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Wismar Drei tote Wismarer: Drei Jahre Haft für Unfallfahrer
Mecklenburg Wismar Drei tote Wismarer: Drei Jahre Haft für Unfallfahrer
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12:14 30.01.2019
Demolierte Fahrzeuge, Autoteile und ein Motorblock stehen und liegen auf der Autobahn 1 hinter dem Kreuz Bargteheide. Bei dem schweren Unfall starben drei Männer aus Wismar. Quelle: Florian Büh/dpa
Wismar/Ahrensburg

Drei Menschenleben kostete eine Trunkenheitsfahrt das Leben. In der Nacht zum 28. Januar vergangenen Jahres war ein 25-jähriger Deutsch-Iraker auf der Autobahn 1 in Richtung Norden unterwegs. Kurz hinter dem Autobahnkreuz Bargteheide rammte er einen Skoda, in dem drei Wismarer im Alter zwischen 28 und 40 Jahren saßen. Durch die Wucht des Aufpralls schleuderte der Skoda zunächst von der Fahrbahn gegen einige kleinere Bäume, überschlug sich dann und blieb auf dem Dach auf der mittleren Fahrbahn liegen. Alle Insassen starben noch an der Unfallstelle (die OZ berichtete).

Der Unfallverursacher musste sich nun vor dem Schöffengericht in Ahrensburg verantworten. Freitagnachmittag fiel das Urteil: drei Jahre Gefängnis und drei Jahre Führerscheinsperre. Letztere beginnt, wenn er die Haftstrafe abgesessen hat. Einige Stunden vor dem Urteil hatte der Mann mit leiser Stimme eine Erklärung verlesen: „Ich habe Schuld für ein Leben lang auf mich geladen.“ Er habe damals eine schwierige Lebensphase gehabt, viel gearbeitet und kaum Freizeit gehabt. Zudem wollte sich seine damalige Freundin von ihm trennen. Unter Alkoholeinfluss habe er sich frei gefühlt.

Zwei Stunden nach dem schrecklichen Unfall hatte er immer noch 1,72 Promille. Damals jobbte er in einer Bar und trank während seiner Schicht. Eine Flasche Wein und einige Cocktails habe er intus gehabt.

Am ersten Verhandlungstag hatten diverse Zeugen über die chaotische Fahrt des Angeklagten berichtet. Schon in Hamburg fiel sein silberner Golf am Horner Kreisel auf. Dort hatte er den Kantstein gestreift und sein Fahrzeug drehte sich. Er stieg kurz aus und setzte seine Fahrt fort. Weitere Zeugen schilderten, dass er andere Verkehrsteilnehmer erheblich gefährdete, die Fahrspur nicht einhielt und links und rechts überholte.

Die Polizei erwischte ihn zwei Monate vor dem Unfall bei einer Tempoübertretung von 40 Stundenkilometern auf der Autobahn 1 bei Lübeck. Ein Jahr zuvor stoppte ihn die Polizei und wies ihm Kokainkonsum und -besitz nach. Die Folge: ein Monat Fahrverbot. „Danach hat er erfolgreich eine ambulante Therapie gemacht“, sagte sein Anwalt.

Laut technischem Sachverständigen hat der Unfallfahrer den Skoda leicht versetzt gerammt und blieb mit dem Heck an der Mittelleitplanke stehen. Danach rammte noch ein Jeep den Skoda aus Wismar, der in einem Trümmerfeld stand. Der Golf sei zwischen 170 und 195 Stundenkilometer gefahren, der Skoda zwischen 90 und 130. Für die schweren Folgen sei die Geschwindigkeitsdifferenz ursächlich, für den Tod der Insassen allein der Aufprall durch den Golf. Das Fahrzeug hatte den Skoda hinten um 90 Zentimeter zusammengeschoben. Technisch sei der Skoda in Ordnung gewesen, der Fahrer war fast nüchtern. Die Rechtsmedizinerin hielt den 25-Jährigen für schuldfähig: „Seine Steuerungsfähigkeit war nicht erheblich eingeschränkt.“

Gut 40 Zuschauer, darunter viele Freunde und Angehörige der Opfer, und einige Medienvertreter verfolgten den Prozess. Sieben Anwälte vertraten neun Nebenkläger. „Mein Sohn war sehr beliebt und hatte viele Pläne“, sagte der Vater eines Opfers, „wir denken täglich an ihn.“ Auch das Verhalten der beiden Wahlverteidiger hatte ihn empört: „Wie konnten sie beim Interview mit dem Angeklagten in die Fernsehkameras grinsen?“ Für seine Frau und ihn sei eine Welt zusammengebrochen, so ein weiterer Vater. „Mein Sohn hat zwei Kinder im Alter von drei und sechs Jahren hinterlassen.“ Die Zeit heile eben nicht alle Wunden, so die Schwester eines Opfers.

„Der Angeklagte hat drei Familien zerstört, die bis ans Lebensende darunter leiden müssen“, sagte der Staatsanwalt. Er forderte drei Jahre Gefängnis und drei Jahre Führerscheinsperre für den Hamburger, auch zur Warnung für mögliche Trunkenheitsfahrer. Dem schloss sich die Nebenklage an. Der Mann „hat unsägliches Unheil angerichtet“, sagte einer der Anwälte, „aber ohne Vorsatz, er hat sich kein Rennen geliefert.“

Das Gericht folgte dem Antrag des Staatsanwalts. Der Unfallfahrer „hätte seinen stark alkoholisierten Zustand erkennen können“, sagte der Vorsitzende Richter, „spätestens beim Anprall auf den Kantstein.“ Er habe alle Warnzeichen missachtet. Sein Fehlverhalten sei außerordentlich schwerwiegend, so wie die Folgen für die Angehörigen und alle, die die Opfer liebten.

Jens Peter Meier

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