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Wismar Das Dorf, das es nicht mehr gibt
Mecklenburg Wismar Das Dorf, das es nicht mehr gibt
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17:15 14.03.2019
Die Kussower Hutung zwischen Grevesmühlen und Kussow Quelle: Michael Prochnow
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Grevesmühlen

Nur die alten Grevesmühlener kennen die alte Bauernstelle, die 1850 gegründet und 1953 wieder verlassen wurde und im nördlichsten Zipfel des Stadtgebiets nahe des Friedwalds liegt, überhaupt noch. Selbst auf Landkarten ist die Siedlung nicht verzeichnet, dabei lebten hier rund 100 Jahre etliche Menschen. Heute erinnern noch ein paar Feldsteine, die zum Fundament der Häuser gehörten, an die Vergangenheit. Sogar eine Stromleitung führte auf die kleine Lichtung, die sich in die Landschaft einfügt. In Grevesmühlen erzählt man sich von Schafherden, die dort grasten. Aber an die Bewohner der Kussower Hutung erinnert sich niemand.

Aus den offiziellen Listen verschwunden

Unterlagen über den Hof sind schwer zu finden, beziehungsweise überhaupt nicht. Eine Nachfrage im Grevesmühlener Stadtarchiv bleibt auch ergebnislos, Unterlagen zu der Siedlung, so Archivar Alexander Rehwaldt, gebe es leider nicht. Auch im Landeshauptarchiv in Schwerin gibt es den Namen in keiner der offiziellen Listen. Und doch hat es die Siedlung gegeben. Ob die Aufgabe der Häuser und Stallungen mit der späteren Errichtung der Radarstation der Roten Armee auf der gegenüberliegenden Seite der Landesstraße nach Klütz zusammenhängt, ist offen. Der Militärstützpunkt wurde zwar erst Jahre später errichtet, Tatsache ist allerdings, dass die Armeeführung Einfluss auf die Bebauung in der näheren Umgebung genommen habe, um – wie es offiziell hieß – störende Einflüsse auf die Radarmessungen zu vermeiden.

Was bleibt bei der Spurensuche, sind die Erkenntnisse des Nabu Nordwestmecklenburg, der das Areal in den vergangenen Jahren bewirtschaftet hat. Die Bezeichnung Hutung, so heißt es in einer Erklärung des Naturschutzbundes, sei von „Vieh hüten“ auf einer Waldweide abgeleitet. „Im 19. Jahrhundert wurden Waldstücke zur Holz- und Ackergewinnung gerodet. Die Kussower Hutung ist 20 Hektar groß und wurde um 1850 auf früheren Waldflächen als Hofstelle des Waldwärters eingerichtet. Grünland dominierte, Teilflächen wurden noch bis 1992 als Acker bewirtschaftet. Die sogenannte Hofstelle Jantzen ist seit Mitte der 1950er Jahre verlassen und verfiel.“

Arbeit auf dem Areal ruht wieder

Nach intensiver Planung hatte dort die Rekultivierung im Jahr 2005 begonnen, unter anderem mit der Einzäunung einer sechs Hektar großen Weidefläche für die Beweidung mit Rindern. Die erfolgte im Frühjahr 2005 in Zusammenarbeit mit Landwirt Manfred Uhde aus Rüting. Denn neben dem Landkreis, der Stadt Wismar und dem Nabu, der sich intensiv um die Fläche kümmerte, waren auch Landnutzer ein wichtiger Teil in der Verbandsarbeit.

Doch nachdem in den vergangenen Jahren die Arbeit in diesem Areal, das sich nördlich des Friedwalds befindet, voranging, scheint derzeit Ruhe zu herrschen. Zwar hat der Nabu dort Schautafeln aufgestellt, auf denen Flora und Fauna erläutert werden, doch die verfallenen Zäune zeugen davon, dass seit geraumer Zeit nichts mehr passiert ist.

Dabei wurde vor einigen Jahren die ehemalige Hofstelle, von der nur Fundamente vorhanden waren, aufgeräumt und eingezäunt. Außerdem hat man die ehemals am Hausgarten vorhandene Obstwiese mit jungen Bäumen alter Sorten ergänzt, was ein weiteres Ziel des Landschaftspflegeverbandes ist: alte Arten zu erhalten. Für 2007 war der dritte Bauabschnitt für die Kussower Hutung geplant, der die Weidenutzung vorsah. Das wurde offenbar auch umgesetzt, wie anhand der Zäune und Heureste zu sehen ist. Doch völlig unklar ist, wie die künftige Nutzung aussehen soll, beziehungsweise ob es überhaupt eine gibt. Selbst beim Nabu gibt es derzeit keine Informationen zu diesem Thema.

Kontakt: Wer Informationen zur Geschichte der Kussower Hutung hat, kann sich gern an die Redaktion der OSTSEE-ZEITUNG wenden unter grevesmuehlen@ostsee-zeitung.de oder 03881/787810.

Michael Prochnow

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