Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wismar Dieser Mann hat Tausende Schuhe repariert
Mecklenburg Wismar Dieser Mann hat Tausende Schuhe repariert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:56 15.12.2017
Schuhmachermeister Alois Karge verabschiedet sich am Freitag mit einem Gläschen Sekt von seinen Kunden. Quelle: Heiko Hoffman
Wismar

Lederschuhe werden wieder mehr gekauft, Turnschuhe weniger getragen, Spitzenabsätze bringen dem Schuhmacher mehr als die Absätze von Plateauschuhen – Alois Karge weiß, was Frauen und Männer an den Füßen tragen und welche Trends angesagt sind.

Er weiß, was Frauen und Männer an den Füßen tragen und welche Trends angesagt sind. Jetzt geht der Wismarer Schuhmacher Alois Karge in Rente. Am Freitag verabschiedet sich der Meister von seinen Kunden.

Freitag ist Schluss: Schuhmacher Alois Karge (70) geht in Rente. Tausende Schuhe hat der Wismarer in seinem Laden in der Lübschen Straße seit 1989 repariert. Mehr dazu hier: http://bit.ly/2AIZiCx

Gepostet von Ostsee-Zeitung Wismar am Donnerstag, 14. Dezember 2017

Am letzten Sonnabend hat der Wismarer seinen 70. Geburtstag gefeiert. Heute „hänge ich den Hammer an den Nagel“, sagt er. Nach 54 Jahren ist Schluss. Kunden und Freunde können an seinem letzten Arbeitstag von 10 bis 12.30 Uhr in der Lübschen Straße 34 auf ein Glas Sekt vorbeikommen.

Alois Karge hat alle Höhen und Tiefen des Schuhmacher-Handwerks miterlebt. Geschichten kann er einige erzählen. Zum Beispiel von Frauen, die sich die Stiefel um einige Zentimeter weiten lassen möchten, weil die Waden etwas strammer geworden sind. „Mit Frauen hast du deine Probleme, aber die haben wir gerne“, sagt Karge mit seinem typisch spitzbübischen Lächeln. Die Kunden mögen das. Und sie mögen ihn. In den letzten Tagen kann sich der Meister vor Arbeit kaum retten. Es herrscht Finalstimmung. Dabei steht ein Nachfolger schon in den Startlöchern. Heinz André Vogel hat sich an Karges Seite eingearbeitet, übernimmt die Technik und öffnet am 2. Januar in der Sargmacherstraße. Anderenorts ist das Handwerk schon längst ausgestorben. Zur Wendezeit gab es in MV rund 200 Innungsbetriebe, jetzt sind es noch etwa 20. In der Hansestadt gibt es mit Maik Oldenburg sogar noch einen zweiten Schuhmacher.

Alois Karge hatte 1963 seine Lehre bei der Großschuhbesohlerei Hinter dem Chor begonnen. „Mein Bruder war Schuhmacher, da hat sich das so ergeben“, erinnert er sich. Ab 1964 gehörte dieses Handwerk wie viele andere zum Dienstleistungskombinat. Seinen Meister hat der gebürtige Wismarer 1976 in Dresden gemacht. Bis Ende 1988 war Karge als Abteilungsleiter Schuhreparatur im Dienstleistungskombinat Wismar tätig.

Dann machte er sich selbstständig. Was sich heute leicht anhört, war zu DDR-Zeiten ein Kraftakt. Sein Bruder war verstorben, Karge wollte in den selben Räumen wie heute sein eigenes Geschäft aufziehen. „Das war mit großen Schwierigkeiten verbunden. Aber ich wollte das unbedingt und habe gesagt, dass ich sonst aufhöre. Meister wurden überall gesucht.“ Kurz vor Weihnachten 1988 hatte Karge die Genehmigung. Die, die ihm Steine in den Weg legen wollten, gehörten zu den ersten Kunden. Gleich der erste Tag war ein Kracher. „Die Leuten standen schon vor der Öffnungszeit Schlange. Nach drei Stunden gab es Arbeit für eine ganze Woche.“ Mit der Wende änderte sich das. Schuhmacher gaben reihenweise auf. Karge: „Die erste Zeit, so etwa zwei Jahre, war richtig wenig los, das war eine ganz harte Zeit.“ Danach lief das Geschäft wieder allmählich an. Karge zählt auf viele Stammkunden. Neuigkeiten werden ausgetauscht, der immer noch aktive Kegler vom Polizei SV Wismar und Handballfan der TSG Wismar hat einen großen Bekanntenkreis. Absätze, Sohlen kleben, Stepparbeiten sind die Klassiker. 60 bis 70 Paar Schuhe werden in der Woche repariert. Kunden kommen auch mit Koffern und Taschen zu ihm, Maschinen kommen ebenso zum Einsatz wie seine „goldenen“ Hände. „Manchmal muss man Künstler sein. Man glaubt nicht, was die Leute alles wollen. Das ist aber auch gut so, Schuhe sind nicht gerade billig.“ Alois Karge beobachtet, dass beim Schuhkauf inzwischen wieder mehr auf Qualität geachtet wird.

Nach vielen Jahrzehnten Schuhwerkstatt werden in dem Haus in der Lübschen Straße 34 demnächst selbst gefertigte Möbel verkauft. Das Handwerk lebt weiter. Alois Karge wird seinem Nachfolger noch ein wenig hilfreich zur Seite stehen. Und seine Schuhe nach Möglichkeit selber reparieren.

Heiko Hoffmann

Die Stromschlag-Opfer in Wismar hätten am Sonntag viel zu lage auf der abgestellten Lok liegen müssen, sagt der Augenzeuge. Die Bundespolizei wehrt sich: Bis zu 8000 Volt Reststrom auf der Leitung hätten eine schnellere Bergung verhindert.

15.12.2017

Am 15. Dezember 1675 marschierte König Christian von Dänemark nach schweren Kämpfen in Wismar ein und besetzte die Stadt.

15.12.2017

Training soll Unsicherheit verringern

15.12.2017