 210 Millionen schweren Investitionsprogramm die Werften in Wismar, Warnemünde und Stralsund fit für die neuen Herausforderungen.

Schiffbautradition

Ausgerechnet im kleinen Wismar entstehen die neuen Giganten der Weltmeere. Genting und Vertreter der Landesregierung verwiesen beim ersten Brennschnitt auf die Schiffbautradition an der Ostseeküste.

4000 Schiffe wurden bis 1989 in 50 Länder von den Werften im damaligen Bezirk Rostock geliefert. Hauptabnehmer war die Fischerei-Flotte der Sowjetunion. Die wurde mit 2700 Schiffen made in DDR verstärkt. Rund 55000 Menschen waren zur Wendezeit auf den Werften und in den Zulieferbetrieben beschäftigt. Heute sind es deutlich weniger, aber immerhin zeigt der Trend nach oben.

Was soll das noch mit der Werft

Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) sagte vor dem Brennschnitt der ersten Stahlplatte vor 400 Gästen, dass in schlechten Zeiten viele Leute zu ihm gesagt hätten: „Herr Beyer, nun hören Sie endlich auf an die Zukunft der Werft in Wismar und an die Zukunft des Schiffbaus in Mecklenburg-Vorpommern zu glauben. Denken Sie endlich darüber nach, was mit dem Gelände wird und was mit der Halle geschehen soll.“ Von Einkaufszentren sei die Rede gewesen. Beyer: „Ich bin absolut froh, dass wir als Hansestadt immer zum Schiffbau und Werftstandort gestanden haben. Gerade in schwierigen Zeiten.“ Das zahle sich aus. Mit dem Brennschnitt werde vielleicht auch der letzte Skeptiker überzeugt, dass das umgesetzt wird, was Genting versprochen habe.

Stunde der Wahrheit

Als Bürgermeister spüre er, dass das Vorhaben auf „großartige Akzeptanz“ stoße. Das wolle die Stadt positiv begleiten, wo sie könne. Beyer: „Wenn wir eine neue Straße bauen und dabei zum Beispiel 50 Kleingärten dran glauben müssen, dann ist es ja nicht selbstverständlich, dass es keine großen Widerstände gibt. Aber zugunsten der Werft ist manch einer bereit, dann auch Einschränkungen hinzunehmen.“

Für Jarmo Laakso hat mit dem ersten Brennschnitt die Stunde der Wahrheit begonnen. „Wir werden alle unseren Beitrag bringen müssen. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass diese Mannschaft solche Herausforderungen mit Erfolg meistern wird, auch wenn es zu Stolpersteinen kommen sollte.“

Heiko Hoffmann

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