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Wismar Dorf Mecklenburg: Pfarrscheune als neuer „Kontakt-Punkt“
Mecklenburg Wismar Dorf Mecklenburg: Pfarrscheune als neuer „Kontakt-Punkt“
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09:27 01.07.2019
Architekt Gottreich Albrecht (links) führte die Gäste durch die Pfarrscheune Dorf Mecklenburg und machte auf die vielen Besonderheiten aufmerksam. Quelle: Nicole Hollatz
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Dorf Mecklenburg

„Hier wurde gedroschen!“ Architekt Gottreich Albrecht steht in der großen und angenehm kühlen ehemaligen Durchfahrt der Pfarrscheune Dorf Mecklenburg und erzählt vom Haus und seiner Geschichte. Und von der großen Aufgabe, die 300 Jahre alte Scheune mit einem Nutzungskonzept und Baukosten von fast einer halben Million Euro zu retten.

Die Pfarrscheune bietet spannende Details und Blicke in die Vergangenheit. Monatlich gibt es dort beispielsweise das Sommerkino, dazu Veranstaltungen wie Frauenfrühstück und Handarbeitskreis.

Über die „Riehwand“ wurde die Garben in die so genannte Banze geworfen. Albrecht zeigt auf die alten Bretter hinter sich an der Lehmwand. „Die schützten beim Dreschen die Lehmwand, so etwas ist kaum noch erhalten!“

300 Jahre Geschichte

Und auch sonst gibt es in der Scheune viel zu entdecken. Um 1702 wurde die Scheune als Drei-Ständer-Haus gebaut, 1792 kam die „Abseite“ hinzu, 1850 wurde die Scheune verlängert und bis in die 1960er, 1970er Jahre genutzt. „Vor 10 Jahren musste eine Notsicherung erfolgen“, berichtet der Architekt vom damaligen Zustand.

Eine Sanierung war nur mit neuer Nutzungsidee möglich. Es sollte ein Gemeinschaftszentrum für Kirchgemeinde und Kommune entstehen, dazu natürlich denkmalgerecht und mit Blick auf die Nutzung saniert werden. Keine leichte Aufgabe, aus einer ehemaligen Scheune einen Ort für Veranstaltungen, Menschen und Kultur zu machen. Und gleichzeitig diese Blicke in die Vergangenheit zu ermöglichen.

Raum in Raum gebaut

Gottreich Albrecht zeigt im Eingangsbereich nach oben: Der Blick in den Dachstuhl und damit unter die enorme Reetdachhülle ist nicht verbaut. „Wir haben Raum in Raum gebaut“, erklärt der Architekt weiter. In der alten Raumhülle des großen Fachwerkbaus entstand ein neuer, in sich abgeschlossener Raum mit Heizung und Wärmedämmung, vielen historisch erhaltenen Bauelementen und modernen Ergänzungen.

„Wir konnten hier unglaublich viel historische Substanz erhalten“, weiß der Architekt und zeigt auf die alten Fachwerksbalken. Die wurden zum Teil offensichtlich vor dem Einbau in die Scheune andersweitig genutzt. „Unsere Vorfahren haben nachhaltig gebaut.“

Moderne Ergänzungen

Das Historische wurde durch Glastüren, moderne Lichtleisten und Fensteröffnungen auch in Innenwänden ergänzt, um mehr natürliches Licht in die Räume zu bekommen. Der Estrichboden setzt sich genauso wie andere moderne Einbauten farblich vom Holz und den Lehmwänden ab.

Die Räume sind barrierearm erschlossen, so dass auch Rollstuhlfahrer, Kinderwagen- und Rollatorschieber die Scheune nutzen können. Sogar ein rollstuhlgerechtes WC gibt es.

„Modernes Leben in alter Substanz“, nennt Albrecht den denkmalpflegerischen Anspruch, der eben nur mit einem neuen Nutzungskonzept funktionieren kann. „Das war eine schöne Herausforderung!“

Fast eine halbe Million

470.000 Euro hat die Sanierung gekostet, noch ist nicht alles fertig. Die Küche ist bisher ein Provisorium, die richtige Küche wird noch eingebaut. Dank Fördermittel aus EU (Leaderprojekt), Land, Landkreis und Kommune und natürlich Kirchgemeinde wurde die Sanierung möglich. Die Kirchgemeinde sammelt beispielsweise seit Jahren fleißig Altpapier für die Bauarbeiten.

Die Scheune ist das älteste profane Gebäude in Dorf Mecklenburg und bildet mit Kirche, Pfarrhaus und Pfarrwitwenhaus den historischen Dorfkern. Die Kirchgemeinde hofft, dass die Scheune sich in den nächsten Jahren auch wieder zum Dorfzentrum, zum „Kontakt-Punkt“ entwickelt (siehe Infokasten).

Sommerkino in der Pfarrscheune

Die frisch sanierte Pfarrscheune soll zum „Kontakt-Punkt“ für Kirchgemeinde und den Menschen in Dorf Mecklenburg und darüber hinaus werden. Jetzt schon nutzen Gemeindemitglieder die Räume für einen Handarbeitskreis, Gemeindenachmittage oder Frauenfrühstück. Weitere Gruppen – auch ohne kirchlichen Bezug – können die Scheune genauso nutzen. Auch für private Veranstaltungen kann die Scheune genutzt werden. Neben der großen Diele mit Cafécharakter und Küchenzeile gibt es zwei große Räume in der Scheune, einen für 30 bis 50 Menschen, einen für 20 bis 30 Gäste, je nach Bestuhlung.

In Zukunft soll noch ein von außen begehbarer Raum als Nachtlager für Fahrradtouristen und Pilger entstehen.

Jetzt in den Sommermonaten finden Sommerkinonachmittage für Familien und -abende für Erwachsene statt. Am 5.7. wird Pettersson und Findus und am 16. August „Die kleine Hexe“ gezeigt, jeweils um 16 Uhr. Für Erwachsene läuft am 5.7. der Film „Birnenkuchen mit Lavendel“, am 16.August der Film „Monsieur Pierre geht online“ und am 13.September der Film „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“, jeweils um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Nicole Hollatz

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